Ludwigsburg: „Fundament für die Mobilität von morgen“

Beim Richtfest des Rohbaus für die neue Verkehrszentrale ging es mit Richtkranz und Richtspruch traditionell zu.
Autobahn GmbH//Sascha WaltherBeim Richtfest der neuen Verkehrszentrale zwischen Ludwigsburg, Asperg und Tamm wurde ordentlich geklotzt – zumindest mit großen Worten. „Das Nationalheiligtum Autobahn wird digitaler und moderner“, sagte Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH. „Hier entsteht das Fundament für die Mobilität von morgen.“ Bundesverkehrsminister Steffen Bilger legte nach: „Wir zeigen in Ludwigsburg, wie Zukunft geht.“ Die neue Zentrale werde dafür sorgen, dass Menschen und Güter in ganz Baden-Württemberg zuverlässiger ans Ziel kommen. Ganz schön dick aufgetragen. Doch was steckt tatsächlich hinter der neuen Verkehrszentrale? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
1. Was entsteht da und warum in Ludwigsburg und Asperg?
Die bisherige Verkehrszentrale sitzt auf dem Stuttgarter Pragsattel. Doch dort wird es eng. Zudem lassen sich laut den Verantwortlichen bestimmte digitale Anforderungen im bestehenden Gebäude nicht umsetzen. Die Autobahn GmbH suchte deshalb einen Standort für einen Neubau – und wurde auf dem eigenen Gelände der Autobahnmeisterei Ludwigsburg auf Asperger Gemarkung fündig.
Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger betont die Bedeutung des Standorts für die Region: „Es ist enorm wichtig, dass der Verkehr in unserer Region fließt. Und es ist toll, dass er von hier aus gesteuert wird.“ Der Standort eigne sich auch wegen der Nachbarschaft zum Verkehrsübungsplatz und zur Kreisverkehrswacht Ludwigsburg. Das neue Katastrophenschutzzentrum soll zudem nur rund 400 Meter Luftlinie entfernt gebaut werden.
2. Was passiert in einer Verkehrszentrale?
Autofahrer wundern sich manchmal, warum auf einer digitalen Anzeigetafel Tempo 80 vorgeschrieben wird, obwohl der Verkehr vor Ort flüssig läuft. An diesem Beispiel erklärt Steffen Bilger die Arbeit einer Verkehrszentrale: „Die Autofahrer sehen nur wenige Hundert Meter weit, die Mitarbeiter der Zentrale überblicken aber den gesamten Verkehr und können entsprechend Einfluss auf den Verkehr nehmen.“
Echtzeitdaten von Detektoren, Sensoren und Kameras liefern Informationen darüber, wie viele Autos unterwegs sind, wie schnell sie fahren und wo sich Staus anbahnen, bevor sie überhaupt entstehen. Je nach Verkehrslage können die Mitarbeiter der Zentrale eingreifen – etwa über digitale Anzeigetafeln, Gefahrenhinweise und Verkehrsmeldungen. Oder indem ein zusätzlicher Fahrstreifen freigegeben wird. Neu ist das alles nicht, besonders auf der A 81 im Kreis Ludwigsburg – doch das ganze System soll sich durch den Neubau weiterentwickeln.
Bilger sieht es als Aufgabe des Verkehrsministeriums, mithilfe des Sondervermögens in die Autobahnen zu investieren, aber auch die vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen. Genau daran arbeitet die Autobahn GmbH mit ihren Verkehrszentralen: Sie will die Verkehrssteuerung weiter digitalisieren und verbessern.
Eines von neun solchen „Herzstücken“, wie Dirk Brandenburger die Zentralen nennt, entsteht an der Auffahrt Ludwigsburg-Nord. Von dort aus soll darauf hingewirkt werden, dass der Autobahnverkehr in ganz Baden-Württemberg flüssiger läuft.
3. Was hat das Ganze mit dem Klimaschutz zu tun?
Für Steffen Bilger stehen die Ziele der Verkehrszentrale fest: Sie soll für mehr Sicherheit auf den Autobahnen sorgen, den Verkehrsfluss verbessern – was auch dem Wirtschaftsstandort zugutekommt – und eine klimafreundlichere Mobilität ermöglichen. Auf den Klimaschutzaspekt legt der Verkehrsminister auf Nachfrage besonderen Wert. Denn weniger Stop-and-go und ein gleichmäßigeres Tempo können dazu beitragen, Kraftstoffverbrauch und Emissionen zu senken.
Warum investiert man für den Klimaschutz dann nicht stärker in den öffentlichen Nahverkehr und die Bahn? Dafür stünden aktuell ausreichend Mittel aus dem Sondervermögen zur Verfügung, sagt Bilger. Der größte Teil der Gelder für die Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur fließe in die Schiene. Die Autobahnen dürfe man deshalb aber nicht vernachlässigen. Auch dort gelte es, Emissionen zu verringern, wo es möglich ist.
4. Wie geht es jetzt weiter?
Bislang steht nur der Rohbau der neuen Verkehrszentrale Südwest. Die Bauarbeiten für das 24 Millionen Euro teure Projekt sollen noch bis Ende 2027 dauern. Anschließend werden rund 76 Arbeitsplätze vom Stuttgarter Pragsattel nach Ludwigsburg verlegt. Dann, so die Einschätzung von Steffen Bilger und Dirk Brandenburger, schlägt das Herz der Autobahnen in Baden-Württemberg auf dem Gelände der Autobahnmeisterei Ludwigsburg.
Staus wird die hochmoderne Zentrale zwar nicht vollständig verhindern können. Sie soll aber dazu beitragen, die Verkehrsbelastung spürbar zu verringern.
