Ludwigsburg/Markgröningen: Lösung für Stadtbahn zeichnet sich ab

Die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen wird konkreter – die Stadtbahn scheint noch eine Zukunft zu haben.
/Martin KalbEs ging um technische Fragen, Kosten, die verflixte Bahnhofseinfahrt und Ausgleichszahlungen – erst wurde die Stadtbahn durch das Ludwigsburger Stadtgebiet gestrichen, dann drohte auch noch die Reaktivierung der Gleise zwischen Ludwigsburg und Markgröningen zu scheitern. Auf einer Konferenz in der vergangenen Woche hat sich nun aber eine Lösung für das Projekt abgezeichnet.
Laut einer neuen Studie der Deutschen Bahn könnte künftig eine Bahn im Halbstundentakt von Markgröningen über Möglingen zum Ludwigsburger Bahnhof pendeln und dort auf Gleis 5 einfahren – mitsamt barrierefreiem Ein- und Ausstieg. Als Zug ist eine akkubetriebene Bahn nach dem Vorbild der Hermann-Hesse-Bahn vorgesehen. Diese Variante hat gleich mehrere Vorteile.
Mehrere Vorteile
Durch den Halbstundentakt wäre auf der reaktivierten Strecke weniger los. Auf einen geplanten Ausbau von einem auf zwei Gleise könnte deshalb weitgehend verzichtet werden. Das bedeutet wiederum: Weniger Fläche würde versiegelt werden. Das dürfte besonders die Bewohner der Ludwigsburger Weststadt freuen – im Naturpark West könnten weniger Bäume fallen als befürchtet.
Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Der Zweckverband hätte deutlich weniger Aufwand beim Grunderwerb. Viele aufwendige Verhandlungen mit Grundstückseigentümern entlang der geplanten zweiten Gleistrasse könnten entfallen.
Die Umstellung auf Züge vom Typ Siemens Mireo, wie sie auch auf der Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Renningen zum Einsatz kommen, und eine mögliche Einigung auf die Einfahrt in Ludwigsburg über Gleis 5 bringen weitere Erleichterungen.
Zum einen sollen die Züge mit Elektroakkus fahren und benötigen damit keine Oberleitung. Die Arbeiten und Kosten für deren Installation würden vollständig entfallen. Nach Informationen dieser Zeitung ließen sich allein dadurch rund 20 Millionen Euro bei der Realisierung einsparen.
Zum anderen könnte der Zweckverband mit der Einigung auf den Halbstundentakt den geplanten Neubau eines Bahnsteigs am Westausgang des Bahnhofs aufgeben. Die Bahn müsste dann nicht im Ludwigsburger Westen von der reaktivierten Strecke ausfädeln und über die Schlachthof- und Pflugfelder Straße bis vor die MHP Arena fahren. Es handelt sich um ein aufwendiges Vorhaben, das die Stadt Ludwigsburg nie wollte.
Nicht zu unterschätzen ist auch ein weiterer Vorteil: Der Kompromiss erfordert den geringsten Bauaufwand und hat offenbar die besten Chancen, eine Mehrheit in den zuständigen Gremien zu finden.
Positive Signale
Aus Markgröningen signalisiert Bürgermeister Jens Hübner Unterstützung. Er und der Gemeinderat stünden hinter der geplanten Einfahrt in den Ludwigsburger Bahnhof. Denn jetzt gehe es in erster Linie darum, das Projekt in die Umsetzung zu bringen. Ähnliches ist aus dem Ludwigsburger Rathaus zu hören. Der Viertelstundentakt wäre zwar die bessere Lösung, doch der dafür nötige Aufwand und die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, heißt es von mehreren Seiten.
Aus Möglingen will man sich Zeit für die Entscheidung nehmen. Noch dringt nicht nach außen, ob der Halbstundentakt mit der akkubetriebenen Bahn eine Mehrheit findet. Denn erst im Juni hatte sich der Möglinger Gemeinderat mit einem Beschluss dafür ausgesprochen, am 15-Minuten-Takt festzuhalten.
Gegen die beschriebene Variante sprechen im Wesentlichen drei Punkte. Erstens müsste der ursprünglich angestrebte 15-Minuten-Takt aufgegeben werden. Zweitens müsste man sich eingestehen, dass es sich nicht mehr um eine Stadtbahn im eigentlichen Sinne handelt, sondern um eine Vollbahn, vergleichbar mit einem Metropolexpress (MEX). Das bedeutet auch, dass – selbst wenn größtenteils nur ein Gleis verlegt wird – ein Vollbahn-Gleis breiter ist als ein Stadtbahn-Gleis.
Drittens scheint derzeit noch unklar, wie reibungslos die Ein- und Ausfahrt in den Ludwigsburger Bahnhof funktionieren würde. Verspätungen der Deutschen Bahn könnten sich unmittelbar auf den Betrieb der Stadtbahn auswirken.
Noch ein langer Weg
In den kommenden Monaten stehen wichtige Beschlüsse in den Gemeinderäten und im Kreistag an. Der Zweckverband und das Landratsamt betonen, dass weiterhin alle Varianten auf dem Tisch liegen. Bis März sollen sich die Gemeinderäte beraten.
In Remseck, Schwieberdingen und Pattonville wird darüber entschieden, ob man das Angebot einer Ausgleichszahlung der Stadt Ludwigsburg annimmt. Diese ist bereit, 75 Prozent der bereits investierten Summe für die Stadtbahn auszugleichen. Damit könnten diese Kommunen, die faktisch nicht mehr von der Bahn profitieren, auch aus dem Zweckverband ausscheiden.
In Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg steht währenddessen die Entscheidung an, ob sie den Zweckverband Stadtbahn gemeinsam mit dem Landratsamt weiterführen und sich hinter das neue Ziel stellen: eine Bahn zwischen Markgröningen und Ludwigsburg im Halbstundentakt.
