Oberriexingen: Steingrube-Vorhaben wird weiter verfolgt

Das Gewann Steingrube an der Straße nach Sersheim ist als Standort für einen Discounter und einen Bäckereibetrieb vom Tisch. Nach einer Alternative wird jedoch gesucht.
Ralph/ KüppersD
ie Enttäuschung in den Reihen der Gemeinderäte und in Teilen der Bürgerschaft in der Römerstadt ist groß, das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich. Nachdem der Investor, die Wohnbau Oberriexingen, seine Pläne für die Errichtung eines Lebensmittelmarktes mit Gesundheitspraxen im Obergeschoss im Areal „Steingrube“ aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hatte, haben die Oberriexinger Ratsmitglieder schweren Herzens auch das entsprechende vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren „Steingrube“ eingestellt.
Bedauern beim Bürgermeister
„Wir wären jetzt auf der Zielgerade gewesen, und ich bedauere es sehr, dass dieses Vorhaben aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr weitergeführt wird“, sagte Bürgermeister Ron Keller. Der beauftragte Planer Robert Schneider von einem Stuttgarter Büro blickte noch einmal auf die einzelnen Schritte in den vergangenen zwei Jahren zurück. Sie reichten von Belangen des Landschaftsschutzes, die abgearbeitet werden mussten, über die schwierige Erschließungssituation an der Kreisstraße K 1683 nach Sersheim bis schließlich zum Bürgerentscheid im Februar 2025. Dabei hatten sich die Oberriexinger mit 69,35 Prozent der abgegebenen Stimmen für dieses Projekt ausgesprochen.
„Wir haben uns schon Gedanken gemacht, wie wir das Verfahren weiterführen können. Aber es handelt sich um einen vorhabebezogenen Bebauungsplan, der mit dem Ende dieses Projekts eingestellt werden muss“, so Keller. Ein reguläres, angebotsorientiertes Bebauungsplanverfahren hätten die Oberriexinger Gemeinderäte fortführen können, um zumindest Baurecht im Areal „Steingrube“ zu erlangen.
„Es ist furchtbar traurig, dass dieses Projekt nun beendet werden muss. Die Stadt hat alles dafür getan, dass es verwirklicht werden kann. Rund 70 Prozent der Bürger haben sich dafür ausgesprochen. Wir müssen dieses Thema der Nahversorgung noch einmal angehen und andere Wege sowie Investoren suchen“, sagte Gemeinderätin Anja Schäberle. Sie unterstrich unter dem Applaus der anwesenden Bürger, dass die Bedenkenträger und Kritiker dieses Projekts sich beim nächsten Vorhaben überlegen sollten, ob sie dieses wieder verzögern und dadurch teurer machen.
Dem Vorschlag Schäberles schloss sich auch Bürgermeister Keller an und erweiterte den vorgesehenen Beschlussvorschlag zur Einstellung des Planverfahrens um den Punkt, dass die Gemeinderäte die Verwaltung beauftragen, die Ansiedlung einer Nahversorgung aktiv weiter zu prüfen. Diesen Beschluss nahmen die Gemeinderäte der Römerstadt einhellig an.
Auch in der Einwohnerfragestunde beschäftigte das Thema die zahlreichen anwesenden Bürger. „Haben die Steine, die dem Vorhaben in den Weg gelegt wurden, letztlich dazu geführt, dass die Kosten sich verteuert haben? Zu Beginn hat der Investor doch betont, dass sich das Vorhaben wirtschaftlich trägt“, fragte ein Oberriexinger. Rathauschef Keller entgegnete, dass er nicht behaupten würde, dass es an den Einwendungen der Bürger gelegen habe, dass sich die Kosten gesteigert hätten.
Baukosten stark gestiegen
„Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen zwei Jahren extrem dynamisch entwickelt. Die Baukosten sind sehr gestiegen. Das kann eine wirtschaftliche Planung umwerfen“, schilderte Keller. Er gestand ein, dass ein anderes Bebauungsplanverfahren zumindest Baurecht geschaffen hätte.
„Aber wir sind massiv dabei, Lösungen zu erarbeiten und das Projekt der Ansiedlung einer Nahversorgung ist noch nicht gestorben“, so Keller. Das Votum des Bürgerentscheids entspreche einem Gemeinderatsbeschluss und habe eine Bindungsfrist von drei Jahren, erläuterte der Oberriexinger Bürgermeister.
Ein anderer Bürger betonte, dass es ein großer Verlust für die Stadt sei, wenn sich die Bäckerei Laier jetzt in einer anderen Gemeinde ansiedele. Inhaber Markus Laier wollte auf dem Gelände in der „Steingrube“ sein Haupthaus mit Backstube, Café und Drive-In-Konzept vom jetzigen Standort in der Oberriexinger Hauptstraße verlegen. „Wir müssen unsere Bäckerei mit allen Mitteln in Oberriexingen bewahren“, forderte der Bürger. Laier, der selbst Mitglied des Gemeinderats ist und an der Abstimmung nicht teilnahm, bedankte sich für diese Unterstützung. „Wir setzen alles daran, mit unserem Betrieb in Oberriexingen zu bleiben. Ich weiß die Unterstützung aus dem Gemeinderat und der Bürgerschaft sehr zu schätzen“, sagte Laier. Dem Vorschlag einer Bürgerin, das erworbene Intek-Areal für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts zu nutzen, musste Bürgermeister Keller eine Absage erteilen, da dort die Andienung und Erschließung eines Supermarkts nicht möglich sei.