Neuer Mobilitätsplan für Bietigheim-Bissingen
: Mehr Busse in den Wohngebieten?

In Bietigheim-Bissingen wird derzeit ein neuer Mobilitätsplan erarbeitet, der im kommenden Jahr öffentlich gemacht wird. Themen wie die Entzerrung des Autoverkehrs und Verbesserungen beim ÖPNV sollen bis 2035 kommen. Ein Bietigheimer wünscht sich jetzt schon eine bessere ÖPNV-Anbindung für sein Wohngebiet und hat deshalb eine Unterschriftensammlung gestartet.
Von
Petra Neset-Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Haltestellen an der Löchgauer Straße gibt es bereits, doch in die Wohngebiete ober- und unterhalb der Straße kommt der ÖPNV bisher nicht.

/Oliver Bürkle

Ein besserer ÖPNV sei ein wichtiger Baustein, um CO2 einzusparen und die Klimaerwärmung zu verlangsamen, erklären immer wieder Experten, nicht nur auf der Weltklimakonferenz. Gerade wenn man nicht in einer größeren Stadt lebt, können die Anbindungen und Taktungen des öffentlichen Personennahverkehrs sehr unbefriedigend sein.

Auch in Bietigheim-Bissingen gibt es Bedarf, das Busliniennetz auszubauen. Die Stadtverwaltung arbeitet momentan an einem neuen Mobiltätsplan mit dem Gemeinderat und ein Bietigheimer Bürger möchte mit einer Unterschriftensammlung der Stadtverwaltung zeigen, wie dringend zusätzliche Linien in den Bietigheimer Wohngebieten entlang der Löchgauer Straße benötigt werden.

Klausurtagung am Wochenende

Mit Blick auf das Ziel der Stadtverwaltung „Klimaneutralität bis 2035“, sollte es nun auch beim ÖPNV weiter vorangehen. An diesem Wochenende findet wegen des neuen Mobilitätsplans 2035 eine Klausurtagung des Gemeinderats statt. Dieser Plan nimmt verschiedene Bereiche in den Blick: So geht es zum einem darum, Verkehrsüberlastungen zur reduzieren und auch eine „faire und gerechte Mobilität für alle“ zu fördern, heißt es in einer Mitteilung des Presseamts.

Dazu gehöre auch eine Feinerschließung mit neuen Buslinien, die verschiedene Stadtteile besser abdecken sollen. Der Bietigheimer Werner Wölk findet weitere Erschließungen dringend notwendig und sammelt deshalb bis 30. November Unterschriften von Anwohnern aus den Wohngebieten ober- und unterhalb der Löchgauer Straße. „Es dürfen auch gerne Leute aus anderen Wohngebieten unterschreiben, die sich eine bessere Busanbindung ihres Wohngebiets wünschen“, sagt Wölk.

Da seine Frau mit dem Zug unterwegs ist und die Anbindung zu eben jenen Zughaltestellen mit längeren Fußwegen verbunden sei, habe er sich in seinem Umfeld umgehört und die Rückmeldungen zum Anlass genommen eine Unterschriftensammlung zu starten.

Kleine Anpassung noch 2022

„Es geht darum, erst einmal festzustellen, wer grundsätzlich Interesse an einer solchen Verbindung in den Wohngebieten hätte, dann kann ich das an die Stadtverwaltung weitergeben“, so Wölk. Pläne zur Feinerschließung von Wohngebieten seien nichts Neues erklärt, Tobias Hähnle, von der Firma Spillmann, der sich um die ÖPNV-Planung und das Qualitätsmanagement kümmert. Für dieses Jahr sei noch eine kleinere Anpassung im Linienverkehr in Bietigheim-Bissingen geplant: Die Linie 556 werde samstags an den neuen 15-Minuten-Takt der S-Bahn angepasst. Die Fahrplanumstellung erfolgt am 11. Dezember. „Davon wird Bissingen sehr profitieren“, sagt Hähnle. Doch weitere Feinerschließungen gebe es momentan noch nicht mit konkretem Datum.

2019 wurde der Busbetrieb wieder an Spillmann vergeben, dies sei auf zehn Jahr, also bis 2029, festgelegt. Solange laufe auch das aktuelle Konzept, erklärt Presseamtsleiterin Anette Hochmuth. „Ob und wann Ergänzungen wie die Feinerschließung von Wohngebieten erfolgen, muss im Laufe der Zeit vom Gemeinderat beraten und beschlossen und dann auch in den Nahverkehrsplan des Landkreises eingearbeitet und mit dem VVS abgestimmt werden, die als Zuschussgeber beteiligt sind“, so Hochmuth.

Doch dass dieses Thema auch auf der Agenda der Stadtverwaltung steht, zeigen die Vorbereitungen für den neuen Mobilitätsplan 2035. Dieser sieht auch Feinerschließungen in Wohnquartieren, mehr Busspuren und einen ganztägigen 15-Minuten-Takt vor. Auch für Fußgänger und Radfahrer soll die Mobilität durch breitere Wege, mehr Sitzgelegenheiten und bessere Beleuchtung gestärkt werden.

Ergebnisse im Frühjahr

Im Frühjahr 2023 will der Gemeinderat abschließend über den neuen Mobilitätsplan beraten und ihn dann auch verabschieden. „Danach werden alle Planungen im Detail auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Umsetzung wird dann jeweils weitere einzelne Beschlüsse des Gemeinderats erfordern, in denen über konkrete Ausführung, Kosten und Zeitrahmen zu reden sein wird“, heißt es in der Mitteilung des Presseamts.

Info

Auch der Autoverkehr wird im Mobilitätsplan der Stadtverwaltung berücksichtigt. Um Verkehrsüberlastungen zu reduzieren, soll der „moderate Ausbau der Südumfahrung erfolgen, die Signalisierung der Auwiesenbrücke verbessert, im Zuge der Fahrbahnsanierung der B 27 das Umfeld aufgewertet werden und dabei auch eventuell Temporeduzierungen untersucht und mit weiteren Pförtnerampeln der Zufluss der Fahrzeuge in das Stadtgebiet besser gesteuert werden“, heißt es in einer Mitteilung des Presseamts. Auch die Planungen für die Westumfahrung soll mit den angrenzenden Kommunen besprochne und mögliche Kostenbeteiligungen abgeklärt werden.