Ludwigsburg
: Unfallzeugen berichten vom Geschehen

Im Raser-Prozess vor dem Landgericht Stuttgart standen am zweiten Verhandlungstag direkte Zeugen im Mittelpunkt.
Von
Petra Häussermann
Ludwigsburg
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Bei dem Unfall auf der Schwieberdinger Straße starben zwei Frauen, 22 und 23 Jahre alt.

KS-Images.de/Andreas Rometsch

Noch immer sichtlich beeindruckt von den Szenen, die sich vor ihren Augen abgespielt haben, berichteten die Menschen im Ludwigsburger Raserprozess von den kurzen Augenblicken vor dem Zusammenstoß in der Schwieberdinger Straße am 20. März dieses Jahres. Drei Männer im Alter von 25, 32 und 35 Jahren müssen sich wegen Mordes und versuchten Mordes aufgrund eines Autorennens verantworten, bei dem zwei junge Frauen ums Leben kamen.

Unter den Zeugen, die sich im Polizeiportal gemeldet hatten, war etwa eine 63 Jahre alte Rollstuhlfahrerin, die im Auto bereits um 19.20 Uhr in der Gegend Blumenstraße drei Fahrzeuge mit völlig überhöhter Geschwindigkeit entlang rasen sah. Ihr Eindruck war, dass diese „Protzerautos aggressiv und sehr, sehr viel zu schnell ein Rennen fuhren“. Auf Bildern erkannte sie später die Mercedes.

Laut Anklage verabredeten sich die beiden Brüder und ihr junger Cousin, alle in Ludwigsburg geboren und türkische Staatsbürger, im Frühjahr dieses Jahres zu einem „Beschleunigungsrennen“ und rasten mit bis zu 150 Stundenkilometer in ihren drei hochmotorisierten Mercedes durch 50er-Zonen in Ludwigsburg. Bei einer zweiten Runde wollten sich die Brüder messen und bretterten in ihren Autos erneut los, als zwei junge Frauen in ihrem Ford gerade von einer Tankstelle wegfuhren. Die 22 und 23 Jahre alten Frauen hatten keine Chance und starben noch an der Unfallstelle.

Richter mahnt zur Besonnenheit

Der Vorsitzende Richter ermahnte nach der Mittagspause die Zuhörer zu Besonnenheit und verbat sich jegliche Beleidigungen oder Angriffe der Parteien. Er verstehe, dass es für die einen belastend sei, weil sie Familienangehörige und Freundinnen verloren hätten, und die anderen sorgten sich um die Zukunft ihrer Familienangehörigen. Dennoch sei ein „gesundes Maß an Zurückhaltung“ gefragt.

Gleich mehrfach betonte ein anderer Zeuge, der als Fußgänger unmittelbar am Unfallort war, er habe eine Vollbremsung des voranrasenden Mercedes unmittelbar vor dem Zusammenprall wahrgenommen. Gefragt nach der eingeschätzten Geschwindigkeit der Fahrzeuge, sagte der 34-Jährige im Gerichtssaal: „Man könnte es auch Fliegen nennen.“

Nach dem Zusammenprall, bei dem das Auto der Frauen „plötzlich nicht mehr da war“, riefen eine junge Frau und ein Fahrer aus dem zweiten Mercedes auf türkisch nach ihrem Bruder, rannten zu dem vorderen Mercedes und halfen dem Fahrer heraus. Der Zeuge fuhr fort: „Der Dickere lief dann zu dem Auto der Mädels, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rief auf türkisch, ‚die sind gestorben’.“

Zeugin unter Schock

Das bestätigte auch ein junger Mann, der als einer der ersten an der Unfallstelle erste Hilfe leisten wollte: „Ich habe versucht, mit der Beifahrerin zu reden, berührte ihr Gesicht, dass sie bei mir bleibt, aber es gelang nicht. Von der Fahrerin kam gar nichts mehr.“ Der 20-Jährige erinnerte sich, dass die beiden Mercedes mit Vollgas von einer Ampel vor ihm losfuhren. Er sah noch das ABS aufleuchten und das Auto schlingern, bevor es mit dem Wagen der jungen Frauen zusammenprallte.

Von einem Bremsvorgang will eine Autofahrerin, die kurz vor dem Unfall von den beiden Mercedes überholt wurde, dagegen nichts bemerkt haben: „Das vordere Auto fuhr ungebremst in den Wagen der Frauen, das hintere fuhr weiter“, berichtete die 58-Jährige vor Gericht. Unter Schock sei sie zuhause angekommen und habe zu ihrer Tochter gesagt: „Nimm‘ mich mal in den Arm.“