Sachsenheim
: 50 Jahre DLRG Sachsenheim: „Es schlägt das DLRG-Herz“

Die DLRG-Ortsgruppe Sachsenheim feiert 50 Jahre. Ingrid Kungl und Ute Delphard sind mit jeder Menge Freude dabei – obwohl es auch Krisen gab und um die Jugend gebangt wird.
Von
Lisa Lorenz
Sachsenheim
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Ingrid Kungl (links) und Ute Delphard auf dem Drei-Meter-Turm des Schloss-Freibads Sachsenheim. Auf die Freibaderöffnung freuen sie sich jedes Jahr wieder.

/ Martin Kalb

Es sind frische 14 Grad Celsius im Sachsenheimer Schloss-Freibad. Den ganzen Vormittag lang regnet es schon. Die Tropfen fallen ins Schwimmbecken, wo abgefallene Blätter der umstehenden Bäume im Wasser treiben. Ingrid Kungl läuft in Dreiviertelhose und Crocs über das Freibadgelände. „Solange es nicht schneit, habe ich Crocs an“, sagt die Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Sachsenheim. An diesem Samstag, 10. Oktober, feiern sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Gegründet wurde die Ortsgruppe am 5. März 1976. Rund 50 Mitglieder wechselten damals von der Ortsgruppe Bietigheim zur neuen in Sachsenheim. 1977 wechselte auch Ute Delphard von Bietigheim nach Sachsenheim. Seitdem ist sie aktiv in der Ortsgruppe, kümmert sich heute um Wirtschaft und Finanzen – kurz: „Wuf“, wie sie sagt. Kungl kam 1982 in die Ortsgruppe, Vorsitzende ist sie seit 2016. Sie kam gerade von einer Reise zurück, erinnert sie sich, und noch am Sachsenheimer Bahnhof wurde sie mit den Worten „Du machsch des“ zur Vorsitzenden auserwählt. Für sie kein Problem: „Wir sind ein familiärer, kompakter Haufen und machen auch privat viel miteinander“, sagt die 56-Jährige. Mittlerweile sind auch ihre Enkel in der Ortsgruppe, die Mitgliedschaft gab es quasi zur Geburt: „Rausgeschlüpft – DLRG-Mitglied“. Aber auch die Kinder anderer Mitglieder werden „im Maxi Cosi schon angemeldet“.

Wiederbelegung wird geübt

Vor Beginn jeder Rettungswachsaison veranstaltet die Ortsgruppe ein Seminar zum Auffrischen, in dem beispielsweise das Wiederbeleben geübt wird – „damit man Routine hat“, sagt Delphard. Dass wirklich etwas passiert, komme aber nur sehr selten vor. Im vergangenen Sommer seien die Leute schon mal wegen der Hitze zusammengeklappt, oder es gab einen Bienenstich. Delphard ist ein epileptischer Anfall im Schwimmbecken vor ein paar Jahren in Erinnerung geblieben. Neben der Rettungswache bieten die Mitglieder Schwimm- und Aquafitkurse sowie Training für Jugendliche und Erwachsene an, reinigen aber auch das Becken, entnehmen Wasserproben und ziehen die Plane des Beckens ab – auch hierbei trägt Kungl ihre Crocs, weil man mit denen auf der Plane nicht rutscht.

Bei ihren Aufgaben arbeiten sie, so die Vorsitzende, „Hand in Hand“ mit dem Trägerverein Schloss-Freibad und den Schwimmmeistern. Die Kommunikation untereinander sei sehr gut. „Wir finden immer eine Lösung“, sagt Delphard.

Anders ist das mit Krisen wie der Coronapandemie. „Das hat uns schon das Genick gebrochen“, so Delphard. Von Bund und Land gab es jede Menge Vorgaben: weniger Kinder pro Schwimmkurs, eine bestimmte Quadratmetergröße des Beckens, niemanden anfassen. Für die Ortsgruppe, die nur ein kleines Hallenbad zur Verfügung hat, bedeutete das dann auch kleinere Gruppen. „Es war eine Katastrophe, wir haben uns gar nicht erholt davon“, sagt Kungl. Auch jetzt noch ist die Warteliste für Schwimmkurse lang; es seien zu viele Kinder für die Wasserfläche.

Weniger Kinder sind es dafür bei der Rettungswache. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen diese allein machen, darunter laufen sie mit zwei Erwachsenen mit. Aktuell gibt es in der Ortsgruppe acht Kinder, die die Rettungswache übernehmen – und Kungl hofft, dass sie dableiben: „Wir werden auch nicht jünger, und nach dem Studium kommen sie meist nicht zurück.“ Die Jugendarbeit soll deshalb in Zukunft noch mehr in den Fokus gerückt werden, mit Kino- und Backabenden oder gemeinsamen Übernachtungen. Delphards Ziel: „Dass der Zusammenhalt besser wird und man sagen kann: ‚Das ist nicht nur ein Verein, das ist eine große Familie.’“

Die Ortsgruppe finanziert sich selbst, etwa 30.000 Euro werden im Jahr gebraucht. Die kommen aus Spenden, Erträgen aus Veranstaltungen und den Mitgliedsbeiträgen, die sich nun erhöhen, von 35 auf 45 Euro für Kinder und Jugendliche sowie von 40 auf 55 Euro für Erwachsene. „Monatlich ist das nicht viel, wir sind einer der billigsten Vereine“, sagt Kungl. Jährlich wird ein Haushaltsplan gemacht, erklärt Delphard. Miete und Strom für die Räumlichkeiten der Ortsgruppe werden von der Stadt Sachsenheim übernommen.

Kein Ende in Sicht

Wie lange wollen die beiden langjährigen Mitglieder noch dabei sein? „Es gibt immer Momente, wo man denkt, man hört auf“, weiß die 67-jährige Delphard. Aber „es schlägt das DLRG-Herz“, lacht Kungl. Meistens haben Kungl und Delphard zusammen Dienst; regelmäßige Freibadbesucher melden sich bei ihnen ab, wenn sie in den Urlaub gehen, damit sie sich keine Sorgen machen. Und jedes Jahr freuen sich beide, wenn das Freibad wieder öffnet.