Markgröningen
: Wasser für die Nachbarkommune

Gemeinderat spricht sich mehrheitlich für eine Vereinbarung mit Schwieberdingen aus, dass diese im künftigen Gewerbepark Trinkwasserkontingent entnehmen darf.
Von
Markus Wirth
Sachsenheim
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Zwischen dem Schwieberdinger Industriegebiet (Tafel) und Markgröningen (links) plant der Zweckverband „Laiblinger Weg“ das gleichnamige Gewerbegebiet.

/Martin Kalb

Die Kommunen Schwieberdingen, Ditzingen, Hemmingen und die Stadt Markgröningen haben sich vor geraumer Zeit zur Erschließung eines rund 45 Hektar großen Areals für die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie zum Zweckverband „Laiblinger Weg“ zusammengeschlossen. Die vier Kommunen stehen vor der Herausforderung, das entstehende Gebiet zuverlässig mit Frischwasser zu versorgen. Die Zurverfügungstellung von Trinkwasserbezugsquoten und der Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung Markgröningens mit Schwieberdingen war Gegenstand der Tagesordnung in der jüngsten Sitzung des Markgröninger Gemeinderats. Vorgesehen war, dass ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme aktuell geplanten Wasserhochbehälters „Laib“ der Gemeinde Schwieberdingen das Recht eingeräumt werden soll, jederzeit bis zu zwei Liter pro Sekunde Trinkwasser aus der Entnahmestelle Markgröningens zu beziehen.

Sollte diese Menge sich als unzureichend erweisen, wären die Schwieberdinger, so war es vorgesehen, innerhalb der ersten zehn Jahre – der Mindestlaufzeit der Vereinbarung mit der Nachbargemeinde – nach Inbetriebnahme berechtigt, den Bezug auf bis zu vier Liter pro Sekunde nach Absprache mit der Verwaltung der Schäferlaufstadt zu erhöhen.

Sollte auch dies nicht ausreichen, wäre Markgröningen bereit, weitergehende Gespräche über eine mögliche Ausdehnung der Bezugsquote mit Schwieberdingen zu führen. Dies alles war im Gemeinderat zum Teil kontrovers diskutiert worden. Letztlich stimmte das Gremium jedoch bei 15 Ja- und neun Nein-Stimmen mehrheitlich für die Vereinbarung. Allerdings nur unter der Voraussetzung einer Beschlussänderung, deren Wortlaut zu Redaktionsschluss noch nicht vorlag.

Kritische Töne schon in der Bürgerfragestunde

Bereits im Vorfeld, in der Bürgerfragestunde, hatte sich Widerstand geregt und wurde Kritik laut, gerade in Zeiten sich verstärkender Trockenheit und anhaltend arider Perioden allzu sorgenfrei mit dem kostbares Gut umzugehen.

Ein Bürger verwies darauf, dass der Zweckverband 2023 gegründet worden sei, schon damals wäre jedoch im Vorfeld eine diesbezügliche Anfrage von Schwieberdingen rechtens gewesen: „Wir sind Nachbarn, und da hilft man sich gegenseitig. Aber die Sachverhalte müssen im Vorfeld geklärt werden.“ Zudem stand die Frage im Raum, welchen Benefit die Bürger bei einer Entnahme der Nachbarn bei zwei – oder vier – Litern pro Sekunde Entnahme hätten?

Kämmerer Klaus-Dieter Schmelzer betonte, dass als Benefit die Stadt bei zwei (respektive vier) Litern an Wasserentnahme durch die Ausgleichszahlungen der Schwieberdinger 13.200 Euro – beziehungsweise 26.400 Euro – weniger an die Bodensee-Wasserversorgung zahlen müsse, „um diese Summe werden die Markgröninger Bürger entlastet“. Etwaige Mehrkosten im Fall eines über die Vereinbarung hinausgehenden Wasserbedarfs hätte die Nachbargemeinde vollumfänglich zu begleichen. Ein Mehrbezug, so der Kämmerer, sei seitens der Bodensee-Wasserversorgung möglich, dieser sei jedoch mit Mehrkosten verbunden. Bei allgemein anhaltender Wasserknappheit, befürchtete ein weiterer Bürger, könnte es sein, dass die Bodensee-Wasserversorgung eine Beschränkung der Entnahme geltend mache, wie stünden die Markgröninger in diesem Fall da? Gebe man dann weiterhin Wasser an Schwieberdingen ab?

Schmelzer: „Das gleicht einem Blick in die Glaskugel, wir müssen jedoch die Trockenheit jetzt schon und auch und vor allem künftig ernst nehmen und schauen, dass wir nicht nur Fremdwasser beziehen, sondern auch unser Eigenwasser zur Sicherung der Versorgung heranziehen.“

Auch bei den Gemeinderatsmitgliedern stieß die vorgesehene Vereinbarung mit der Nachbarkommune nicht ungeteilt auf Gegenliebe, doch konnte im Zuge der Diskussion eine dementsprechende Beschlussänderung mit folgendem Inhalt manifestiert werden: Der Eigenbetrieb Wasserversorgung Markgröningen stellt demnach dem Eigenbetrieb Wasserversorgung der Nachbargemeinde Schwieberdingen garantierte Trinkwasserbezugsquoten von zwei Litern pro Sekunde aus dem Kontingent beim Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung für einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung. Hier bleibt es bei der ursprünglich angedachten Mindestlaufzeit der Vereinbarung.

Quote wird bei Bedarf auf vier Liter pro Sekunde ausgeweitet

Sollte dieses Kontingent den Bedarf in dem oben genannten Zeitraum nicht decken, kann nach Beschluss des Gemeinderates der Stadt Markgröningen die Trinkwasserquote auf vier Liter pro Sekunde erhöht werden. Der Beginn der Vereinbarung ist zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Wasserhochbehälters „Laib“, spätestens aber ab dem Jahr 2030.

Pedro Torres Fernandes, Fraktionsvorsitzender der SPD, befand, man unterstütze eine Bereitstellung von zwei Litern pro Sekunde: „Eine weitergehende langfristige Bindung unserer Wasserbezugsrechte halten wir angesichts der geplanten Entwicklung Markgröningens und der klimatischen Unsicherheiten derzeit jedoch nicht für verantwortbar. Gleichzeitig erwarten wir, dass für den Zweckverband langfristig eine eigenständige und tragfähige Wasserversorgung entwickelt wird.“

Auch Achim Wach von der GAL pflichtete Fernandes bei: „Wir stimmen der Stellungnahme von der SPD zu, zusätzlich fordert die GAL jedoch eine Ansiedlung von wasserschonenden Gewerbebetrieben und Industrien.“