Ludwigsburger Schlossfestspiele: Neuerungen vorerst in kleinen Dosen

Der neue Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Lucas Reuter, vor einer Fotografie von Vera Mercer, die in dieser Saison die Plakate und Programm zieren wird.
/Oliver BürkleEs ist ein Neuanfang: Die bisherigen Banner und Fahnen der Ludwigsburger Schlossfestspiele wurden zu Taschen vernäht und bei der Vorstellung der ersten Termine für die Saison 2025 im Palais Grävenitz verschenkt. Denn der neue Intendant Lucas Reuter hat als eine der ersten Amtshandlungen als Nachfolger von Jochen Sandig und Gabriele Zerweck (die BZ berichtete) das Erscheinungsbild der Schlossfestspiele verändert – die alten Banner mussten weg.
Erscheinungsbild ist neu
Die Farbe der Festspiele ist nun ein leuchtendes Signalorange. Auch die Schrift ist eine andere: In klassischen, zeitlosen Lettern wird für die Ludwigsburger Schlossfestspiele Werbung gemacht. Dass die Ludwigsburger Veranstaltungen als Musikfest des Landes Baden-Württemberg gelten und somit eine besondere Stellung als Internationale Festspiele Baden-Württemberg haben, so Lucas Reuter, wird künftig mehr hervorgehoben. Der Internetauftritt ist neu und gerade an den Start gegangen. Auch die Programme werden anders aussehen.
Reuter will bei den Festspielen, wie er sagt, künftig möglichst alle Künste bedienen, da für ihn die Vielfalt der Genres das Alleinstellungsmerkmal des Festivals sei. Künftig wird es in den Räumen der ehemaligen Porzellanmanufaktur im Schloss Ludwigsburg während des Festivals eine Kunstausstellung geben. In diesem Jahr stellt die Fotografin Vera Mercer ihre Fotos aus, die an barocke Stillleben erinnern und die auch die Programme zieren werden. Zudem soll es spätestens 2025 auch wieder „eine schauspielerische Aufführung“ geben, wie Reuter sagt.
Im Palais Grävenitz, dem Sitz der Schlossfestspiele, wo der neue Intendant am Donnerstag zum ersten Mal Presse und Kooperationspartner begrüßte, hat sich nicht viel geändert, darum wurde kurzerhand im Saal die bisherige Sitzordnung um 180 Grad gedreht. Es sind kleine Neuerungen, die verkündet werden, aber das Zeichen ist klar: Es wird sich etwas ändern.
Von acht Veranstaltungen mit 16 Aufführungen, die ab diesem Freitag in den Vorverkauf gehen, hat Reuter sechs geplant, die anderen beiden waren von seinen Vorgängern, vor allem von Gabriele Zerweck, vorbereitet worden. Am Samstag, 31. Mai, beginnt die Saison – wegen der späten Pfingstferien am Samstag vor Ferienbeginn und in den Ferien mit nur wenigen Veranstaltungen. Künftig aber, so sagt Reuter, werden die Festspiele immer nach Ferienende beginnen.
Das Orchester der Schlossfestspiele gibt es nicht mehr, also muss Reuter auf andere Orchester zurückgreifen. Bei der Eröffnung ist es das Konzerthausorchester Berlin, beim Monrepos Open Air mit Feuerwerk das österreichische Orchester Divertimento Viennese, das aus Akademisten der Wiener Symphoniker besteht, und natürlich zum 200. Geburtstag von Johann Strauß dessen Walzer spielen wird.
Pietari Inkinen ist zurück
Und: Pietari Inkinen, der finnische Dirigent, der bis 2019 die Festspiele als Chefdirigent maßgeblich künstlerisch beeinflusste, ist zurück: Laut Reuter hat er sich selbst angeboten, ein Richard-Strauss-Fest mit der Deutschen Radio Philharmonie zu dirigieren (21. Juni). In Kooperation mit der Stuttgarter Staatsoper wird im Schlosstheater Mozarts „Zaide“ aufgeführt. Intendant Viktor Schoner ist nach Ludwigsburg gekommen, um die Produktion vorzustellen, was auch ein Friedenszeichen ist: Schoner war lange im Gespräch, neuer Intendant der Schlossfestspiele zu werden. Der Aufsichtsrat und der Gemeinderat entschieden sich dann für die sogenannte „Ludwigsburger Variante“ mit dem künstlerischen Leiter des Forums, Lucas Reuter.
In den sofortigen Vorverkauf gehen auch ein Konzert am 27. Juni mit Alexandra Dovgan am Klavier und dem Kammerorchester Basel sowie ein weiterer Klavierabend mit Arcadi Volodos am 13. Juli. Mit dem Freiburger Barockorchester (28. und 29. Juni) gibt es eine Kooperation, die nun jedes Jahr fortgeführt werden soll, wie Reuter verrät und womit er den Ordenssaal im Schloss „von der Kammermusik befreien“ und Orchesteraufführungen installieren will. Überhaupt: Reuter will alle Ludwigsburger Schlösser als Veranstaltungsorte nutzen. So wird es auf Schloss Favorite eine, wie er sagt, „Reihe mit Wohnzimmercharakter“ für 50 Zuhörer geben. Mehr seien aufgrund der Statik nicht erlaubt. 80 Gäste dürfen ins Schloss Monrepos. Dieses wird mit 14 Konzerten nach dem Monrepos Open Air durch Preisträger des ARD-Musikwettbewerb des Bayrischen Rundfunks bespielt.
Herzpunkt ist das Schloss
Der Fokus soll natürlich auf dem „Herzpunkt“ der Schlossfestspiele, dem Residenzschloss liegen, das Reuter vermehrt nutzen will. 20 Vorstellungen wird es dort geben. Neu ist auch, dass im Schloss bei allen Veranstaltungen nun die Gastronomie vom Team der Schlossfestspiele übernommen wird, exklusiv mit Wein aus dem Hause Herzog Württemberg – und Getränke und kleine Snacks sind künftig im Eintrittspreis enthalten. Zehn Vorstellungen, darunter zwei Tanzaufführungen, werden im Forum stattfinden. Eine davon zwei hintereinander folgenden Aufführungen ist das Festspiel-Finale am 31. Juli und 1. August: „Strawinsky in Paris“ ist der Titel mit zwei Choreografien; „An American in Paris“ von Jeroen Verbruggen und „Le Sacre du Printemps“ von Marco Goecke. Es tanzt das Ballett und es spielt das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München.
Weiterhin wird es die kostenlose Freiluftmusik, die Reuters Vorgänger einführte, geben. Der neue Intendant will sogar noch weitere Orte für Konzerte hinzufügen – in Parks oder auf kleinen Plätzen.