Ludwigsburg
: Neuer Polizei-Chef nimmt die Arbeit auf

Carsten Höfler übernimmt das angeschlagene Polizeipräsidium Ludwigsburg. Der Interimschef will unvoreingenommen zuhören, Erkenntnisse gewinnen und nichts unter den Teppich kehren.
Von
Emanuel Hege
Ludwigsburg
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Carsten Höfler geht seine Arbeit im Polizeipräsidium Ludwigsburg laut eigener Aussage ohne Vorverurteilungen an.

/Emanuel Hege
  • Carsten Höfler führt das Polizeipräsidium Ludwigsburg interimistisch bis zu sechs Wochen.
  • Auftrag: unvoreingenommen Ursachen der Führungskrise klären und Empfehlungen erarbeiten.
  • Er spricht getrennt mit Führungskräften und Streifenpolizisten, um Probleme zu verstehen.
  • Druck durch Öffentlichkeit, Gewalt und Kennzahlen thematisiert – nichts soll unter Teppich fallen.
  • Kein Interesse am Präsidentenamt in Ludwigsburg, Rückkehr als Landespolizeidirektor ist geplant.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Das neue Büro im Polizeipräsidium ist karg eingerichtet. Ein PC, eine Ablage für Posteingang und Postausgang – mehr gibt es nicht. Keine Akten in den Schränken, keine Bilder an den Wänden. „Ich werde auch keine aufhängen“, stellt Carsten Höfler gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Denn viel Zeit, sich hier einzurichten, hat er ohnehin nicht. Höchstens sechs Wochen werde er an der Spitze des Polizeipräsidiums Ludwigsburg stehen.

Sein Auftrag ist laut eigener Aussage klar: unvoreingenommen herausfinden, was in der Behörde schiefgelaufen ist, und dem nächsten Polizeipräsidenten diese Erkenntnisse an die Hand geben, um die Zusammenarbeit wieder zu stärken. „Ich komme nicht mit fertigen Antworten. Aber ich werde nach sechs Wochen nicht ohne Antworten wieder gehen.“

Auftrag vom Innenminister

Höfler ist eigentlich Landespolizeidirektor. Im Landespolizeipräsidium leitet er das Referat Einsatz, Lagezentrum und Verkehr. Die Führungsaufgabe in Ludwigsburg übernimmt er zusätzlich. Höfler lebt in Ditzingen, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Innenminister Manuel Hagel persönlich hat ihm den Auftrag übertragen, in dem in eine Führungskrise geratenen Polizeipräsidium für Stabilität zu sorgen und den Übergang zu einem neuen Polizeipräsidenten vorzubereiten. Dieser soll in den kommenden Wochen ernannt werden.

Seit dieser Woche steht Carsten Höfler an der Spitze des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Beim Pressegespräch an seinem dritten Tag im Amt macht er deutlich, wie er die knappe Zeit nutzen will: mit vielen Gesprächen, mit Führungskräften ebenso wie mit Streifenpolizisten – bewusst getrennt voneinander. Er will verstehen, zuhören und ein Gefühl dafür bekommen, wo die Probleme liegen. „Mein eigener Anspruch ist es, am Ende konkrete Empfehlungen weiterzugeben.“

Beschäftigte mitnehmen

Gute Führung bedeutet für Höfler mehr, als Ziele vorzugeben. Man müsse den rund 1800 Beschäftigten des Präsidiums auch erklären, wie diese Ziele erreicht werden sollen. „Es geht darum, dass jeder die Schwerpunkte und Ziele versteht und man sich als Team dahinter versammelt.“

Ob diese Kommunikation und das gemeinsame Verständnis in den vergangenen Monaten und Jahren an der Spitze des Präsidiums zu kurz gekommen ist? Auf diese Frage legt sich Höfler nicht fest. „Genau davon möchte ich mir mein eigenes Bild machen und meine Schlussfolgerungen ziehen.“ Diese Haltung beansprucht Höfler auch im Umgang mit der in die Kritik geratenen Interimspräsidentin Silke Kübler und ihrem Stellvertreter Erwin Grosser. „Ich komme nicht als Aufräumer oder Chefermittler. Ob es etwas aufzuarbeiten gibt, muss sich noch rausstellen.“ Er werde auf niemanden mit dem Finger zeigen – aber, wenn er Erkenntnisse gewinne, auch nichts unter den Teppich kehren.

Zugleich wirbt Höfler um Verständnis für die Belastungen, denen sich die Polizei gegenübersieht. Die Polizeiarbeit sei in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Dazu gehöre auch der ständige Blick der Öffentlichkeit: Mit Smartphones filmten Bürger Einsätze, machten das Handeln der Beamten öffentlich und zeigten Situationen mitunter aus dem Zusammenhang gerissen. Hinzu komme das Thema Gewalt gegen Beamte im Einsatz. All das belaste die Beschäftigten und stelle hohe Anforderungen an die Führung, so Höfler.

Auch die Rolle von Statistiken und Kennzahlen spricht Höfler an. Einige Polizisten werten die angeblich steigende Fokussierung auf Statistiken und die damit verbundenen Bewertungen als großen Druck. Höfler betont dagegen den eigentlichen Zweck: „Wir arbeiten nicht nur um der Statistik willen.“ Zahlen sollten helfen, Auffälligkeiten zu erkennen und daraus Konsequenzen für eine bessere Polizeiarbeit zu ziehen. Ob und in welchem Umfang mit Kennzahlen übermäßiger Druck auf die Beschäftigten in Ludwigsburg ausgeübt wurde, will er nun herausfinden.

Schauen, was gut funktioniert

Carsten Höfler ist es offensichtlich ein Anliegen, sich demonstrativ vor die rund 1800 Kolleginnen und Kollegen zu stellen: „Dieses Präsidium ist weit mehr als die Führungskrise.“ Er wolle deshalb nicht nur untersuchen, was schiefgelaufen sei, sondern ebenso herausfinden, was gut funktioniere. Auch an die Bürger richtet er eine Botschaft: Die internen Probleme und der möglicherweise entstandene Druck auf die Beschäftigten wirken sich seiner Ansicht nach nicht auf die Polizeiarbeit auf der Straße aus.

Am Ende bezog Höfler dann auch noch Stellung zur Frage, die sich vermutlich viele Präsidiumsmitarbeiter stellen: Nein, er habe keine Ambitionen, selbst Polizeipräsident in Ludwigsburg zu werden. Höfler wird auf jeden Fall zu seinem Job als Landespolizeidirektor zurückkehren.