Ludwigsburg
: Studenten-Oscar-Gewinner Tobias Eckerlin: „Animation ist grenzenlos“

Der Filmakademie-Absolvent über die Entstehung seines Kurzfilms „A Sparrow’s Song“ und die Vorteile, die Animationsfilme bieten.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Tobias Eckerlin mit dem dem Student Academy Award vor dem Filmposter seines animierten Kurzfilms „A Sparrow’s Song“.

/Oliver Bürkle

Es ist ein bisschen unglaublich, heute Abend hier zu sein“, sagte Tobias Eckerlin, als er vor rund eineinhalb Wochen in New York des Student Academy Award – umgangssprachlich auch Studenten-Oscar genannt – in Gold entgegennahm. So ganz verarbeitet hat er es immer noch nicht, wie er im Gespräch mit der BZ erzählt. „Es ist immer noch eine merkwürdige Situation – im positivsten Sinne.“

Der 32-Jährige hatte sein Diplomprojekt – den animierten Kurzfilm „A Sparrow’s Song“ – für die Preisverleihung eingereicht. Ein Mentor an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg hatte ihm vorgeschlagen, sein Glück zu versuchen. Eckerlin selbst hatte sich zunächst allerdings kaum Chancen ausgerechnet. Und das obwohl er schon früh gemerkt habe, dass „A Sparrow’s Song“ ein ganz besonderes Projekt werden könnte.

Basierend auf wahrer Geschichte

In dem rund neunminütigen Film geht es um die wahre Geschichte einer älteren Witwe, die während des Zweiten Weltkriegs durch die unerwartete Verbindung zu einem verletzten Spatzen neue Hoffnung schöpft. Gemeinsam verbreiten sie diese neu gewonnene Zuversicht weiter und schaffen es so, auch anderen Menschen in diesen schweren Zeiten etwas Trost zu spenden. Ausgangspunkt für die Geschichte war ursprünglich eine Illustration eines toten Vogels, sagt Eckerlin. „Ein sehr poetisches und melancholisches Bild.“ Seit 2017 hänge es an seinem Schreibtisch, doch die Geschichte, die sich dahinter verbarg, war dem jungen Regisseur zunächst unbekannt. Erst im Laufe seiner Recherche sei er auf das Tagebuch der Britin Clare Kipps und ihres Spatzen Clarence gestoßen, auf dem Illustration und Film basieren.

50 Helfer arbeiten am Projekt mit

Drei Jahre lang arbeiteten Eckerlin und bis zu 50 weitere Helfer fortan an dem Projekt. Zum Kernteam gehören neben dem Regisseur auch Lilli-Luisa Heckmann, Jiro Magracia, Vincent Maurer, Rebecca Liebelt und Elias Weber. Sein Studium an der Filmakademie verlängerte Eckerlin extra um ein Jahr, um den Film fertigstellen zu können.

Der Jung-Regisseur hat die Filmbranche dabei erst spät als Karriere für sich erkannt. Eigentlich studierte Eckerlin Kommunikationsdesign und war passionierter Fotograf. In seinem Leben hätten Filme zwar immer eine Rolle gespielt, doch erst später begann er, eigene zu drehen. Schon früh wurde ihm dabei klar, dass Realfilme ihn an der ein oder anderen Stelle beschränken: Sein erster Kurzfilm etwa sollte in einer postapokalyptischen Welt spielen – ohne ordentliches Budget kaum umzusetzen. In der Folge habe er sich mit Visuellen Effekten beschäftigt und kam so schließlich zur Animation.

Die langsame und durchdachte Arbeitsweise, die in diesem Medium gefragt sei, liege ihm gut, sagt er. Denn anders als in der Produktion eines Realfilms, wo alles sehr schnell gehe und regelmäßig Improvisation gefragt sei, werde in der Animation vorab jedes Detail durchgeplant. „Animation ist grenzenlos. Man kann alles damit machen“, sagt Eckerlin.

Die Nachricht, dass „A Sparrow’s Song“ es auf die Shortlist für die Studenten-Oscars geschafft hat, habe Eckerlin per Mail während einer Semesterabschlussfeier erhalten. Über seinen Sieg habe man ihn schließlich rund einen Monat vor der Zeremonie per Zoom-Call informiert.

Netzwerken in New York

Ob er den Preis, in Gold, Silber oder Bronze gewinnen würde, war dem gebürtigen Schwetzinger aber bis zuletzt unbekannt. In New York hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences für die Preisträger ein Rahmenprogramm gestaltet, über das Eckerlin allerdings nur wenig erzählen darf. So viel aber doch: Viele Netzwerkmöglichkeiten mit Menschen aus der Academy und der Filmbranche habe es gegeben, auch das renommierte New York Filmfestival habe man besucht.

Als Gewinner des Studenten-Oscars erfüllt „A Sparrow’s Song“ nun auch offiziell die Kriterien, um bei den 98. Oscars im kommenden März berücksichtigt zu werden. Das beobachte man aber ganz entspannt, sagt Eckerlin, schließlich seien noch viele andere gute Filme im Wettbewerb.

Wer nun aber neugierig geworden ist und den Kurzfilm gerne anschauen würde, muss sich noch gedulden. Auf Filmfestivals in Asien und Amerika war „A Sparrow’s Song“ zwar bereits zu sehen, auf seine Deutschlandpremiere wartet der Film hingegen noch. Bei den meisten Filmfestivals gelte die Regel, dass der Film vorher nicht öffentlich gezeigt werden darf, erklärt Eckerlin. Bis Februar hofft er zu wissen, ob sein Kurzfilm demnächst auch auf deutschen Filmfestivals zu sehen sein wird.

Auch in Zukunft will Eckerlin vorwiegend Animationsfilme realisieren. Sein nächstes Ziel sei die Inszenierung eines Langfilms. Ob das in Ludwigsburg möglich sei, müsse sich noch zeigen. „In Ludwigsburg und Stuttgart geht filmmäßig schon etwas. Aber Animation ist in Deutschland recht klein und oft als Kindermedium verschrien“, sagt er. „Ich habe Interesse daran, ernsthafte Stoffe umzusetzen und so auch den Wandel in den Köpfen ein Stück weit voranzubringen.“