Ludwigsburg: Knallender Glanzpunkt der Festspielsaison

Das Konzert im Innenhof des Schlosses wurde mit dem Feuerwerk nebenan verbunden.
Schlossfestspiele/Esther JanieschEin Open-Air-Konzert bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen verbindet der Fan der jüngeren Vergangenheit unweigerlich mit dem Monrepos: Garniert mit dem Feuerwerk zum Konzertfinale ist das Open-Air-Konzert am Seeschloss nicht wegzudenken und für viele Besucher das unverzichtbare Highlight der Saison. Ein zweites Konzert unter freiem Himmel (und das auch noch mit Feuerwerk) hat es in den Intendanzen von Jochen Sandig und Thomas Wördehoff nicht gegeben – eine Innovation des neuen Festspiel-Chefs Lucas Reuter. Unfreiwillig mutierte die „Spanische Nacht“ am Samstagabend damit zum heimlichen Glanzpunkt der Saison, da das Feuerwerk am Monrepos dieses Jahr ausfallen muss und das Format für die Zukunft grundsätzlich infrage steht (die BZ berichtete).
Bombastisch und mitreißend
Die Idee, das Konzert im Hof des Residenzschlosses auszutragen und mit dem Musikfeuerwerk nebenan zu verbinden, wurde vom Publikum begeistert aufgenommen: Die Kombi-Veranstaltung war ausverkauft. Restkarten fürs Konzert sowie Eintrittskarten nur für das Feuerwerk aber ließen sich auch spontan noch ergattern. Hintergrund: 2000 Besucherinnen und Besucher, die sowohl das Konzert als auch das Feuerwerk miterleben wollten, markierten aus Sicherheitsgründen die Kapazitätsgrenze, wie Schlossfestspiel-Pressesprecherin Christine Diller erklärte. Knackpunkt ist das Nadelöhr zwischen Schlosshof und Blühendem Barock, das die Kombi-Besucher passieren müssen.
Doch zunächst einmal galt die Aufmerksamkeit dem Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Lina González-Granados. Mit Bizet, Ravel und Saint-Saëns standen französische Komponisten auf dem Programm, die das Gefühl „spanischer“ Musik aber bestens beherrschten. Insbesondere die Suite aus Bizets Oper „Carmen“ ist geradezu ein Kracher und schien wie gemacht für die Open-Air-Bühne. Dazu passten Ravels Konzertrhapsodie „Tzigane“ und Saint-Saëns‘ „Introduction et rondo capriccioso“ hervorragend – Leticia Moreno als Violin-Solistin erhielt großen Applaus für ihre glanzvolle Leistung.
Nach der langen Pause folgte nach zwei kürzeren Stücken das spanische Hauptwerk des Abends, Manuel de Fallas „Der Dreispitz“: eine rauschende Suite mit bombastischer Schlusssteigerung, die die Dirigentin mitreißend in Szene setzte. Als Zugabe gab’s fürs Publikum den finalen Tanz „Malambo“ aus der Ballettmusik „Estancia“ des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera und für die Musiker Standing Ovations. Nebenan im Blühenden Barock tummelten sich derweil seit 18 Uhr Tausende Schaulustige, die nur für das Musikfeuerwerk gekommen waren.
Wobei: Was heißt nur? In den zurückliegenden drei Jahrzehnten, in denen die Bielefelder Firma FlashArt das Musikfeuerwerk im Blühenden Barock ausrichtet, hat sich die Pyroshow zu einem abendfüllenden Event entwickelt inklusive musikalischer Unterhaltung als Vorprogramm auf der Bühne, umgeben von zahlreichen Ständen, die Speisen und Getränke anboten – eine friedliche Feiermeile.
Bombastisch und mitreißend
Gegen 22.30 Uhr war es dann Zeit für das knapp 20-minütige Spektakel. Doch bevor die ersten Raketen gen Himmel schossen, gedachten die Anwesenden dem Erfinder des Musikfeuerwerks, Markus Katterle, der vor rund drei Wochen unerwartet verstarb. So entzündeten sie mit ihren Smartphones ein leuchtendes Lichter-Meer der Erinnerung.
Das gewaltige Finale des Abends war wieder einmal eine beeindruckende Show der Pyrotechnik, fein abgestimmt auf die Musik aus den Lautsprechern. Passend zum Schlossfestspiel-Konzert donnerten die Raketen zu instrumentalen Klängen aus Georges Bizets Oper „Carmen“ in den Himmel. Dabei bewiesen die Profis von FlashArt feines Gespür für die Rhythmen und die Dramaturgie der Musik.
Zukunft des Events offen
Sah die aktuelle Festspielsaison gleich zwei Open-Air-Konzerte vor, steht in den Sternen, ob es kommendes Jahr überhaupt eines geben wird. Doch sein großes Interesse an diesem Format machte das Publikum am Samstagabend sehr deutlich. Und vielleicht wurde mit der Kombination aus Konzert im Schlosshof und Feuerwerk im Blühendem Barock ja ein Weg gefunden, wie die Fans in Ludwigsburg auch in Zukunft nicht auf die Mischung aus Open-Air-Konzert und Pyroshow verzichten müssen. Sandra Bildmann