Neuer Assistenzcoach bei der SG BBM Bietigheim: Trainer-Praktikant aus Japan

Ryota Tanimura beim Training der SG BBM. Noch fällt dem Bietigheimer Co-Assistenztrainer die Verständigung mit den Spielern schwer. ⇥
Oliver BürkleAuch wenn Ryota Tanimura nicht auf dem Spielberichtsbogen vermerkt ist, ist er bereits ein Teil des Teams der SG BBM Bietigheim. Bei der jüngsten Heimpleite gegen Bayer Dormagen fieberte der in den blauen Vereinsfarben gekleidete Japaner unmittelbar neben der Ersatzbank hinter der Bande mit, so als wäre er schon ewig beim Zweitligisten dabei.
Dabei gehört der 35-Jährige erst seit fünf Wochen bei der Spielgemeinschaft zum Trainerteam. In den nächsten anderthalb Spielzeiten soll der Japaner als Praktikant so viel wie möglich von den erfahrenen Coaches Iker Romero und Sebastià Salvat lernen, um dann eines Tages in seiner Heimat selbst ein Profiteam zu führen. Denn sein Land hat ehrgeizige Pläne: Bis 2024 will die dortige Handball-Liga, in der derzeit ausschließlich Werksteams von japanischen Großunternehmen aktiv sind und nur sehr wenige Ausländer zum Zug kommen, eine richtige Profiliga werden.
Traum Nationaltrainer
Doch Tanimura denkt sogar in noch größeren Sphären: „Mein Traum ist es, eines Tages Nationaltrainer zu werden“, sagt der heutige Trainer-Praktikant im Gespräch mit der BZ. Den Job inne hat derzeit noch ein gewisser Dagur Sigurdsson. Der Isländer, der die deutsche Nationalmannschaft 2016 sensationell zum EM-Titel geführt hatte, hatte nur ein Jahr später die japanische Auswahl übernommen. Sigurdsson war es auch, der den Kontakt nach Bietigheim hergestellt hatte. Denn sowohl der isländische Coach als auch Tanimura sowie Romero und Salvat haben einen gemeinsamen Nenner: die Füchse Berlin. Während Romero unter dem Trainer Sigurdsson 2013 beim Bundesligisten aktiv war, half Salvat Bob Hanning als Assistenztrainer in der Jugend aus und werkelte nebenbei an seiner Doktorarbeit über das Angriffsspiel im Handball. Tanimura war seinerzeit für das Drittliga-Team der Füchse im Einsatz.
Sigurdsson selbst hatte Tanimura damals in die Hauptstadt gelotst. Schließlich hatte er einst selbst drei Jahre lang für Tanimuras Klub Wakunaga Hiroshima gespielt, der den Trainer-Azubi auch fast ein Jahrzehnt später im Rahmen eines gemeinsamen Austauschprogramms mit der japanischen Nationalmannschaft nach Bietigheim entsandt hat. Die Verbindung hier: Der Präsident des Pharmaunternehmens Wakunaga ist auch der Präsident des japanischen Handballverbands. „Der deutsche und der spanische Handball haben einen sehr guten Ruf. Deshalb kann ich mich hier als Trainer perfekt entwickeln“, nennt Tanimura, der gerade erst seine aktive Spielerkarriere bei Wakunaga beendet hat, seine Beweggründe für den erneuten Schritt ins Ausland.
Schnell eingelebt
Zusammen mit seiner Frau und den zwei Kindern im Alter von zwei und sechs Jahren lebt der Handball-Coach in spe nun mitten im Zentrum von Bietigheim. Und auch wenn es sprachlich noch hapert, hofft Tanimura über seinen gerade eingeschulten Sohn möglichst schnell Deutsch zu lernen.
Mit der neuen Umgebung hat sich der 35-Jährige dabei schon angefreundet: „In Hiroshima war es auch ruhig. Ich und meine Frau lieben es, durch die Altstadt und über den Markt zu gehen. Jedes Wochenende probieren wir einen neuen Wein aus. Vor allem meine Frau liebt deutsches Bier und deutschen Wein“, sagt Tanimura in gebrochenem Englisch. Ganz so einfach, mit seinen Kindern durch die Stadt zu schlendern, sei es allerdings nicht, gesteht Tanimura. „Sie wollen immer spielen und wir müssen bei allen Spielplätzen anhalten.“ Doch Abhilfe ist in Sicht: Sein sechsjähriger Sohn startet jetzt bei den SG BBM-Minis, wo er sich in Zukunft richtig austoben kann.