Pilotprojekt im Landkreis Ludwigsburg: Erstmals impft ein Hausarzt gegen Corona

Dr. Robin Maitra impft in seiner Praxis gegen Corona.⇥
privatAn diesem Dienstag wird erstmals in einer Hausarztpraxis im Landkreis Ludwigsburg gegen das Coronavirus geimpft. Im Rahmen eines Pilotprojekts impft die Dr. Robin Maitra in Hemmingen Patienten der Prioritätsstufe 1 mit dem Vakzin von Biontech. Die Testphase geht zunächst bis April und soll zeigen, was zu beachten ist, wenn dann alle Praxen impfen dürfen.
Warum beginnt genau diese Praxis?
Maitra ist der Ehemann der Kreisärztechefin Dr. Carola Maitra und so kam es auf dem kurzen Weg dazu, dass seine Praxis für die Pilotphase ausgewählt wurde. „Wir sind keine besondere Praxis“, erklärt Robin Maitra zur Auswahl, aber er habe sich eben gleich, als seine Frau anfragte, bereiterklärt. Das war vergangene Woche, seither wird das Impfen vorbereitet. „Wir können das“, sagt der Hausarzt und meint damit alle niedergelassenen Ärzte in Deutschland. Das Impfen sei eines ihrer Hauptgeschäfte und dennoch erfordert die Corona-Impfung nun eine besondere Vorbereitung.
Was wird verimpft?
Der Impfstoff wird an diesem Dienstag geliefert und muss dann innerhalb weniger Tage verimpft werden. „Wir erhalten Biontech-Impfstoff vom Kreisimpfzentrum. Neun Ampullen für 54 Dosen werden wir am Dienstag verimpfen“, sagt Robin Maitra. Im Umgang mit dem Vakzin wurden seine Mitarbeiter schon geschult. „Das ist schon etwas besonders, wie man den Impfstoff aufzieht und auf welche Hygienevorschriften man achten muss“, sagt der Hausarzt.
Woher kommt der Impfstoff?
Für Unmut hatte die Ankündigung des Pilotprojekts beim Landratsamt gesorgt. „Wie oft in Corona-Zeiten wurde uns das vom Sozialministerium mitgeteilt, gleich mit der Aufforderung für die Umsetzung, also den Impfstoff aus dem Kreisimpfzentrum zu sorgen“, sagt Landrat Dietmar Allgaier. Man habe nichts gegen das Projekt, sagt Allgaier und man unterstütze Maitra nach Kräften, aber problematisch sieht der Landrat die Organisation dahinter. Es gebe nämlich wegen des Projekts nicht mehr Impfstoff für den Kreis.
„Deswegen habe ich meine Kritik geäußert gegenüber dem Ministerium“, so Allgaier. Er hätte sich gewünscht, dass die Ärzte etwa aus den Zentralen Impfzentren beliefert werden. Das Ministerium empfahl, den Hausärzten die überschüssigen Impfdosen zu geben. „Bei uns wird aber im Kreisimpfzentrum alles verimpft“, so Allgaier. Was übrig bleibe, gehe in der Regel an Menschen auf der Warteliste. Diese werde nun eben voraussichtlich nicht mehr bedient.
Wer wird geimpft?
Geimpft werden dürfen bei Maitra nur Patienten des Arztes aus der Impfprioritätsstufe 1, also hauptsächlich Menschen über 80, die bislang keinen Termin in einem Impfzentrum erhalten haben. „Ich werde auch Hausbesuche machen bei Menschen, die nicht in der Lage sind in die Praxis zu kommen“, sagt der Facharzt für Innere Medizin.
Wer nun versucht einen Impftermin bei Maitra zu erhalten, wird enttäuscht: „Meine Mitarbeiter haben das ganze Wochenende durchtelefoniert und alle Impftermine bereits vergeben“. Viel Zusatzarbeit bedeutet die Impfung für Maitra und seine Kollegen, denn das Team ist auch für die Testungen in der Gemeinde mitzuständig. „Wir werden an einem Tag pro Woche impfen und dann bis 22 Uhr“, sagt Maitra zu den Erwartungen für den ersten Impftag.
Welche Hürden gibt es?
Das größte Problem für den Hemminger Arzt ist tatsächlich die Menge an Impfstoff. Aber auch die Bürokratie macht ihm zu schaffen. Pro Impfung müssen fünf Bögen mit Aufklärung und anderem ausgefüllt werden. Zudem plädiert er dafür, die strenge Priorisierung zu lockern: „Die Priorisierung ist angesichts des knappen Impfstoffs natürlich nicht unbegründet, aber es würde uns das Impfen wesentlich erleichtern, wenn sozusagen das Windhundprinzip greifen würde.“
