Ludwigsburg: „Ocean’s Eleven“ in Ludwigsburg

Filmemacher Kevin Franz.
/Foto: Martin KalbKevin wird gerade aus der Haft entlassen, da plant er schon seinen nächsten Coup: Mit seinem Team aus Spezialisten will er wertvolle Dokumente aus dem Ludwigsburger Staatsarchiv stehlen. Klingt nach Fiktion? Ist es auch. Genauer gesagt die Handlung von „Ludwigsburg – Der Film“. Es ist der erste Spielfilm von Filmemacher Kevin Franz.
Die Idee dafür habe er schon lange mit sich herumgetragen, sagt er im Gespräch mit der BZ, vor rund zwei Jahren habe er schließlich angefangen, die Handlung zu schreiben. In den Monaten danach habe sich das Projekt langsam erst zu einem Film entwickelt. Wirklich realisiert habe er es aber erst am ersten Drehtag.
Inspiration habe er aus dem Film „Ocean’s Eleven“ gezogen, an den auch die Handlung angelehnt ist. „Das war immer einer meiner Lieblingsfilme“, sagt Franz. Das Handwerk des Filmemachens habe er sich im Wesentlichen selbst beigebracht, seine Grafikdesigner-Ausbildung habe sich zumindest bei der Nachbearbeitung ausgezahlt. Hin und wieder habe er sich mit Fragen aber auch an Bekannte von der Filmakademie gewandt.
Eigene Perspektive auf die Stadt
Aufgewachsen ist Kevin Franz in Asperg. Sein Großvater habe im Blühenden Barock gearbeitet. „Ludwigsburg war als Jugendlicher für mich die große, weite Welt. Viel von meiner eigenen Geschichte ist dort passiert.“ Deshalb habe er die Stadt auch so prominent in das Drehbuch und den fertigen Film eingebaut. „Ich wollte keinen klassischen Touristenfilm drehen, sondern meine eigene Perspektive auf die Stadt zeigen. Straßen, in denen ich selbst gerne unterwegs war.“
Das Staatsarchiv habe er vor allem deshalb ausgewählt, weil nicht jeder einfach so hinter dessen Kulissen blicken könne. Die Gespräche mit dem ehemaligen Leiter Dr. Peter Müller seien sehr angenehm gewesen, berichtet der 32-Jährige. Dort habe man durch die Filmakademie bereits Erfahrung mit Filmdrehs, das habe geholfen.
Von einer Hochglanzproduktion kann bei „Ludwigsburg – Der Film“ nicht die Rede sein. Mit bescheidenen Mitteln – unter anderem dem Mobiltelefon anstelle einer Filmkamera – wurde gedreht. „Was einem an Equipment fehlt, muss man mit zusätzlicher Arbeit wettmachen“, sagt Franz. Die zweiwöchigen Dreharbeiten im April und Mai dieses Jahres seien dabei durchaus straff bemessen gewesen. Eine Lehre für künftige Projekte sei demnach, sich noch besser vorzubereiten, um auch auf unvorhergesehene Umstände, wie etwa Wetterumschwünge, flexibel reagieren zu können.
Ausverkaufte Premiere
Die Bandbreite der Schauspieler in „Ludwigsburg – Der Film“ reicht vom Laiendarsteller bis hin zu semiprofessionellen Theaterschauspielern, sagt Franz. Ludwigsburg sei eine dankbare Stadt für Theater, Schauspiel und Film, weil viele Menschen ohnehin in diesem Kosmos unterwegs seien.
Ende September feierte der Film Premiere mit zwei ausverkauften Vorstellungen im Central Theater. „Da werde ich mich mein Leben lang dran zurückerinnern“, sagt Kevin Franz. Die Resonanz sei positiv gewesen. „Ich hatte das Gefühl, dass die Arbeit, die in den Film geflossen ist, auch gesehen wurde.“ Bis mindestens November sind noch zwei Vorstellungen pro Monat geplant, alles darüber hinaus hänge von den Besucherzahlen ab. Dabei sei alleine der Gedanke, die Produktionskosten wieder einzuspielen, anfangs völlig unrealistisch gewesen, sagt Franz. Sein persönliches Ziel sei darüber hinaus, den Film im kommenden Jahr in der Karlskaserne beim Open-Air-Kino zu zeigen. Und auch bei dem ein oder anderen Filmfestival will er „Ludwigsburg – Der Film“ einreichen. Aktuell arbeitet Kevin Franz zudem bereits an seinem nächsten Projekt – einem Anime, dessen Setting durchaus Ähnlichkeiten zu Ludwigsburg aufweisen soll.
Der Filmemacher empfiehlt: „Wenn man das Gefühl hat, das schlummert in einem: Einfach mal machen.“ Er sehe die Stadt Ludwigsburg inzwischen noch einmal mit ganz anderen Augen. Yannik Schuster
