Programm der diesjährigen Schlossfestspiele
: Jochen Sandigs neuer Dreiklang

Der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele stellte am Dienstag sein erstes Programm vor. Im Zentrum steht der Dreiklang von Kunst, Demokratie und Nachhaltigkeit.
Von
Gabriele Szczegulski
Ludwigsburg
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Jochen Sandig vor einem der neuen Plakate der Schlossfestspiele, die die Dirigentin Alondra de la Parra zeigen⇥

Oliver Bürkle

Stellen Sie sich vor, die Schlossfestspiele existieren nicht, aber wir müssten sie erfinden, das habe ich gemacht“, so der Intendant Jochen Sandig in seiner ersten Programmpressekonferenz am Dienstagabend im Palais Grävenitz, wozu er auch die Mitglieder des Freundeskreises der Schlossfestspiele und die Kooperationspartner eingeladen hatte.

17 Nachhaltigkeitsziele

Sandig will die Internationalen Festspiele Baden-Württemberg tatsächlich internationaler machen. Und so gibt es auch Präsentationen in Stuttgart und in Berlin in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Es bedeutet aber auch: Jochen Sandig muss diesen Anspruch nun durch sein Programm belegen. Erreichen will er das, indem er die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in seinem Programm umsetzt, als Motto hat er den Dreiklang „Künste, Demokratie und Nachhaltigkeit“ gewählt. „Schloss Fest Spiele“ nennt er die Ludwigsburger Institution jetzt, auch ein Dreiklang. „Und was für ein Zufall, der Titel unseres Festivals hat 17 Buchstaben, so viele wie es Nachhaltigkeitsziele gibt.“

Das dicke Programmbuch, das zweisprachig in Deutsch und Englisch gefasst ist, zeigt : Viele Konzerte werden zweimal oder dreimal veranstaltet, die Titel immer als Dreiklang formuliert. Viele Veranstaltungen beziehen „die Bürgerschaft mit ein“, wie Sandig es nennt. Er will sich vorbehalten, Konzerte kurzfristig anzusetzen oder eine weitere Aufführung nach Bedarf einzuplanen. Auf acht Wochenenden zwischen dem 7. Mai und dem 28. Juni hat er die Festspiele verdichtet. Aufführungen gibt es immer von Donnerstag bis Sonntag. „Und zu allen Tageszeiten, morgens, mittags, abends und bis in die tiefe Nacht hinein“, sagt Sandig, der zwar internationaler werden will mit den Festspielen, aber auch die Kooperationen vor Ort ausgeweitet hat: Fast alle Ludwigsburger Kultureinrichtungen sind im Programm vertreten, selbst in das Straßenmusikfestival im Blühenden Barock klinkt er sich ein.

Es wird sogar gewandert beim „Europa Wander Konzert“ mit dem Stegreif-Orchester in einem Kulturumzug von Esslingen über Stuttgart, Marbach nach Ludwigsburg. Die neuen Schlossfestspiele bestehen zwar aus vielen klassischen Orchesterkonzerten und kammermusikalischen Abenden, aber sie beinhalten auch Partys, gemeinsames Singen oder das Tafeln an einem langen Tisch im Schlosshof, an dem die 17 Nachhaltigkeitsziele personifiziert in Gestalt von Ludwigsburgern sitzen und mit dem Festspielpublikum diskutieren.

Sandig erfindet neue Formate und wenn er traditionelle Formen übernimmt, werden sie mit neuem Inhalt gefüllt. Wie das „Klassik Open Air“: Eine Frau, Alondra de la Parra, dirigiert das Festspielorchester, Tenor Julian Pregardien singt. Das Schlossfestspielorchester sei ihm sehr wichtig. Neben vier großen Orchesterwerken spielen die Musiker in vielen kleineren Formationen bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen bemerkenswerte Konzerte, beispielsweise die Pixelsinfonie. 30 Musiker spielen Beethovens Pastorale in den Fenster des NH-Hotels an der MHP-Arena. Und er denkt groß: Viele mehrteilige Kompositionen werden aufgeführt, beispielsweise die 15 Streichquartette Schostakowitschs, in drei Tagen, fünf Konzerten und in vielen verschiedenen Räumen des Schlosses.

Ein Plan B

Apropos MHP-Arena, in die mehr als 1000 Besucher passen, die das Konzert der Schlossfestspiele mit den Einstürzenden Neubauten sicher sehen wollen: Was ist, wenn solche Konzerte wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt werden müssten, oder kleinere Konzerte deshalb keine Besucher finden? „Natürlich habe ich einen Plan B, den ich hoffentlich nicht umsetzen muss. Es gibt Möglichkeiten wie Live-Übertragungen oder die Aufteilung in kleinere Konzerte“, mehr will Jochen Sandig vorerst dazu nicht sagen, kreative Ideen aber habe er genug.