MHP Riesen Ludwigsburg: Jaleen Smith bringt Ex-Klub zur Strecke

Neuzugang Tommy Kuhse (links) war bei seinem Debüt mit 18 Punkten auf Anhieb Ludwigsburgs Topscorer. Hier versucht ihn Alba-Matchwinner Jaleen Smith zu stoppen.
Avanti/Ralf PollerViel Beifall brandete am Sonntagabend in der MHP-Arena auf, als der Hallensprecher den Name Jaleen Smith bei der Mannschaftsaufstellung von Alba Berlin nannte – ein Zeichen, dass die Fans der MHP Riesen Ludwigsburg den einstigen Publikumsliebling noch immer in ihren Herzen tragen. Prompt trumpfte Smith an der alten Wirkungsstätte groß auf. Der 28-jährige US-Amerikaner führte seine „Albatrosse“ mit einer Galavorstellung und 28 Zählern zu einem 83:77-Sieg.
Gute Erinnerungen
„Es ist jedes Mal großartig, hierher zurückzukommen. Das fühlt sich immer wie ein Heimspiel an“, sagte Smith, der als Ludwigsburger in der Saison 2020/21 zum wertvollsten Spieler (MVP) der Liga gewählt worden war und sich nach wie vor gerne an seine zwei erfolgreichen Riesen-Spielzeiten erinnert: „Hier hatte ich mein erstes BBL-Jahr. Ich bin mit Ludwigsburg groß geworden.“
Trotz des unerfreulichen Ergebnisses hatten auch die Hausherren einen Gewinner in ihren Reihen: Neuzugang Tommy Kuhse legte eine gelungene Premiere im gelben Trikot hin. Der 26-jährige Spielmacher aus Arizona avancierte mit 18 Zählern zum Ludwigsburger Topscorer, glänzte mit klugen Pässen und spielte bereits so, als ob er schon seit der Vorbereitung zur Mannschaft gehören würde. „Tommy hat einen großartigen Job gemacht. Es ist nicht leicht, das erste Spiel in Europa gleich gegen ein Euroleague-Team zu absolvieren. Es war schön zu sehen, dass er uns helfen kann – gerade im Hinblick auf die wichtigen Duelle, die jetzt auf uns warten“, lobte Josh King seinen spielfreudigen Debütanten.
Obwohl der Riesen-Coach ihn erst in der siebten Minute aufs Feld schickte, war Kuhse sogar der erste Profi auf dem Feld, der die Zehn-Punkte-Marke knackte: Mit zwei Freiwürfen glich der Neuzugang auf 38:38 aus. Maodo Lo zog prompt nach und drang mit seinem zu dem Zeitpunkt bereits dritten Dreier ebenfalls in den zweistelligen Zählerbereich vor. Damit sicherte der deutsche Nationalspieler Alba eine knappe 41:38-Halbzeitführung.
Der Meister wartete mit einer starken Trefferquote aus der Distanz von 48 Prozent auf. Elf der 23 Dreierwürfe waren erfolgreich. Bei den Hausherren fielen die Dreier dagegen nicht ganz so locker-flockig. Nur sieben von 31 Würfen von jenseits der 6,75-Meter-Markierung fanden ihr Ziel. Speziell Jacob Patrick konnte seine Stärke nicht wie gewohnt einbringen – der Youngster erlaubte sich bei sechs Versuchen gleich fünf sogenannte Fahrkarten.
Bis zur 27. Minute lagen die Riesen kein einziges Mal vorne. Dennoch lieferten sie dem Star-Ensemble von der Spree über die kompletten 40 Minuten einen harten Kampf – so wie schon in der Vorrunde, in der die „Albatrosse“ letztlich mit 99:91 triumphiert hatten. Der höchste Berliner Vorsprung waren lange die acht Zähler beim 11:3 aus der Anfangsphase.
Eddy Edigin warf den Außenseiter aus der Barockstadt mit einem Zweipunktewurf zum 53:52 erstmals in Front (27.). Und da die Schwaben einen Frischevorteil hatten – den Gästen steckten sieben Spiele in 16 Tagen in den Knochen –, roch es in der mit 4000 Zuschauern ausverkauften Arena nach einer Überraschung.
Das Bundesliga-Topspiel zwischen dem Fünften und dem Zweiten blieb eine haarige Angelegenheit – bis der ohnehin schon stark spielende Smith im Schlussviertel noch eine Schippe drauflegte und den Unterschied ausmachte. 14 seiner 28 Zähler erzielte er in den letzten zehn Minuten. „Ich habe mich gut gefühlt. Natürlich freue ich mich darüber, dass ich das Spiel entscheiden konnte“, stellte Smith fest.
Anerkennung für Matchwinner
Obwohl Prentiss Hubb zehn Sekunden vor Spielende mit einem wilden Dreier noch auf 77:81 verkürzte, war am Gästesieg nichts mehr zu rütteln. Zwei erfolgreiche Freiwürfe von Lo besiegelten die Ludwigsburger Niederlage. „Das bessere Team hat gewonnen“, gab King zu. Auch er hatte anerkennende Worte für Berlins Matchwinner parat. „Jaleen Smith hat Alba im dritten und vierten Viertel geholfen. Das macht gute Spieler aus“, sagte der Riesen-Trainer, der aber betonte: „Wir haben nicht gegen ihn allein, sondern gegen Alba und zwölf Spieler verloren.“