Sachsenheim
: Daimlers erste echte „S-Klasse“

Stephan Krzok hat sich einen Jugendtraum erfüllt: Sein Mercedes-Benz SE 280 von 1979 galt früher als Inbegriff des Luxusautos aus Deutschland.
Von
John Patrick Mikisch
Sachsenheim
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Ganz schön feudal: Martin Krzok mit seinem Mercedes 280 SE vor dem Sachsenheimer Wasserschloss.

/Martin Kalb

Dass ich mir mal so ein Auto leisten kann, hätte ich mir selbst nie träumen lassen“, sagt Stephan Krzok. Der 60-jährige Sachsenheimer steht mit seinem Mercedes-Benz 280 SE vor dem Wasserschloss in Großsachsenheim.

Das feudale Ambiente passt zum Auto, ist der 280 SE doch die erste offizielle S-Klasse des Stuttgarter Autokonzerns und galt bei seiner Markteinführung 1972 als Inbegriff des gediegenen Luxus. Auch in puncto Technik wartete die Baureihe W 116, so die firmeninterne Bezeichnung, mit einigen Neuerungen auf, etwa mit einem gegen Zusammenstöße geschützten 96 Liter großen Tank über der Hinterachse und einem Vierspeichen-Sicherheitslenkrad. Ab 1978 gab es die Baureihe auch mit Antiblockiersystem.

Velourssitze und Kassettendeck

Auffälligstes Feature an Krzoks innig geliebtem SE 280 sind aber die blauen Veloursbezüge, die den weißen Außenlack gut kontrastieren. Auch sonst hat der Benz mit Baujahr 1979 überzeugende innere Werte: „Ein Radio mit Kassettendeck, Zentralverriegelung und Automatik“, zählt Krzok auf. Die Fenster muss man allerdings per Hand hoch- und herunterkurbeln. „Vielmehr Ausstattung gibt es aber nicht“, sagt Krzok. Selbst der Außenspiegel auf der Beifahrerseite war damals nicht serienmäßig. Dafür verfügt sein SE 280 aber sogar über ein Dachfenster.

Das „SE“ steht übrigens für „Sonderklasse“ und „Einspritzer“, die 280 gibt den Hubraum des Sechs-Zylinder-Motors an: 2,8 Liter. Der beschleunigt den Wagen mit 185 PS auf bis zu 200 Kilometer pro Stunde, theoretisch. „Wie weit das auf dem Tacho geht, habe ich noch nicht ausprobiert“, sagt Krzok. Er gondelt lieber bei 120 bis 130 km/h mit der Lebensgefährtin gemütlich bei einem Sonntagsausflug durchs Gäu. Dann verbraucht der Wagen auch nicht so viel: etwa zwölf Liter, wie Krzok schätzt. Gefahren wird aber möglichst nur bei Sonnenschein. Denn Regen und Rost sind auch bei diesem stabilen Mercedes der Feind Nummer eins.

Kurz nach der Markteinführung des SE war das allerdings die Ölkrise 1973, die sich 1979/80 wiederholte. Nicht ganz so krisenhaft war Krzoks Jagd nach seinem Oldtimer. „Den ersten SE 280 habe ich spontan gekauft, nachdem ich ihm in Dunkeln in einer Scheune angesehen hatte“, erzählt Krzok. „Ein klassischer Anfängerfehler.“ Es folgte: ein Prozess und viel Ärger. Der Traum vom eigenen SE aber blieb. „Mein Vater war früher auch immer im Mercedes unterwegs“, erzählt Krzok.

Auf einer Auto-Messe sah er wieder einen SE 280. „Der war zwar verkauft, aber ich habe einfach die Daten notiert und den Aussteller irgendwann mal angerufen.“ Dessen Käufer hatte zwar den Wagen angezahlt, sich aber nie wieder gemeldet und war offenbar auch unauffindbar. „So bin ich zu meiner S-Klasse gekommen.“

Einen solchen Wagen zu besitzen sei für ihn auch mit Besitzerstolz verbunden, wie Krzok zugibt. „Dann hat man es geschafft.“ Wie damals, als die S-Klasse zum ersten Mal auf die Straßen kam.

  • Kantiges Design und doppelte Stoßstange: typisch SE 280.

    Martin Kalb
  • Der SE 280 gehört zur Baureihe 116 von Daimler-Benz, die die „S-Klasse“ offiziell einführte.

    Martin Kalb
  • Luftiger Ausblick: Der SE 280 hatte schon ein elektrisches Schiebedach.

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  • Die Sitze und der Innenraum sind mit blauem Velours bezogen.

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  • Entertainment-Center anno 79: Radio „Becker Mexico“ mit Kassettendeck.

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  • Damals noch eine Rarität in deutschen Autos: die Automatikschaltung.

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  • Bei allem Luxus: Die Fenster musste man damals noch per Hand kurbeln.

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  • Ordentlich Wumms unter der Haube: 185 PS und 2,8 Liter Hubraum beschleunigten den SE 280 auf etwa 200 km/h.

    Martin Kalb
  • Die Originalpreisliste: Mit 36 532,90 DM war das Auto damals kein Schnäppchen.

    Martin Kalb
  • Kein italienisches Auto: Der Daimler macht aber trotzdem Bella Figura vor dem Sachsenheimer Wasserschloss.

    Martin Kalb
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