Oberriexingen
: Oberriexingen will bis 2040 klimaneutral sein

 Die Gemeinderäte beschließen Maßnahmenkatalog fürs lokale Wärmekonzept.
Von
Michaela Glemser
Sachsenheim
Jetzt in der App anhören

Historische Architektur, moderne Ideen: Oberriexingen will bis 2040 klimaneutral werden und seine Energieversorgung neu aufstellen.

bz/Martin Kalb

Die größten Wärmepotenziale für die Energieversorgung in der Römerstadt sind in der Flusswasserwärme der Enz, der Erdwärme und der Solarthermie zu finden. Dies hat die Analyse der lokalen emissionsfreien Wärmequellen ergeben, die bei der kommunalen Wärmeplanung erstellt wurde.

Matthias Zeile-Lott vom beauftragten Büro in Stuttgart stellte die Details dieses Planungsinstruments für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 in der jüngsten Oberriexinger Gemeinderatssitzung noch einmal vor.

In vier Arbeitsschritten haben die Fachleute Oberriexingen und seine derzeitige sowie künftige Energieversorgung unter die Lupe genommen. Bei der Bestandsanalyse wurde der aktuelle Wärmebedarf Oberriexingens ermittelt und die daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen festgelegt.

75 Prozent fossile Energieträger

Dabei haben die Fachleute insgesamt rund 2200 Gebäude untersucht, von denen 1155 einen Wärmebedarf aufweisen. Den Endenergiebedarf der Stadt haben die Experten mit 32 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr berechnet. Die Treibhausgas-Emissionen wiederum liegen bei rund 7760 Tonnen. Der mit 75 Prozent größte Teil des Wärmebedarfs wird derzeit durch fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl gedeckt. In der zweiten Projektphase, der Potenzialanalyse, wurden Möglichkeiten zur Energieeinsparung in Oberriexingen ermittelt. Danach könnten durch Sanierungen und Effizienzsteigerung an den betroffenen Gebäuden 33 Prozent des Gesamtwärmebedarfs eingespart werden.

Bei den lokal verfügbaren emissionsfreien Wärmequellen birgt die Flusswärme der Enz neben der Erdwärme und der Solarthermie das größte Potenzial. „Die Wärme, die dabei der Enz entnommen wird, ist an der Temperatur des Wassers kaum spürbar“, betonte Experte Zeile-Lott. Um den gesamten Wärmebedarf in Oberriexingen zu decken müssen auch die räumlich unabhängigen Energieträger Außenluftwärme, Biomasse und „grüne Gase“ genutzt werden, empfehlen die Fachleute.

Mit welchen Energieträgern und Versorgungssystemen Oberriexingen bis 2040 bei einem reduzierten Energiebedarf von 23 GWh klimaneutral werden kann, fassten die Experten im sogenannten „Zielfoto“ zusammen.

Dabei sind die Wärmepumpen in Heizzentralen oder in einzelnen Gebäuden zentrale Elemente der Wärmeerzeugung, wobei das Flusswasser, die Geothermie und die Außenluft als Wärmequellen aus der Umwelt in Frage kommen.

Schließlich gab der Gemeinderat noch grünes Licht für die vorgeschlagenen fünf Maßnahmen, die in den kommenden fünf Jahren begonnen werden sollen. Dabei soll zunächst ein Stromnetzcheck durchgeführt werden, um die Stabilität des lokalen Stromnetzes zu prüfen und zu testen, ob dieses den Bedarf einer künftigen Wärmeversorgung auch ausreichend decken kann. Das Potenzial für Sanierungen und Effizienzsteigerungen an den Gebäuden in der Stadt soll mit einem Gesamtkonzepts ausgearbeitet werden.

Zudem sind mögliche Flächen für Heizzentralen von lokalen Wärmenetzen zu sichern und eine breit angelegte Öffentlichkeitskampagne auf die Beine zu stellen, die für den Austausch alter Öl-Heizungsanlagen wirbt. Letztlich soll bei einer von Bundeszuschüssen geförderten Studie die Nutzung des Wärmepotenzial der Flusswärme noch einmal detailliert untersucht werden.

Die Fachleute schätzen die Kosten für die Umsetzung der fünf Maßnahmen auf rund 260 000 Euro.  Michaela Glemser