Medienprojekt an der Filmakademie
: Fußballer für sozialen Film gesucht

Der ukrainische Producer Jack Baratov benötigt für seine Abschlussarbeit an der Filmakademie Balltreter im Alter von 18 bis 35 Jahren. Schauspiel-Erfahrungen sind nicht erforderlich.
Von
Walter Christ
Stuttgart
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Jack Baratov studiert an der Filmakademie Ludwigsburg und sucht für seine Abschlussarbeit Unterstützung von Fußballern.

/Filmakademie Ludwigsburg

Schauspielerei ist bekanntlich in den Sportarenen der ganzen Welt verpönt. Am Bissinger Bruchwald soll das temporär mal anders sein: Hier sind Mimen ausdrücklich erwünscht. Denn ein ukrainischer Producer plant, im Schulterschluss mit der Filmakademie Ludwigsburg auf dem Sportplatz des FSV 08 Bietigheim-Bissingen einen gesellschaftspolitisch sensibilisierenden Kurzfilm zu drehen. Und Fußballer sollen dabei ins Rampenlicht rücken.

Da staunte 08-Vorstandsmitglied Achim Silcher nicht schlecht, als bei ihm eine Anfrage der renommierten Ludwigsburger Filmeschmiede beziehungsweise des aus Kiew stammenden Producers Jack Baratov landete, ob die Nullachter bereit wären, nicht nur das 08-Gelände, sondern auch bis zu einem Dutzend Spieler für Filmaufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Okay der Bietigheim-Bissinger Stadtverwaltung und einem grundsätzlichen Ja des Vereins hat Baratov – er war in der Ukraine bei einer großen Werbeagentur beschäftigt, lebt jetzt aber in Ludwigsburg und studiert aktuell bei der Filmakademie – nun primär vor, mit dem Kurzfilm „Gearless“ (Getriebelos) seine Kursarbeit zu meistern.

Fertigstellung bis Winter

Allerdings will er mit diesem Film, der im Winter fertig sein soll und dann über den You-Tube-Kanal der Filmakademie und auch auf nationalen sowie internationalen Film-Festivals (Porsche Awards, Spotlight, ADC und viele andere mehr) zu sehen sein soll, „auch einen kleinen Beitrag für mein Land leisten, an den Krieg erinnern“.

„Ziel des Filmes ist es, weltweit auf kreative Weise daran zu erinnern, dass die Ukraine noch immer die Sicherheit der ganzen Welt verteidigt und dafür die Unterstützung der ganzen Welt benötigt“, heißt es quasi im Vorspann, mit dem Hinweis auf die Gefahren für Europa und die Welt, sollte Russland den Krieg gewinnen.

Die Philosophie des Films soll durch folgendes Beispiel demonstriert werden: Die einen spielen Fußball mit Böllern, die anderen barfuß. Ohne Fußballschuhe zu spielen sei gefährlich – die Welt ohne Ausrüstung verteidigen zu wollen, aber fatal. Die Quintessenz: ein Appell, die Ukraine zu unterstützen.

Akribisch nach der Choreografie des Regisseurs sollen die sieben bis zwölf Fußballer – auf echte Schauspieler will Baratov möglichst verzichten – in rund 30 speziellen Spielszenen die Visionen auf dem Sportplatz praktisch umsetzen.

Neutrales Auftreten im Film

Die Protagonisten sollen dabei neutral auftreten. Das heißt, Trikots, Hosen, Stutzen oder Schuhe mit Markenangaben sind nicht erlaubt. Es ist ebenso nicht vorgesehen, den Namen der Stadt zu zeigen, da der Film sozial sein und keine Flaggen oder länderbezogene Farben enthalten sollte.

Die Akteure der Filmakademie Ludwigsburg, die dem Produzenten den FSV 08 als nahen, regional bedeutsamen Oberliga-Fußball-Klub empfohlen hatten, stellen für den Film das komplette Personal sowie die komplette Ausrüstung kostenlos zur Verfügung. Konkret wird das Team der Filmakademie rund 20 Personen betragen: Producer, Regisseur, Kameramann, Ton-Techniker, Beleuchter, Kabelträger, Maskenbildner sowie weitere Helfer. Auch sonst wird kein Geld fließen – weder für Mieten noch für Schauspieler noch für irgendetwas anderes. Nur für Verpflegung wird gesorgt.

Hoffen auf viele Rückmeldungen

Jetzt hoffen der ukrainische Filmemacher beziehungsweise Produzent und die Akteure der Akademie darauf, dass Fußballer tatsächlich auch das gewünschte Kontingent an Darstellern bereit stellen.