Markgröningen
: Ludwigstafel ist im Kreis unterwegs

Seit 1999 gibt es den Ludwigsburger Tafelladen. Seit Oktober macht nun das mobile Pendant immer dienstags auch in der Schäferlaufstadt Station.
Von
Markus Wirth
Sachsenheim
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Dienstags macht das Ludwigstafel-Mobil Station in Schwieberdingen, Unterriexingen und, wie hier auf dem Foto, auch in Markgröningen neben der Bartholomäuskirche. An diesem Dienstag warteten viele Kunden und Kundinnen auf das Ludwigstafel-Mobil.

/Martin Kalb

Der Dienstag gehört Schwieberdingen und Unterriexingen, dazwischen ist Markgröningen an der Reihe. Immer zwischen 13.15 und 14.15 Uhr  parkt das Ludwigstafel-Mobil im Schatten der mächtigen Bartholomäuskirche, dort, wo die Schäferlaufstadt mit all ihrem Fachwerk-Postkartenidyll am schönsten ist. Seit gut drei Monaten können hier, am fahrenden Lebensmittelladen, der auch andere Dinge des täglichen Bedarfs mit sich führt, die Bürgerinnen und Bürger, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen, gegen kleines Geld einkaufen.

Tafelmobil mit guter Resonanz

„Wir sind mit der Resonanz bislang sehr zufrieden“, sagt Hergen Blase, der Geschäftsführer des Vereins Ludwigstafel aus der Barockstadt. Es habe sich schon jetzt bewährt, dass man nicht nur in Ludwigsburg mit dem dortigen Tafelläden Präsenz zeige, sondern auch ins Umland fahre. Blase weiß um die Not der ärmeren Menschen in einem der reichsten Länder der Welt, „die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, dazu kommen stetig steigende Steuern und Abgaben, teurer Wohnraum und immer weniger Geld, das den Leuten zum täglichen Leben bleibt“, beschreibt er die aktuelle Situation, die immer mehr Menschen dazu bewegt, Angebote wie jene der Tafelläden anzunehmen.

Den Ludwigstafelladen gibt es seit gut 26 Jahren, nun folgte im Oktober vergangenen Jahres das mobile Pendant. „Hier dachten wir vor allem an ältere Menschen und Alleinerziehende, denen der Weg nach Ludwigsburg der oftmals doch recht langen und komplizierten Fahrt wegen nicht zuzumuten ist“, sagt er.

Aber: „Bei den Leuten, die zum ersten Mal zu uns kommen, ist anfangs schon Scham zu spüren“, weiß Blase aus vielen Begegnungen. Doch irgendwann überwiege die Not, und die Menschen würden sich helfen lassen, weil es gar nicht mehr anders gehe. Rund 150 Berechtigungsscheine seien aktuell an den Standorten des Mobils ausgegeben, da steckten 400 bis 500 Bedürftige dahinter, die die Dinge des täglichen Bedarf hier zu einem Bruchteil dessen, was diese regulär im Laden kosteten, erstehen können. Zwischen zehn und zwölf Tonnen Obst, Gemüse, aber auch Verderbliches wie Milchprodukte, Backwaren und dergleichen kämen pro Woche bei denjenigen an, die am Rand der Gesellschaft lebten.

Bewegende Schicksale

So wie Martha. Sie ist Mitte 70, heißt eigentlich anders und möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Nur so viel – sie wohne seit Kindesbeinen an schon in Markgröningen und habe über 40 Jahre bei Bosch in Schwieberdingen in der Qualitätsprüfung gearbeitet, nebenher den Haushalt geführt und zwei Kinder großgezogen.

Plötzlich sei ihr Mann mit Anfang 60 gestorben, und erst dann merkte sie, dass er Spielschulden angehäuft hatte – und dies über viele Jahre hinweg. Martha kämpft mit den Tränen als sie es erzählt, plötzlich waren da Verbindlichkeiten und Forderungen „im mittleren fünfstelligen Bereich“, und nur dank ihrer Kinder, die ihr – so gut es eben ging – finanziell und durch Bürgschaften geholfen hätten, habe sie die kleine Eigentumswohnung behalten können. Die nun noch verbliebenen Schulden ihres Mannes zahlt sie mithilfe ihrer kargen Rente im Bereich des ihr Möglichen ab. „Aber da bleibt nicht mehr viel übrig, ich muss jeden Cent zwei Mal umdrehen.“ Und so sei sie unendlich froh, dass es das Ludwigstafel-Mobil gebe. „Der Dienstag ist für mich immer wie ein Feiertag.“ Es sind Geschichten wie jene von Martha, die Hergen Blase zu Genüge kennt. Ohne all die Ehrenamtlichen gehe dies nicht, ohne all die Sponsoren, Gönner, Förderer, Spender, die der Ludwigstafel helfen und sie nach Kräften unterstützten – durch Geldzuwendungen, Lebensmittelgaben oder auch durch ihre Arbeitskraft.

Kosten von 120.000 Euro im Jahr

Nur so können die Macher des Ludwigstafelladens und des fahrbaren Supermarkts ihre Betriebs-, Wareneinsatz- und Personalkosten von mehr als 120.000 Euro pro Jahr – Tendenz steigend – meistern. „Wir haben aktuell an die 150 ehrenamtlich Tätigen bei der Ludwigstafel“, berichtet er, „und bei uns ist einer genauso wichtig wie der andere.“ Am Mobil an diesem Dienstag – wie auch an den anderen Werktagen, an denen der fahrende Lebensmittelmarkt im Landkreis unterwegs ist – sind Fahrerin Yvonne Sahiti und Verkäuferin Simone Tschöke sowie eine FSJ-lerin und zwei weitere Mitarbeiter anzutreffen, die mittlerweile weit mehr als ihre bloße Arbeit hinterm Lenkrad und an den Regalen verrichten.

„Wir sind immer für ein Schwätzle da, auch trösten wir gerne mal den einen Kunden oder die andere Kundin, wenn sich abzeichnet, dass es vom Geld her wieder mal hinten und vorne klemmt und schon zur Monatsmitte hin kein Weg aus diesem Teufelskreis des Mangels und der Armut zu führen scheint“, sagt Simone Tschöke.

Kurz nach 14 Uhr mittlerweile. Zeit, weiterzufahren. Auch im Markgröninger Stadtteil Unterriexingen wird es sehnlichst erwartet werden.