Ludwigsburg: Initiative „Depo-Nie“ gegründet

Mit den Deponien am Froschgraben in Schwieberdingen (im Bild) und Burghof in Horrheim gibt es im Kreis bereits zwei Entsorgungsstellen.
/Martin KalbSind wir ,Wutbürger‘ und zu früh dran? Das glaube ich nicht.“ Davon ist Jürgen Vater, der für die CDU im Stadtteilausschuss Ludwigsburg-Poppenweiler sitzt, überzeugt, seit vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass ein Standort im Bereich Poppenweiler/Neckarweihingen in der Auswahl für eine neue Erddeponie für die Region Stuttgart ist. Und dass die Ergebnisse des betreffenden Gutachtens bereits seit Februar bekannt sind, das aber nie an die betroffenen Kommunen kommuniziert wurde.
Mit weiteren Initiatoren hat Jürgen Vater daher die Gründung einer Bürgerinitiative auf den Weg gebracht. Ihr Name: Depo-Nie. Denn obwohl die Überlegungen, wohin die neue Deponie kommt, noch am Anfang stehen und mit einer Entscheidung vor 2028 nicht gerechnet wird, wollen die Initiatoren möglichst frühzeitig Kräfte bündeln, um sich gegen die Wahl dieses Standorts zu positionieren und für einen besseren Informationsfluss einzusetzen. Denn wie bisher in dem Verfahren mit der Öffentlichkeit umgegangen wurde, spottet aus Sicht der Betroffenen jeder Beschreibung.
40 Personen bei Gründung
Dass die Initiatoren mit diesen Ansichten nicht alleine sind, zeigte die Gründungsveranstaltung am Montag sehr deutlich. Um die 40 Personen waren der Einladung gefolgt, um die Ziele der BI zu unterstützen oder sich selbst aktiv zu beteiligen. Unter den Unterstützern waren auch mehrere Stadt- und Ortschaftsräte der betroffenen Städte Marbach und Ludwigsburg sowie die Bürgermeister oder deren Vertreter. Das Fazit im Zuhörerraum war eindeutig: Wie irgendjemand auf die Idee kommen konnte, Neckarweihingen wäre ein geeigneter Deponie-Standort, blieb den Anwesenden ein Rätsel.
Aus Sicht der BI gibt es an erster Stelle zwei Knackpunkte mit Blick auf den Standort Neckarweihingen. Einerseits müssten die Lastwagen irgendwie auf das Gelände kommen. „Es gibt hier aber keine geeignete Anbindung, keine Autobahn, keine Bundesstraße in der Nähe“, betonte Jürgen Vater. Egal, aus welcher Richtung kommend, würden die Zuwegungen alle durch umliegende Ortschaften führen.
Schon zwei Deponien im Kreis
Der zweite Knackpunkt: Der Kreis Ludwigsburg verfügt bereits über zwei Deponien, während andere Kreise in der Region keine einzige haben. „Unter den Kriterien, die bei der Standortsuche beachtet wurden, lese ich nichts von einem Solidaritätsprinzip oder von der Nähe zu bestehenden Deponien“, bemängelt Jürgen Vater. „Ludwigsburg nimmt schon lange den Müll aus der Region auf und ist bereits extrem belastet.“ Ausgerechnet in Poppenweiler befand sich noch bis in die späten 1980er die Mülldeponie am Lemberg. Die Fairness verlange es, dass auch mal andere an der Reihe sind.
Weitere Argumente der BI gegen eine Deponie betreffen unter anderem die Landwirtschaft – die vermutete Fläche bildet die Erwerbsgrundlage für neun Bauernhöfe – und die unmittelbare Nähe zu Wohnflächen sowie zu den Weinbergen. Inwiefern die erst vor einigen Monaten quer durch den Kreis verlegte Gastransportleitung eine Rolle spielen könnte, sei auch noch nicht geklärt.
BI nimmt die Arbeit auf
Die BI will nun umgehend ihre Arbeit aufnehmen und den Fokus am Anfang vor allem auf das Einholen und Weitergeben von gesicherten Informationen legen. Dabei sieht Jürgen Vater besonders den Regionalverband in der Pflicht. Die BI will sich dafür einsetzen, dass das Verfahren transparenter wird und es mehr niedrigschwellige Informations- und Beteiligungsangebote für die Bürger gibt. „Angeblich gab es bereits vor einem Jahr eine Bürgerbeteiligung zu dem Thema, aber davon wusste kein Mensch etwas.“ Gleichzeitig will man sich früh für den Fall der Fälle bereit machen, dass das Verfahren konkreter werden und Neckarweihingen in die engere Auswahl kommen könnte. Dafür wird eine breite Unterstützung in der Bevölkerung, zum Beispiel für eine Petition, gesucht.
An der Bürgerinitiative soll sich jeder Interessierte beteiligen dürfen, doch auch Nicht-Mitglieder können sich jederzeit für den Newsletter registrieren, über den die Informationen veröffentlicht werden. Weitere Informationen dazu finden sich auf der neu eingerichteten Homepage der BI.