Markgröningen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Die Untere Kelter stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist sanierungsbedürftig. Daher hat der Gemeinderat nun, auch bezüglich in Aussicht gestellter Fördergelder, für eine Modernisierung gestimmt.
/Martin KalbDie Untere Kelter ist zweifelsfrei eines der prägenden Gebäude der an mittelalterlichen Baudenkmalen nicht armen Altstadt Markgröningens. Dennoch nagt an dem trutzigen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert der Zahn der Zeit, die Kelter ist dringend sanierungsbedürftig. Nun sollen umfangreiche Arbeiten im Zuge einer behutsamen Sanierung und nach den Vorgaben des Landesamtes für Denkmalschutz (LAD) vorangetrieben werden, schon alleine, um im Zuge des aktuellen Sanierungspakets die volle Fördersumme abgreifen zu können. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat nun an die ganze Sache einen Knopf gemacht und den Baubeschluss zur Umsetzung des Maßnahmenpakets. Die Entwurfsplanung bildet die Grundlage für die weitere Ausführungsplanung sowie für die Abstimmung der technischen und baulichen Details im weiteren Projektverlauf innerhalb des Sanierungsgebiets V, in welchem sich die Kelter befindet.
Erweiterungsbau inklusive
Die Sanierung soll unter anderem einen Erweiterungsbau inkludieren, der auf der südöstlichen Seite errichtet werden und neben der Haustechnik auch einen barrierefreien Zugang zum historischen Trakt in Form eines Aufzugs beinhalten soll.
Die Nutzung der Kelterhalle wird als zentraler Baustein für die Modernisierung gesehen, auch sollen die Belange der Vereine, die aktuell bereits die Untere Kelter nutzten – also der OWG (der Obst-, Wein- und Gartenbauverein) oder der Kunstverein - im Konzept zur Umgestaltung berücksichtigt werden.
Volker Heiden, Fachbereichsleiter Technischer Service, umriss die anstehenden Maßnahmen nochmals und betonte, dass man durch bereits erreichte Einsparungen die Kosten um rund eine Million Euro auf voraussichtliche Gesamtkosten von nunmehr 9,989 Millionen Euro habe senken können. Heiden: „Davon sind Fördergelder in Höhe von rund 66 Prozent zu erwarten, das bedeutet, dass für uns ein Eigenanteil von – Stand heute – rund 3,4 Millionen Euro verbleibt“. Aber, auch darauf wies er hin, „werden mit jeder weiteren Planungsrunde neue, zusätzliche Kosten entstehen, zudem kann die aktuelle Förderung nicht unendlich garantiert und gegebenenfalls reduziert werden oder ganz wegfallen.“
Bürgermeister Jens Hübner machte sich ebenfalls für eine möglichst baldige Umsetzung stark: „Vor dieser imposanten Förderkulisse schlägt für die Sanierung trotz der aktuellen angespannten wirtschaftlicher Lage die Chance der Stunde, denn alleine und ohne mögliche Fördergelder werden wir dieses wertvolle Gebäude nicht halten können. Die Sanierung muss kommen - wenn nicht jetzt, wann dann?“
Stellungnahmen der Fraktionen
Matthias Reutter, Freie Wähler, erinnerte daran, dass seine Fraktion noch im Mai den Antrag gestellt habe, das Erdgeschoss auch künftig dem OWG zu über- und es zunächst so belassen, wie es ist, schon alleine der eingebrochenen Steuereinnahmen wegen. „Dies wurde abgelehnt, das respektieren und akzeptieren wir. Wir werden den vorliegenden Plänen so nicht zustimmen, wenn es anders ausgeht, ist das demokratisch legitimiert und wir werden kein neues Fass aufmachen. Unser Anliegen ist jedoch nach wie vor, den OWG als Ankermieter beizubehalten.“
Tobias Bäßler, CDU, befand, es sei richtig, das Ganze nun anzugehen: „Entweder machen wir es jetzt oder gar nicht. Auch finden wir es gut, dass wir im Austausch mit jetzigen und künftigen Nutzern und der Nachbarschaft stehen. Wir sollten jedoch auch an möglichen Einsparungen und Optimierungen dranbleiben.“
Pedro Torres Fernandes, SPD, hob hervor, dass man aktuell arbeitsrechtliche und arbeitsschutzrechtliche Rahmenbedingungen vorfinde, wie sie nicht mehr zeitgemäß seien: „Entweder bauen wir ein ganz neues Verwaltungsgebäude oder wir gehen die Sanierung der Unteren Kelter an“.
Mit der Sanierung könne ein deutlich besserer Bürgerservice realisiert werden, ein weiteres Herauszögern bringe nichts, denn: „Wenn die Förderung vielleicht wegbricht, könnten wir das alleine nicht schultern.“ Deshalb werde es Zeit, das Vorhaben durchzuziehen.
Achim Wach, GAL, fragte in die Runde: „Investieren wir oder nicht? Übernehmen wir Verantwortung oder nicht? Wir sprechen über ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, es ist ein wichtiges Thema, sich mit der Kelter auseinanderzusetzen. Wenn wir hier nichts machen, fällt uns die Sache irgendwann auf die Füße. Wir bekommen aktuell Fördermittel von über 60 Prozent, alleine würden wir das nicht stemmen können.“
„Viel Kelter, wenig Verwaltung“
Joachim Blank, FDP, wies darauf hin, dass die Untere Kelter „eines unserer historisch bedeutendsten Gebäude ist, ein Gebäude, in das wir investieren müssen. Für die anvisierten Fördermittel aktuell haben wir die Chance, es zu erhalten.“ Aber, fügte er hinzu, die Kelter sollte möglichst viel Kelter bleiben und möglichst wenig Verwaltungstrakt werden. Man solle nicht noch mehr in das historische Gebäude hineinpressen als jetzt schon. Das Einwohnermeldeamt sehe er jedenfalls dort nicht als notwendig an.
Reno Geisler, AfD, stimmte seinem Vorredner zu, „die Fördergelder sind verlockend, aber ich sehe es auch so, dass die Verwaltung dort einfach nicht richtig untergebracht ist, eher im Gebäude der Kreissparkasse.“ Dem Baubeschluss wurde bei neun Gegenstimmen stattgegeben, ein von der SPD-Fraktion im Zuge der Diskussion noch ins Feld geführter möglicher Lenkungskreis allerdings mehrheitlich abgelehnt.