Sachsenheim: Adelssitz wurde beinahe Mädchenwohnheim

Das Schloss vor dem Aufbau des Südflügels. So präsentierte sich das altehrwürdige Gemäuer nach dem Brand von 1823.
/BZ-ArchivAufwändig restauriert und hübsch herausgeputzt strahlt das Sachsenheimer Schloss in neuem Glanz. In der heutigen Form um 1544 erbaut und zuletzt von 2016 bis 2020 aufwändig restauriert, ist das altehrwürdige Gebäude heute der Sitz der Stadtverwaltung. Eine mehr als wechselvolle Geschichte hat das Wasserschloss aufzuweisen. Einst stand an dieser Stelle eine Burg aus dem 11. Jahrhundert.
Im 13. Jahrhundert wurde dann auf diesem Platz eine Burg, oder vielmehr ein Schloss als Stammsitz der Herren von Sachsenheim erstellt. Das frühere Schloss zu Sachsenheim brannte 1542 nieder.
Gespensterhafter Kopf am Haupteingang
Im 1913 erschienenen Heftchen „Großsachsenheim in Wort und Bild“, das seinerzeit von der Wirtschaftlichen Frauenschule herausgegeben wurde, ist zu lesen, dass beim Neubau des Schlosses unter Reinhard von Sachsenheim im Jahr 1544 ein Kragstein mit gespensterhaften Kopf an die linke Seite des Haupteingangs gesetzt wurde. Die Zeitgenossen machten sich wohl Gedanken über die Bedeutung des „Fratzengesichtes“ das die Betrachter in diesen Stein hineininterpretierten. Dies soll schlussendlich der Ursprung der Sage vom Sachsenheimer „Klopferle“ gewesen sein, dem man quasi im Nachhinein die Schuld an dem verheerenden Brand zuschrieb. Mit Reinhard von Sachsenheim starb das Adelsgeschlecht 1560 aus, anschließend fiel das Gebäude an das Haus Württemberg. 1823 brannte es wieder im Schloss.
Im Jahr 1823 ist der Südflügel abgebrannt
Der Südflügel fiel den Flammen zum Opfer. Die Württemberger veräußerten das Gebäude 1828 an den General von Misani. Nach dessen Tod (1845) kaufte es 1846 Freiherr Albert von Roeder. Während des deutsch-französischen Krieges (1870/1871) diente das Schloss als Lazarett. Davon zeugt ein Denkmal auf dem Großsachsenheimer Friedhof, das an neun Soldaten erinnert, die im Schloss verstorben sind.
Mehrmals wechselte das Schloss im 20. Jahrhundert seinen Besitzer. 1903 erbte die damals 18-jährige Helene Freiin von Koenig-Fachsenfeld das inzwischen marode Gebäude von ihrem Großvater Freiherr Albert von Roeder. Die neue Besitzerin zog nach Großsachsenheim und ließ das Schloss aufwändig renovieren. Im Gartenhaus des Schlossparkes gründete Helene Freiin von Koenig-Fachsenfeld 1908 die Landfrauenschule. Wie Hermann Albrecht recherchierte, hat Helene Freiin von Koenig-Fachsenfeld in den Wirren der Inflation das Schloss 1922 an den Fabrikanten Gottlob Schönfelder verkauft. Die Baroness behielt das Gartenhaus und wohnte auch darin. Der neue Schlossherr hatte, wie es scheint, nicht lange seine Freude an dem alten Gemäuer.
Gottlob Schönfelder versteigerte das Schloss 1930 an Dr. Walter Schultze in Berlin. Bereits 1936 wechselte das Anwesen wieder den Besitzer. Walter Schultze veräußerte es an die Württembergische Landessparkasse. Diese wiederum verkaufte es 1938 an den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen.
Ein Kasino für die französische Armee
Helene von Koenig-Fachsenfeld starb 1938. Ihre Nichte Olga erbte das Gartenhaus und wohnte selbst noch etliche Jahre im Städtle. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte kurzfristig eine in Großsachsenheim stationierte Luftwaffeneinheit das Gebäude, nach Kriegsende diente das Schloss der Französischen Armee als Kasino, Stabsquartier und Gefängnis. Anschließend wurde in dem Gebäude ein Müttererholungsheim untergebracht.