Markgröningen
: Sisyphus scheitert in mattem Glanz

Der Unterriexinger Künstler Siegfried Scholz hat eine Passion für Plastiken aus Bronze.
Von
Markus Wirth
Sachsenheim
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Siegfried Scholz ist passionierter Hobbykünstler, der liebend gerne Skulpturen und Plastiken aus Bronze anfertigt. Bei all seinen Themen ist auch immer eine Spur augenzwinkernder Humor dabei.

Oliver Bürkle

Sisyphus hat es nicht leicht. Am Fuß des Bergs rollt er den Felsbrocken bis zum Gipfel, an welchem er Mal für Mal krachend scheitert. Immer und immer wieder. Die tragische Figur aus der griechischen Mythologie hat auch bei Siegfried Scholz keinen leichten Stand, ist in ihrer Form als Bronzeplastik jedoch trotz ihres stetigen und vorherzusehenden Misserfolgs ein lächelnder, wenn auch etwas untersetzter und glatzköpfiger Antiheld.

Scholz ist seit vielen Jahren begeisterter Hobbykünstler und auch Mitglied im Markgröninger Künstlerkollektiv „Feuer und Flamme“. „Ich war schon seit Kindesbeinen an kreativ, habe gerne gezeichnet“, sagt der Unterriexinger, der zunächst 1968 eine Ausbildung als Werkzeugmacher begann. „Doch das war mir alles immer irgendwie zu technisch, Metall war mir zu kalt und die ganze Ausbildung nicht so die Richtige für mich“, erinnert er sich.

Vielseitig kreativ unterwegs

Also begann er nach seinem Ersatzdienst in einem Kinderheim ein Studium als Grund- und Hauptschullehrer mit der Ergänzung Sonderpädagogik.

Doch das kreative Ich trieb ihn weiter um, und so illustrierte er, bevor die Liebe zu Bronzeplastiken begann, Bücher, fertige Holz- und Steinskulpturen an und druckte Kalender sowie Kunstblätter. Seit 2013 begann er, dem eigentlich Metall zu kalt gewesen war, mit dem Werkstoff Bronze, von dem er schwärmt, weil er so vielseitig und gut zu verarbeiten ist: „Und er fühlt sich wunderbar weich an.“

Eine Skulptur entstehe, sagt der Künstler, immer aus einer Idee mit einem dazu passenden Titel: „Diesen Denkprozess visualisiere ich in einem Skizzenbuch. Haben Idee, Titel und die Skizze dann meine Akzeptanz, modelliere ich ein Wachsmodell aus dem die finale Bronzeplastik entsteht.“ In seinem schmucken Eigenheim stehen an allen Ecken, in sämtlichen Räumen und auch auf der Terrasse seine Kunstwerke. Ikarus, der glücklose Flieger, kommt mehrfach vor, „denn die Ausformung der angesengten Flügel war für mich anfangs eine Herausforderung, und es dauerte eine Weile, bis ich den perfekten Ikarus erschaffen hatte“, sagt Scholz.

Nun jedoch schwebt er, mit einem Lächeln im Gesicht, der Sonne entgegen, wenn auch, wie aus der Sage bekannt, nicht mehr lange. „Wie im Leben gehört auch ihm, dem Träumer, dem Optimisten, die Welt, auch wenn er weiß, dass die Flügel, die ihn tragen, aus Wachs und somit leicht Beute für die Hitze der Sonne sind.“ Überhaupt sind die Plastiken von Siegfried Scholz immer eine Mischung aus gesellschaftlich relevanten Themen, aus philosophischen Betrachtungen, aber auch gepaart mit Momenten aus der Sagenwelt – siehe Sisyphus oder Ikarus – und vor allem begleitet von augenzwinkerndem Humor. „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“, sagt Scholz, der mit seinen Skulpturen den Betrachtern auf diese Weise immer auch ein Lächeln auf die Lippen zaubern möchte. Und weiter: „Kunst sollte immer den Mut haben, etwas zu realisieren, das neue und andere Sichtweisen zulässt. Damit möchte ich tiefsinnige Gedanken entstehen lassen.“

Und sie sollte und dürfe auch provozieren oder Bekanntes in einen neuen Bezugsrahmen stellen, respektive Geschichte in ihr Gegenteil zu verkehren.

Daher wagt er sich auch, Stichwort künstlerische Freiheit, an die alttestamentarische Figur der Eva, die nach seiner Lesart die Schlange bezwingt und sich den Apfel schmecken lässt, emanzipiert ganz ohne Adam - und ohne aus dem Paradies verstoßen zu werden.

Eva als attraktive, junge Heldin

Die erste Frau in der Menschheitsgeschichte erscheint bei Scholz als attraktive, junge Heldin, die die verbotene Frucht triumphierend in die Höhe hält – als Zeichen des Siegs über Niedertracht und Verführung. Auch Metaphern sind in seinem Portfolio zu finden und werden zu Kunstwerken. So hat er vier Figuren auf eine Schaufelspitze drapiert, die gerade im Begriff sind, sozusagen in letzter Minute nahendem Unheil von der Schippe zu springen.

Dabei sind alle vier Protagonisten unterschiedlichen Charakters – ein Zauderer, ein Träumer, der noch abwägt, ob er zum springen soll, ein Draufgänger, der schon zur erlösenden Flucht ansetzt und ein Ängstlicher, dem alle Veränderung Unbehagen verursacht.

Ob Unglücksraben, Unermüdliche, Optimisten oder Charaktere aller Couleur – bei Siegfried Scholz bekommen sie eine Heimat.

Aus Bronze gegossen und in der Kunst zu Hause, dabei stets durch ein zuweilen schelmisches Augenzwinkern begleitet.