Ludwigsburg
: Keine Straßenbahn für die Barockstadt

Die Stadtverwaltung spricht sich in einer Beschlussvorlage einzig für die Trasse von Markgröningen bis zum Bahnhof aus. Scharfe Kritik kommt aus dem Landratsamt.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Selten war die Zukunft der Stadtbahn „Lucie“ so unsicher: Die Stadt Ludwigsburg will nur noch eine Reaktivierung der Bahngleise zwischen Markgröningen und dem Bahnhof der Barockstadt, alle anderen Trassen sollen nicht weiterverfolgt werden.

Zweckverband Lucie Stadtbahn/Ingo Rack

Dass die Zukunft der Stadtbahn „Lucie“ ungewiss ist, war seit längerem klar, war die Kritik an dem Vorhaben doch immer lauter geworden. Eine Beschlussvorlage der Ludwigsburger Stadtverwaltung für den Gemeinderat, über die dieser in den kommenden Wochen diskutieren soll, entfacht nun erneut eine hitzige Debatte.

Worum geht es? Nach Ansicht der Stadt Ludwigsburg sollen die Planungen für sämtliche Trassen durch das Ludwigsburger Stadtgebiet ausgesetzt und durch einen Ausbau der Busverbindungen ersetzt werden. Die Mitgliedschaft im Zweckverband Stadtbahn könne man nicht einseitig kündigen, räumt die Stadt ein, deshalb wolle man die Anpassung der Beschlüsse und Vereinbarungen erreichen. Einzig zu der Reaktivierung der Trasse von Markgröningen bis nach Ludwigsburg bekennt sich die Stadt weiterhin. In diesem Zusammenhang soll die Stadtbahn auch weiter direkt in den Bahnhof einfahren und dabei im 30-Minuten-Takt verkehren. Ein Verlassen der Bahngleise über die Schlachthofstraße, wie zuletzt diskutiert, solle nur dann in Betracht gezogen werden, wenn sich eine Einfahrt in den Bahnhof nicht umsetzen lasse.

Busverbindungen sollen den ÖPNV in der Stadt stärken

Eine Expressbusverbindung soll den Bahnhof künftig mit Pattonville verbinden, zudem spricht man sich für eine Verlängerung der SSB-Linie von Aldingen bis nach Pattonville aus. Auch innovative Technologien sieht die Beschlussvorlage vor: So sollen autonome Bus-Shuttles eingeführt werden, die den Bahnhof Ludwigsburg mit der Innenstadt und dem Blühenden Barock verbinden. „Die Stadt Ludwigsburg fordert den Zweckverband Stadtbahn dazu auf, ab sofort nur noch die nach dieser Beschlusslage notwendigen Maßnahmen zu veranlassen und alle anderen Maßnahmen unverzüglich ruhen zu lassen oder einzustellen“, heißt es in der Vorlage direkt.

Die Stadt übernimmt damit die Position des Innenstadtvereins Luis, der sich bereits seit einigen Monaten gegen eine Stadtbahntrasse durch die Ludwigsburger Innenstadt ausspricht. „Die finanzielle Belastung für die Stadt Ludwigsburg in Verbindung mit einer konfliktbeladenen Trassenführung ist in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht vermittelbar“, sagt Citymanager Markus Fischer in einer aktuellen Pressemittelung. Auf wenig Verständnis stößt der Vorschlag der Stadt Ludwigsburg hingegen bei Landrat Dietmar Allgaier: „Das gesamte Stadtbahnnetz von Schwieberdingen bis nach Pattonville mit seinen Verästelungen in die Ludwigsburger Innenstadt ist das Ergebnis langer und einvernehmlicher Diskussionen zwischen Landkreis und den Zweckverbandskommunen. Damit sollte eine leistungsfähige und bisher fehlende Ost-West-Verbindung in einem dicht besiedelten Ballungsraum geschaffen werden. Die Verwaltung der Stadt Ludwigsburg schlägt in ihrer aktuellen Vorlage eine Reihe von Maßnahmen vor, die zum Ziel haben, das bisherige in sich geschlossene und dadurch verkehrlich besonders wirksame Stadtbahnsystem aufzusplitten.“

Gefährdet die Ludwigsburger Absage das ganze Projekt?

„Wir werden die Diskussionen und die Entscheidung des Ludwigsburger Gemeinderats abwarten“, so der Landrat weiter. „Klar ist: Falls alle Punkte der Vorlage so beschlossen werden, wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen, wird in der Summe die verkehrliche Wirksamkeit des Systems nicht mehr in dem Maß gegeben sein, wie dies nach aktueller Beschlusslage der Fall ist.“ Mit dem geplanten Expressbus entstehe demnach eine „massiver Bruch im Streckennetz“. Im schlimmsten Fall könne dies zu einer Gefahr für das gesamte Projekt werden: „Das gefährdet den volkswirtschaftlichen Nutzen und auch ganz erheblich die Förderungen von Bund und Land für das Infrastrukturprojekt“, macht Allgaier deutlich.

Mandatsträgerforum findet keinen Eingang in die Vorlage

Der Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn, Michaell Ilk, ergänzt: „Mit ihrem Vorschlag dokumentiert die Stadt Ludwigsburg ihre Absicht, nach vielen Jahren den mit Landratsamt und Nachbarkommunen eingeschlagenen gemeinsamen Weg hin zu einer ballungsraumgerechten Mobilität zu verlassen.“ Auch kritisiert Ilk, dass die Ergebnisse und Analysen, die am vergangenen Samstag beim Mandatsträgerforum genannt worden seien (die BZ berichtete), keinen Eingang in die Beschlussvorlage gefunden habe. „So bleibt beispielsweise unerwähnt, dass bei einer Einfahrt in den Bahnhof mit rund 5200 Fahrgästen am Tag zu rechnen ist, bei einem Halt am Westausgang erhöht sich diese Zahl auf knapp 8000.“

In der Beschlussvorlage der Stadt heißt es weiter, dass man eine alternative Trassenführung über die Friedrichstraße geprüft habe, die Auswirkungen auf den Verkehr nach jetzigem Kentnissstand jedoch zu massiv seien. Ilk zeigt sich davon überrascht, sei man doch gerade erst dabei, die verkehrlichen Auswirkungen zu berechnen. „Ergebnisse gibt es aktuell noch nicht, die Aussage der Stadt beruht daher auf Vermutungen.“

Ein autonomer Shuttle-Bus, wie von der Stadt für die Innenstadtverbindungen gefordert, sei nach Ilks Kenntnis weder rechtlich zulässig noch technisch reif. „Bis ein Betrieb auf einer so belebten Straße wir der Myliusstraße möglich ist, werden noch sehr viele Jahre ins Land gehen und auch dann stellt sich die Frage der Kapazitäten: Busshuttles im Fünfminutentakt tragen nicht dazu bei, die jetzt schon verkehrlich an ihre Grenzen gekommene Myliusstraße oder Wilhelmstraße zu entlasten, es wird gar noch mehr Verkehr produziert. Eine Stadtbahn wäre auch hier das deutlich geeignetere Verkehrsmittel“, sagt Ilk.