Ludwigsburger Schlossfestspiele: Pietari Inkinen feiert Richard Strauss

Der amerikanische Tenor Matthew Swensen
/Reiner PfistererPietari Inkinen, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen 2014 bis 2019 für seine unprätentiöse aber innovative Leitung als Chefdirigent mehr als gefeiert, kam wieder einmal nach Ludwigsburg. Und nicht viele kamen. Im Forum am Schlosspark – gähnende Leere. Etwas mehr als ein Viertel der Plätze waren nur besetzt. Lag es an der Hitze, die am vergangenen Samstag herrschte, an den Alternativen, die geboten waren oder am überaus konservativen Programm des Konzerts?
Konservatives Programm zieht nicht viele Besucher an
Ja, Richard Strauss, seine Tondichtung und seine Lieder scheinen einer längst vergangenen Zeit anzugehören und den Menschen von heute nicht viel zu sagen, geschweige denn sie zu unterhalten. Das Programm versprach zwar qualitätvoll zu sein, aber doch nichts Spektakuläres aufzuweisen. Dennoch: Einmal wieder die leidenschaftliche Führung des Finnen zu sehen, war ein Erlebnis. Seit 2017 leitet er – neben dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele – die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken.
Gereifter, seiner Sache noch sicherer, leitete Inkinen das Orchester zu Höhenflügen an. Darunter litt auch der Vortrag des amerikanischen Tenors Matthew Swenson, der bei ausgewählten fünf Liedern von Richard Strauss auch mit aller Inbrunst nicht gegen die Macht des Orchesters ankam. Die romantischen Lieder erfordern den Ausdruck von Emotionen, das gelang dem US-Amerikaner leider nur in seiner Zugabe „Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“ von Richard Strauss. Hier kam all das zum Ausdruck, was ein romantisches Lied ausmacht: Sehnsucht, Leidenschaft, die Größe der Natur und die Hoffnung auf eine bessere Welt – und das Zusammenspiel mit Inkinen und dem Orchester stimmte auch.
So poetisch die Vertonungen von romantischen Gedichten von Richard Strauss auch sind, so sehr sind sie in der Zeit hängen geblieben. Hatte Strauss mit seinen sogenannten Tondichtungen etwas Großes zu seiner Zeit – Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts – geschaffen, so entrückt sind sie dem Menschen des 21. Jahrhunderts. Lediglich die letzte Tondichtung, „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, konnte mit Witz, klangmalerischer Erzählung und der wirkungsvollen Umsetzung durch Inkinen und sein Orchester sinnliche Unterhaltung geben.
Durch die Musik sah man Till Eulenspiegel, durch die Querflöte personifiziert, durch die Gassen hüpfen, voller Vorfreude auf seinen nächsten Streich, der dann dramatisch durch die Bläser angekündigt wird und schelmisch mit Geigenbegleitung umgesetzt wird. Und wieder hüpft Till Eulenspiegel durch die Gassen und Pietari Inkinen hüpft auf seinem Dirigentenpult mit.