Notaufnahmen im Kreis Ludwigsburg
: Warten im eigenen Wohnzimmer

Neue Service-Angebote wie ein Online „Symptomchecker“, eine Telefonberatung und transparente Wartezeiten sollen die Notaufnahmen der RKH-Kliniken entlasten.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Überfüllte Notaufnahmen gehören zum Alltag von Patienten und Mitarbeitern der Krankenhäuser. Mit neuen Service-Angeboten wollen die RKH-Kliniken im Kreis dagegen vorgehen.

/Foto: Helmut Pangerl

Wartezeiten von mehreren Stunden sind in Notaufnahmen keine Seltenheit. Dass Notaufnahmen überlastet sind, ist nicht neu. Die Folge: Unzufriedene Patienten, eine zusätzliche Belastung für Mitarbeiter, eine geringere Effizienz, hohe Kosten und eine Vergeudung von Ressourcen. Verschärft wurde die Situation weiter mit der Schließung diverser Bereitschaftspraxen der Kassenärztlichen Vereinigung, wodurch ein Patientenanstieg von rund zehn bis 15 Prozent in den Notaufnahmen verzeichnet wurde, sagt Professor Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer bei der RKH-Gesundheit. Um der Situation entgegenzutreten und den Menschen schon vor dem Besuch der Notaufnahme Lösungen an die Hand zu geben, bringen die RKH-Kliniken ab Montag, 6. Mai, ein neues Serviceangebot an den Start.

KI-basierter „Symptomchecker“

Ein Bestandteil davon ist eine freiwillige Selbsteinschätzung auf der Basis einer KI-Software der Leipziger Firma Docyet. Der „Symptomchecker“ wird Fragen zur Person sowie zu akuten und individuellen Beschwerden stellen und eine erste Einschätzung zur Erkrankung sowie der Dringlichkeit einer Behandlung abgeben sowie geeignete Behandlungspartner vorschlagen, wie Dorothee Hüppauf, Managerin ambulante Medizin bei der RKH-Gesundheit, erklärt.

Bei einer Befragungsdauer von fünf bis sechs Minuten könne bereits eine Genauigkeit von rund 75 Prozent erzielt werden, so Hüppauf über das neue Tool, das auf www.rkh-gesundheit.de/notfall verfügbar sein wird. „Dieses automatisierte, auf einer Selbstauskunft basierende Ersteinschätzungsverfahren ist ein innovatives Hilfsmittel, um vielen Menschen einen Hinweis auf die Schwere ihres Notfalls und den richtigen Ansprechpartner zu geben und so manchem einen Besuch mit langer Wartezeit in der Klinik zu ersparen“, sagt Martin.

Geplant ist auch die Möglichkeit einer strukturierten Selbsteinschätzung direkt in den Notaufnahmen, die im ersten Quartal 2025 in Ludwigsburg starten soll und an der sich Behandelnde im Anschluss orientieren können. Neuland betrete man mit dem sogenannten RKH-Care-Team, einem deutschlandweit einzigartigen Angebot. Ein Team aus medizinischen Fachkräften steht ab Montag, 6. Mai, zwischen 6 und 23 Uhr zur telefonischen Beratung zur Verfügung, um Patienten durch eine Ersteinschätzung zu führen. „Mit dem RKH-Care-Team etablieren wir auf Krankenhausseite ein in dieser Form neues Lotsensystem, das dem Patienten eine schnellere, adäquate Behandlung im Notfall gewährleistet, ihn durch das komplexe Gesundheitssystem navigiert und damit auch die Kliniknotaufnahmen entlastet“, so Martin. Interessant sei das Angebot auch für medizinische Fachangestellte, die im Home-Office arbeiten wollen, sagt Hüppauf. Zunächst werde das Care-Team zu Kernzeiten mit zwei Mitarbeitern besetzt, sollte man nicht alle Anrufe entgegennehmen können, dann werde man nachsteuern.

Transparente Wartezeiten

Der dritte Baustein wurde gemeinsam mit der Bietigheim-Bissinger Firma Informatikwerk entwickelt: Die Veröffentlichung aktueller Wartezeiten in den Notaufnahmen, die im Abstand von zehn Minuten aktualisiert werden. So können sich Patienten informieren, wie viele Patienten sich aktuell in der Notaufnahme aufhalten, wie viele davon lebensbedrohlich, und mit welcher Gesamtbehandlungszeit sie rechnen müssen. Dieses Angebot dient unter anderem als Abschreckung für Patienten, die eigentlich keine Notfälle sind, wird zunächst in Ludwigsburg verfügbar sein und dann schrittweise ausgeweitet.

Gefördert wird das Konzept, an dem rund 2,5 Jahre gearbeitet wurde, durch Mittel des Krankenhauszukunftsfonds beim Bundesamt für Soziale Sicherung und des Landes-Baden-Württemberg.