Oberriexingen
: Aufbau eines Wärmenetzes

Die Experten stellen die kommunale Wärmeplanung für Oberriexingen für eine klimaneutrale Zukunft ab 2040 vor. 39 Prozent decken derzeit ihren Energiebedarf mit Heizöl.
Von
Michaela Glemser
Sachsenheim
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In der Stadtmitte soll ein Wärmenetz aufgebaut werden.

/Martin Kalb

Im Rahmen des Förderprogramms „Freiwillige kommunale Wärmeplanung in Landkreisen und Gemeinden“ lässt auch Oberriexingen im Konvoi mit der Stadt Bietigheim-Bissingen und den Gemeinden Sersheim sowie Ingersheim ein solches strategisches Planungsinstrument erstellen, das als Wegweiser in eine klimaneutrale Zukunft dient.

Bei einer Informationsveranstaltung in der Festhalle stellte der zuständige Fachmann Matthias Zeile von einem Stuttgarter Ingenieurbüro die Details dieses Fahrplans für den Aufbau einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Oberriexingen vor. Allerdings muss dieses Planwerk mit seinen fünf Zielmaßnahmen, welche die Gemeinderäte in diesem Jahr noch offiziell beschließen werden, alle sieben Jahre fortgeschrieben und an die sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden.

1155 Gebäude mit Wärmebedarf

Im Mai des vergangenen Jahres haben Zeile und seine Kollegen ihre Arbeit begonnen und die bestehende Energieinfrastruktur in Oberriexingen sowie den aktuellen Energiebedarf genau unter die Lupe genommen. Die 1155 Gebäude mit Wärmebedarf in der Römerstadt, die überwiegend der Wohnnutzung zuzuordnen sind, haben derzeit einen Wärme-Endenergiebedarf von 34 GWh jährlich.

Dies verursacht, nach den Berechnungen der Experten, rund 7 760 Tonnen Treibhausgas-Emissionen pro Jahr. Stolze 39 Prozent dieses Wärme-Endenergiebedarfs werden immer noch mit Heizöl gedeckt, weitere 32 Prozent mit Erdgas. Diese überwiegende Versorgung mit fossilen Energieträgern zeigt, dass die Römerstadt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung vor großen Herausforderungen steht, die sie, nach Ansicht der Fachleute, nur meistern kann, wenn die Energieeffizienz in der Kommune deutlich gesteigert wird und zugleich auch erneuerbare Energiequellen wie Solarthermie, Außenluft oder Flusswasser verstärkt zum Einsatz kommen. Im Rahmen einer sogenannten „Potenzialanalyse“ haben die Fachleute die Wärmedeckungsmöglichkeiten in Oberriexingen von unterschiedlichen Energiequellen für das Zieljahr 2040 verglichen.

Flusswasser als Energiequelle

Der Anteil des Flusswassers liegt dabei bei 25 Prozent, 19 Prozent hat die Geothermie inne und weitere 17 Prozent die dezentrale Solarthermie. Hinzukommen Biomasse, Außenluft und „Grünes Gas“. Dieses, ebenso wie Wärmepumpen mit Flusswasser-, Außenluft- und Geothermienutzung sowie die Biomasse, sollen im Jahr 2040 den Energiebedarf in der Römerstadt decken, wobei 33 Prozent des Bedarfs bis dahin durch Sanierungen und Effizienzsteigerungen eingespart werden sollen.

Insgesamt haben die Fachleute das Stadtgebiet für ihre Untersuchungen in 14 sogenannte „Cluster“ eingeteilt, allein neun davon eignen sich für den Aufbau eines Wärmenetzes. Lediglich die äußeren Randgebiete Richtung Sersheim, außer in unmittelbarer Nähe der bestehenden Biogasanlage, haben die Experten von einem solchen Wärmenetz ausgenommen. „Grünes Gas“, Biomasse, Flusswasser, Außenluft und Strom kommen als Energiequellen für den Aufbau dieses Wärmenetzes in Frage. In den Randbezirken mit einer dezentralen Versorgung bietet sich Geothermie, Biomasse, Außenluft und Strom an. Biomasse ist für 13 Cluster als Energiequelle zur Wärmeversorgung geeignet. Die Außenluft bei zwölf, während Flusswasser nur für acht Cluster als Energiequelle möglich ist.

Zielmaßnahmen formuliert

Schließlich haben die Fachleute vom beauftragten Ingenieurbüro noch fünf Zielmaßnahmen für die kommunale Wärmeplanung in Oberriexingen formuliert, mit deren Umsetzung in den kommenden fünf Jahren begonnen werden soll. Neben dem Potenzial an Sanierungen und Effizienzsteigerungen, das an den Gebäuden in der Stadt erschlossen werden soll, empfehlen die Fachleute auch eine Kampagne zum Austausch alter Öl-Heizungsanlagen. Zudem sollen die vorhandenen Energieinfrastrukturen gesichert und mit Fördermitteln des Bundes eine Studie zum Aufbau eines Wärmenetzes mit einem sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien in Auftrag gegeben werden. Auch ein Stromnetzcheck ist Teil dieses fünfgliedrigen Maßnahmenplans, der im Dezember dieses Jahres im Gemeinderat nochmals verabschiedet werden soll.