Ludwigsburg: Ein Fest für Filmmusik-Freunde

Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und das Royal Philharmonic Orchestra aus London präsentierten einen John-Williams-Abend im Innenhof des Schlosses.
Ludwigsburger Schlossfestspiele/Esther JanieschWas für ein wunderbarer Abend im Innenhof des Residenzschlosses, der den Festspiel-Besucherinnen und -Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte. Die Akteure der Open Air-Veranstaltung, die unvergleichliche Anne-Sophie Mutter und ihr kongenialer Partner, das 85-köpfige Royal Philharmonic Orchestra (RPO) unter der Leitung der charismatischen kolumbianisch-amerikanischen Dirigentin Lina Gonzáles-Granados, die barocke Szenerie und das herrlich-leichte Sommergefühl bilden einen harmonischen Dreiklang.
Das Programm beginnt mit der fanfarenhaften Miniatur „Sound The Bells“, die John Williams für die Hochzeitszeremonie des japanischen Königspaars im Jahr 1993 komponiert hat. Die Übertragungstechnik über zahllose Mikrofone und Lautsprechertürme ist viel besser als früher. Der Klang begegnet dem Publikum zwar laut, aber dennoch recht natürlich, und er trägt bis hin zur letzten Sitzreihe.
Einblick in klassisches Schaffen
Williams und Mutter haben die Programmfolge „Across The Stars“ gemeinsam konzipiert. Sie sollte nicht nur die Filmmusik-Ohrwürmer, mit denen der Hollywood-Komponist Weltruhm erlangt hat, beinhalten, sondern auch einen Einblick in dessen klassisches Schaffen, das deutlich weniger bekannt ist, geben. Sein viersätziges Violinkonzert Nr. 2 hat der 1932 in New York geborene Williams seiner „Muse“ Anne-Sophie Mutter gewidmet, mit der er seit Jahren musikalisch und menschlich eng verbunden ist.
Es beginnt sphärisch, und mit einem Mal ist er da: der magische Mutter-Ton, betörend weich und dennoch scheinbar bis ans Ende der Welt tragend. Zum einen ist dies der wunderbaren Stradivari zu danken, zum anderen dem stupenden Können und der fast fünfzigjährigen Konzert- und Bühnenerfahrung der erfolgreichsten deutschen Geigerin aller Zeiten.
Virtuose und recht „schräge“ Passagen im ersten Satz werden von einer weichen Flageolett-Seligkeit im zweiten abgelöst. Hier darf Mutters Geige singen und sich auf rabenschwarze Hornakkorde „setzen“, bevor es im dritten „Dactyls“ zu einer wilden Jagd und im Schlusssatz „Epilogue“ zu beredten Dialogen mit der Harfe kommt.
Der Klangkosmos Hollywoods
Der Applaus des Publikums ist da noch eher verhalten und ein klarer Hinweis darauf, dass die Mehrheit nicht wegen postromantischer Stimmungsbilder, sondern wegen „Indiana Jones“, „Harry Potter“, „ET“, „Tim und Struppi“, „Superman“ und „Star Wars“ gekommen ist.
Sie alle werden im zweiten Teil des Abends überreich entschädigt. Das RPO, Aushängeschild des Vereinigten Königreichs, hat alle Hände voll zu tun, um mit viel Zauber und Wumms den schillernden Klangkosmos Hollywoods zum Leben zu erwecken.
Seit John Williams hat sich die Filmmusik längst zu einem eigenen Genre entwickelt, das die Grenzen zwischen E- und U-Musik endgültig aufgelöst hat. Filmmusik verstärkt Gefühle, kommentiert, kontrastiert, antizipiert und konterkariert. Von Steven Spielberg ist der Satz überliefert: „Ohne John Williams fliegen keine Fahrräder, keine Besen und keine Männer mit Umhängen. Es gibt keine Macht. Dinos wandeln nicht auf der Erde. Wir staunen nicht, wir weinen nicht, wir glauben nicht“ (zitiert im Programmheft).
Auf den Leib geschneidert
Zumeist spielt die Stargeigerin mit. Manche Nummern hat der Altmeister eigens für seine Freundin arrangiert und ihr auf den Leib beziehungsweise ihre Stradivari geschneidert. „Für alle, die von Krieg, Hunger oder sonstigen Nöten betroffen sind“, wie Mutter in ihrer Moderation sagt, spielt sie das Thema aus dem Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ – herzzerreißend und mit tiefster Hingabe. Könnte das schon der kulturelle Höhepunkt des Sommers 2025 gewesen sein? Es spricht einiges dafür.