Neue Ausstellung im Hornmoldhaus
: Fluch und Segen der großen Brände Bietigheims

Die neue Ausstellung im Hornmoldhaus in Bietigheim-Bissingen befasst sich vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 mit den Stadtbränden Bietigheims.
Von
Heidi Vogelhuber
Bietigheim-Bissingen
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Teil der Ausstellung ist auch ein Modell der Stadt, das die Zerstörung der Gebäude am Standort des heutigen Marktplatzes und der Marktplatzarkaden zeigt. Ohne den Brand würde es den Marktplatz in dieser Form wohl nicht geben.

Foto: Richard Dannenmann

Wie schön lässt es sich doch inmitten der historischen Gebäude in den zahlreichen Cafés und Restaurants in der Bietigheimer Innenstadt sitzen. Ein offener Platz, an dem regelmäßig der Markt abgehalten wird, aber auch Feste und öffentliche Veranstaltungen haben an dieser Stelle Raum. Bedenkt man aber, dass Bietigheim eine alte Stadt mit mittelalterlicher Bebauung ist, stellt sich doch die Frage: Wie passt das zusammen?

Und tatsächlich, beim Blick auf das Modell des historischen Bietigheims im Obergeschoss des Stadtmuseums Hornmoldhaus, sind ebendort enge Gässchen und eine engmaschige Bebauung festzustellen. Keine Spur vom großzügigen Marktplatz und der breiten Hauptstraße, die zum Flanieren einlädt. Dass es dazu kam, hat in einem großen Unheil seinen Ursprung. Um diesen Fluch und Segen geht es in der neuen Ausstellung im Hornmoldhaus, die am Sonntag eröffnet wird und noch bis September nächsten Jahres zu sehen ist: „Feuer – Fluch und Segen. Stadtbrände in Bietigheim“.

Aus Unheil entsteht Gutes

„Jede Katastrophe lässt auch etwas Gutes entstehen“, sagt Dr. Catharina Raible, Leiterin des Hornmoldhauses. Diese Katastrophe, von der sie spricht, ist der große Brand von 1921, durch den das Quartier zwischen Rathaus und Stadtkirche niederbrannte. Zuvor, im Jahr 1721, wurde das Gebiet zwischen oberer Hauptstraße und Pfarrstraße zerstört. 1707 traf es das Bietigheimer Schloss und im Laufe des 19. Jahrhunderts brachen in der Hauptstraße über 70 Feuer aus.

In der Ausstellung sind Positives und Negatives gegenüber gestellt: Nützliche Alltagsgegenstände und Zeitzeugen der Zerstörung durch die Flammen. Ausstellungsstücke sind zum Teil Leihgaben von Privatpersonen, denn Feuer war – in der Vergangenheit noch mehr als heute – auch für den Alltag essenziell. Zum Heizen, zum Kochen, als Beleuchtung, zum Bügeln, um Wäsche zu waschen und um das Badewasser zu erwärmen war bis in die 1960er-Jahre Feuer im Einsatz, erklärt Museumsleiterin Raible. Eine Puppenstube zeugt von einem Brand auf der Lug, zeigt aber auch Wasserschäden vom erfolgreichen Löschen des Brands auf. Sonja Eisele vom Stadtarchiv stellte historische Fotografien vom Brand 1921 zur Verfügung, von denen es überraschend viele gibt. „Es entstand ein richtiger Brand-Tourismus“, erklärt Raible. Schaulustige pilgerten in die Hauptstraße, wo sogar Ansichtskarten von den Brandruinen verkauft wurden.

Um Brände zu vermeiden, wurden Vorkehrungen getroffen, die noch heute hilfreich sind. 1860 etwa wurde die Freiwillige Feuerwehr in Bietigheim gegründet. Viele Exponate stellte die Wehr zur Verfügung, so auch einen alten Brandwagen (siehe Foto), der 1921 im Einsatz war. Eine Sirene auf einem Dreibein, aber auch historische Uniformen und Werkzeuge sind zu sehen. Nicht nur von Feuerwehrleuten, auch von Schornsteinfegern und Nachtwächtern.

Aktuelle Feuerwehrarbeit

Das Hornmoldhaus stellt auch aktuelles Feuerwehrequipment aus und verweist auf Einsätze aus der Neuzeit. So auch auf den spektakulären Brand des Möbelhauses Hofmeister im März dieses Jahres. „Es kam eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz“, erklärt Bietigheim-Bissingens Feuerwehr-Kommandant Frank Wallesch, der bei der Presseführung zugegen war. Das habe die Vorgehensweise beim Löschen maßgeblich geprägt. Denn die Videoaufnahme, die auch der Museumsbesucher zu sehen bekommt, ließ die Brandherde schneller lokalisieren.

Zur Ausstellungseröffnung

Fakten
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 16. Oktober, um 11.15 Uhr im Ratssaal des Bietigheimer Rathauses. Es gibt einen Umtrunk, eine Bewirtung durch das Backhaus-Team und musikalische Unterhaltung durch die Musikschule.

Programm
Nachmittags gibt es in Hof und Hintergebäude des Hornmoldhauses ein Programm für Kinder. Auch für die Ausstellung gibt es ein umfangreiches Kinderprogramm sowie in den Herbstferien. Auch buchbar sind Kindergeburtstage zum Thema Feuerwehr.

  • Ein alter Brandwagen der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen, der auch beim Brand 1921 im Einsatz war. Daneben ist eine historische Uniform zu sehen. Links vorne ist eine alte Sirene mit Handkurbel zu sehen. Auf den großen Schaubildern sind historische Aufnahmen des Brandes 1921 zu sehen. Alles Leihgaben der Bietigheim-Bissinger Wehr.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Volontärin Carina Rosenlehner beim Schornsteinfeger-Spiel für Kinder: Mit einem Endoskop – dem modernen Werkzeug der Schornsteinfeger – müssen vier Figuren im Schornstein gefunden werden. Auch die Namen sind im Schornstein versteckt.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Ein alter Brandwagen der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen, der auch beim Brand 1921 im Einsatz war. Daneben ist eine historische Uniform zu sehen. Links vorne ist eine alte Sirene mit Handkurbel zu sehen. Auf den großen Schaubildern sind historische Aufnahmen des Brandes 1921 zu sehen. Alles Leihgaben der Bietigheim-Bissinger Wehr.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Historische und moderne Uniformen sowie Utensilien der Feuerwehren. Auf dem Bildschirm ist eine Video-Drohnen-Aufnahme von der Löschung des Brandes beim Möbelhaus Hofmeister vom März 2022 zu sehen. Mit Hilfe von Wärmebildaufnahmen konnte der Brandherd lokalisiert werden.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen. Zu sehen ist hier historische Kleidung von Schornsteinfegern.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen. Auch im Alltag wurde vor allem früher, aber auch noch in er modernen Welt, mit Feuer gearbeitet. Feuer ist also nicht nur Fluch, sondern auch Segen für die Menschen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Das Modell des historischen Bietigheim. Mittig ist der Schaden des Brandes von 1921 zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Brennholz – auch wieder ein aktuell brandheißes Thema.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Ein Eckpfosten eines abgebrannten Hauses aus dem Bereich der Marktplatzarkaden.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Ein historischer Feuerwehrhelm. Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • An einer Puppenstube ist der Schaden eines Brandes auf der Lug zu sehen, aber ebenso der Wasserschaden, der durch die Löschaktion entstand.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Moderne Feuerwehrkleidung.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
  • Die Ausstellung „Feuer – Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim“ ist vom 16. Oktober 2022 bis 17. September 2023 im Hornmoldhaus zu sehen. Aus dem Stadtarchiv sind viele historische Stadtansichten in der Ausstellung zu sehen.

    Foto: Richard Dannenmann
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