Pfarrer Traugott Maisenbacher verlässt Freudental: „Das Vertraute wird verlassen“

Pfarrer Traugott Maisenbacher beendet seine Tätigkeit in der Kirchengemeinde Löchgau-Freudental.⇥
Oliver BürkleNach acht Jahren als Pfarrer in Freudental und Seelsorger im Hospiz in Bietigheim-Bissingen verlässt Pfarrer Traugott Maisenbacher seine bisherigen Wirkungsstätten, um in Bad Liebenzell-Möttlingen im Landkreis Calw 700 Gemeindeglieder zählende Kirchgemeinde zu übernehmen. „Eine sehr gute Zeit“, resümiert der 57-Jährige die vergangenen acht Jahre. „Und jetzt, wo es zu Ende geht, bekommt man so viel positive Resonanz“, was ihn wie er im Gespräch mit der BZ bekennt sehr freut.
Freudental war für Maisenbacher seine zweite ständige Stelle – wie es im kirchlichen Amtsdeutsch heißt – und es war für ihn klar, dass er noch einmal wechseln wird. „Mit 57 Jahren habe ich auf jeden Fall noch einmal wechseln wollen“, sagt er. Hinzukommt, dass nach dem aktuellen Pfarrplan Freudental eine 50-Prozent-Stelle wird, „dann hätte ich mir noch etwas anderes Zusätzliches suchen müssen.“ So habe er sich auf die Suche gemacht, nach einer Stelle, die zu ihm passe und ist in Bad Liebenzell-Möttlingen fündig geworden. Nicht nur die Rückkehr zu seinen persönlichen Wurzeln als gebürtiger Schwarzwälder in den Kreis Calw reize ihn, auch die Aufgabe zur Hälfte der Arbeitszeit als Gemeindepfarrer zu arbeiten und die andere als Klinik-Seelsorger in den Kliniken Calw. Altersbedingt sei es jetzt die richtige Zeit zu gehen.
„Seelsorger, das ist mein Ding“, bekennt Maisenbacher, „aber ausschließlich in der Klinik-Seelsorge, da würde mir etwas fehlen.“ In der Klinik gebe es nur punktuelle Begegnungen, aber Menschen ein Stück kontinuierlich zu begleiten, dass sei ihm wichtig. In der Kombination mit der Geografie als Nord-Schwarzwälder, das interessiere und reize ihn.
Gelungene Fusion
Dabei hat Maisenbacher die acht Jahre in Freudental genossen, denn es handele sich „um eine schöne Gegend, und dort wo es Wein gibt, sind die Leute auch anders“, merkt er an. Was bleibt hängen? Kirchlich die Fusion der Kirchengemeinde mit Löchgau, die nach seiner Einschätzung „solidarisch-geschwisterlich eine gute Erfahrung“ gewesen ist. „Es hat perfekt gepasst, mit einem Dörfer übergreifenden Team“, konstatiert er. „Das hätte ich gerne noch ein wenig begleitet, denn acht Jahre sind nicht üblich, es hätte gerne noch ein wenig länger sein dürfen“, merkt Maisenbacher an. „Natürlich war die Zeit von Corona geprägt“, sagt er. Dies habe auch die Kirche vor Herausforderungen gestellt, die man aber – Stichwort „Digitalisierung“ – zusammen mit Löchgau gut stemmen konnte.
Mit dem Schalk in den Augen sagt Pfarrer Maisenbacher: „Eine große Erweckung hat es nicht gegeben.“ Durch den Umzug, der jetzt im März ansteht, würde natürlich Verbindungen zu Menschen gekappt, Freundschaften enden, aber auch profane Dinge sind neu zu organisieren, wie etwa die Suche nach einem neuen Hausarzt. „Das Vertraute wird verlassen“, merkt Traugott Maisenbacher abschließend an. ⇥
Info Am 1. April beginnt Traugott Maisenbacher in Bad Liebenzell-Möttlingen, am Sonntag, 3 April, ist dort seine Investitur. Von der Kirchengemeinde Löchgau-Freudental verabschiedet sich der Pfarrer mit einem Gottesdienst am morgigen Sonntag um 14 Uhr in der Freudentaler Schönenberghalle.