Öffentliche Toiletten in Bietigheim-Bissingen und Co.: Wo gibt es stille Örtchen für alle?

Die einzige öffentliche WC-Anlage in Sachsenheim, behindertengerecht und kostet 50 Cent.
Martin KalbDas kennen wohl alle, vor allem auch viele ältere Leute, Kinder und Schwangere: Der Stadtbummel oder das Straßenfest wird plötzlich unangenehm beim dringenden Bedürfnis aufs Klo zu müssen. Doch findet sich keine Toilette, wird bei größter Not auch mal an den nächsten Busch gepinkelt.
In Bietigheim-Bissingen gibt es acht öffentliche, von der Stadt betriebene Toiletten, allesamt kostenfrei und behindertengerecht. Hinzu kommen Cafés und Restaurants mit einer sogenannten „Netten Toilette“. Nicht zu vergessen das WC im Bahnhof Bietigheim-Bissingen. Soweit die Ausgangslage, schauen wir konkreter hin:
Nicht nett behandelte Toiletten
Das deutschlandweite Konzept der „Netten Toilette“, bei dem Kommunen mit Gastronomen kooperieren, gibt es in Bietigheim-Bissingen seit 2005. Aufkleber an den Eingangstüren lassen die mitmachenden Gastronomien erkennen.
Die „Netten Toiletten“ sind aufgrund eines Vertrages mit der Stadt auch für Nicht-Kunden kostenfrei zugänglich, die Betriebe erhalten eine städtische Entschädigung. Bei der Stadt entstehen dadurch Kosten von rund 8000 Euro jährlich, heißt es vom Presseamt. Die Aufwandsentschädigungen an die Anbieter einer „Netten Toilette“ bewegen sich laut Verwaltung je nach Standort zwischen 50 bis 100 Euro monatlich.
Doch die „Netten Toiletten“ werden offenbar zum Teil gar nicht nett behandelt: So will das Eiscafé de Franco nächstes Jahr nicht mehr Mitglied der „Netten Toilette“ sein: „Es ist ganz unverschämt, wie einige Leute mit unseren Toiletten umgehen. Sie hinterlassen die WCs verschmutzt und verstopft,“ ärgert sich sehr Francesco Tedeschi, Betreiber des Eiscafés am Rande des Bissinger Ortskerns. Kürzlich musste er gar einen Tag seinen Laden schließen, weil ein Klo komplett verstopft war. Die Rohrreinigung musste anrücken, mehrere Erwachsenenwindeln waren offenbar ins WC geworfen worden. Die Folge: 3000 Euro Schaden für Francesco Tedeschi.
Wie dem Betreiber des Bissinger Eiscafés stinkt es der Chefin des Eiscafés Amatista in Bietigheim-Buch: „Viele Leute haben die Toiletten sehr schmutzig hinterlassen, deshalb machen wir bei der ‚Netten Toilette’ nicht mehr mit.“ Vor dem Café gibt es ein öffentliches WC. Nicht-Kunden sollten dieses benutzen, sagt sie.
„Wir können im Café Stöckle am Kronenplatz leider keine ‚Nette Toilette’ mehr anbieten“, berichtet auch Maria Kaier, Leiterin der Stöckle-Filiale am Marktplatz. Das WC sei nur noch Kunden vorbehalten, der Schlüssel müsse erfragt werden. „Es wurde in den dortigen Toiletten randaliert und Dinge wurden kaputt geschlagen.“
Keine Wegweiser in der Stadt
Dagegen klappe es in ihrer Filiale am Marktplatz ganz gut mit der „Netten Toilette“, so Kaier. „Unsere WCs werden sehr viel genutzt.“ Die Klosetts sind auch die einzigen „Netten Toiletten“ im Stadtgebiet, die sowohl behindertengerecht sind als auch einen Wickeltisch besitzen. „Meinem Eindruck nach weiß kaum jemand, dass es ganz in der Nähe auch ein öffentliches WC der Stadt gibt, ein sehr schönes und sauberes noch dazu, nämlich in den Marktplatz-Arkaden“, sagt die Filialleiterin. „Es wäre eine schöne Entlastung für uns, wenn die Menschen mehr die Toiletten in den Arkaden nutzen würden“, findet Kaier.
Die öffentlichen Toiletten der Stadt sind nur im jeweiligen Gebäude ausgeschildert, nicht auf der Straße. Es gebe Symbole auf den Stadtplänen, die an den Parkplätzen rund um die Altstadt oder in der Fußgängerzone als Orientierung verteilt sind, teilt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt mit.
Wenn die Windel voll ist
Als einziges öffentliches WC hat die Behinderten-Toilette in den Marktplatz-Arkaden einen Wickeltisch. Immerhin in vier der Cafés und Restaurants mit „Netter Toilette“ befindet sich eine solche Infrastruktur, um den Kleinen ohne örtliche Umstände eine frische Windel anzuziehen.
Und Marion Olivier, Mitarbeiterin im Eiscafé Olivier, sagt: „Durch die Enge in unserem Gebäude können wir einen Wickeltisch leider nicht anbieten. Aber wenn das Sofa frei ist, wird es auch mal zum Wickeln benutzt, das ist in Ordnung.“
Im Bahnhof wird es teuer
Das öffentliche WC im Bahnhof Bietigheim-Bissingen ist dagegen weder barriere- noch kostenfrei: Eine steile Treppe führt in die vom Dienstleister „rail & fresh“ betriebene Anlage.
Am Automaten erfahren die Klo-Bedürftigen dann, dass der Gang zur Toilette einen ganzen Euro kostet. Auf dem Automat wird schriftlich ein Wertbon in Höhe von 50 Cent versprochen – der aber weder bei der Autorin noch bei einem nachfolgenden Kunden ausgedruckt wird. Immerhin erscheint die Anlage am Recherchetag recht sauber, ein großes Plakat mit dem Bietigheimer Rathaus schmückt das Damen-Abteil. Doch von einem Wickeltisch ist keine Spur.
Beschädigungen am öffentlichen WC in Sachsenheim und fehlende Infos zu Bönnigheims “Nette Toiletten“
Die Stadt Sachsenheim
betreibt eine öffentliche Toilette. Sie ist am Bahnhof und barrierefrei. Eine solche öffentliche Sanitäreinrichtung kosten sowohl Sachsenheim als auch Bietigheim-Bissingen jährlich circa 15 000 Euro. Nach Beschädigungen insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 musste die Sachsenheimer Anlage für über 25 000 Euro instandgesetzt werden laut Arvend Oestringer, Pressesprecher der Stadt. Um ein angemessenes WC aufrechterhalten zu können, entschied sich die Kommune für ein Bezahlsystem in Höhe von 50 Cent pro Gang. Neben diesem WC stehen der Öffentlichkeit die Toiletten auf den Friedhöfen zur Verfügung. „Derzeit ist uns keine ‚Nette Toilette’ in Sachsenheim bekannt. Wir behalten dieses Thema im Auge und schauen, ob sich hier Möglichkeiten ergeben“, heißt es von Oestringer.
In Bönnigheim, der kleinsten der drei erwähnten Städte im Kreis, mit seinen rund 8400 Einwohnern, gibt es kein öffentliches WC, es sei auch von keinem Bedarf bekannt und auch keines geplant, heißt es von der Stadtverwaltung. Dafür gibt es offenbar „Nette Toiletten“ bei ein paar Gastronomien im Ort. „Die Stadt hat diese Aktion vor Jahren mit den Gastronomen eingeführt“, berichtet Anna-Lena Collmer von der Stadt. Über einen aktuellen Stand der „Netten Toiletten“ habe die Stadtverwaltung allerdings keine genaueren Informationen.