Ludwigsburg
: Die Wohnheime sind voll

Der Wohnungsmarkt ist angespannt – auch Studenten sind betroffen. Die BZ hat beim Studierendenwerk und den Hochschulen nachgefragt.
Von
Jennifer Stahl
Ludwigsburg
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Das Studentendorf in Ludwigsburg befindet sich in der Nähe der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen. Es hat 674 Wohnplätze zu bieten.

Werner Kuhnle

Bald beginnt das Wintersemester und damit startet für viele junge Menschen ein neuer, aufregender Lebensabschnitt. Als schwierig dürfte sich jedoch die Wohnungssuche erweisen, denn die Wohnungsnot in Deutschland macht auch den Studenten zu schaffen. Viele können sich die hohen Mietkosten nicht leisten und nicht jeder kommt in einer WG unter. Viele landen auf langen Wartelisten für die Wohnheime und es ist unklar, ob sie zum Semesterbeginn überhaupt eine Unterkunft haben. Die BZ hat in der Stadt Ludwigsburg mit ihren drei Hochschulen und zwei Akademien sowie beim Studierendenwerk Stuttgart nachgefragt.

Das Studierendenwerk Stuttgart betreibt in Ludwigsburg drei Wohnanlagen. Zudem hilft die Einrichtung beispielsweise bei der Privatzimmervermittlung. Die größte Wohnanlage in Ludwigsburg ist das Studentendorf im Montessoriweg 3-24 mit insgesamt 674 Wohnplätzen. In der Umgebung befinden sich die Pädagogische Hochschule (PH) und die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen (HVF). Die Wohnanlage Königsallee hat 229 Wohnplätze, im Wohnhaus der Finanzen in der Peter-Eichert-Straße 8 gibt es 192 Wohnplätze.

In den beiden zuletzt genannten Anlagen werden bevorzugt Studenten der HVF aufgenommen, sagt der Geschäftsführer des Studierendenwerkes Stuttgart, Marco Abe. „Die Wartelisten und somit auch die Wartezeiten haben sich während und nach Corona deutlich verringert. Es ist empfehlenswert, sich trotzdem sechs Monate im Voraus auf einen Platz zu bewerben.“ Aktuell betragen die Mietpreise in Ludwigsburg monatlich zwischen 327 und 460 Euro Warmmiete.

In Ludwigsburg sei derzeit aber keine Wohnungsnot für die Studenten ersichtlich. Aktuell befinden sich auf der Warteliste für das Wintersemester 2025/2026 in Ludwigsburg 42 Personen. „Es handelt sich dabei um Praktikantinnen und Praktikanten anderer Hochschulen sowie um Personen, die erst zu einem Zeitpunkt auf die Warteliste gekommen sind, als die Vergabe der Zimmer für das Wintersemester weitgehend abgeschlossen war“, so Abe. Einige von ihnen hätten bevorzugt nach Appartements mit eigenem Bad und einer Küchenzeile gesucht. „Davon gibt es in Ludwigsburg jedoch nur acht an der Zahl, allesamt im Studentendorf.“ Die Wartezeit beträgt meist zwölf Monate.

Fast alle Bewerber kommen seiner Aussage nach in den Wohnanlagen unter, einen Pendelgrund sieht er nicht. „Wir fokussieren uns in Ludwigsburg in den kommenden Jahren auf die bedarfsgerechte Sanierung des Bestandes.“ Aufgrund der gestiegenen Baukosten müssen jedoch Förderprogramme für die Sanierung studentischer Wohnanlagen geöffnet werden. „Grundsätzlich geht der Anteil der finanziellen Unterstützung des Landes kontinuierlich zurück und hält mit den Kostensteigerungen nicht mehr Schritt“, kritisiert er. Die Beibehaltung des Unterstützungsangebotes zur Absicherung der Chancengleichheit im Studium werde immer herausfordernder.

Die Pressereferentin der Pädagogischen Hochschule, Anne Nörthemann, sagt, dass besonders vor Semesterstart täglich einzelne Anfragen von Studenten kommen würden, die Wohnraum suchen. „Die Studenten melden zurück, dass es schwer ist, bezahlbaren Wohnraum in der Region zu finden.“ Sie wohnen dann in der ganzen Region und darüber hinaus und pendeln von dort aus an die Hochschule.

Durchschnittlich beginnen zum Wintersemester rund 1000 neue Studenten an der PH und im Sommersemester rund 300. Nörthemann verweist bei der Wohnungssuche auf das Studierendenwerk, zusätzlich bietet die Studierendenvertretung der PH unter anderem Informationen und führt eine Liste mit freien Zimmern und Wohnungen, die sich die Studenten zuschicken lassen können. Wie viele junge Menschen ohne feste Unterkunft in das neue Semester starten, könne sie nicht sagen. „Der Mangel an Wohnraum ist aber bekannt. Wir sprechen uns dafür aus, die umliegenden Orte besser mit dem Öffentlichen Nahverkehr anzubinden.“

Die Hochschule für Öffentliche Verwaltung und Finanzen bietet neben den Wohnheimen über den Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) eine Wohnungsbörse, in der private Wohnungsangebote eingestellt werden. An der HVF beginnen laut der Referentin für Kommunikation, Marketing und Presse, Sophia Herrmann, im Wintersemester rund 550 Studenten ihr Bachelor- und 50 ihr Masterstudium. Im Sommer seien es knapp 500 Studenten. Es zeige sich, dass die Mehrheit rechtzeitig eine Unterkunft in der Stadt oder, nachrangig, im Landkreis Ludwigsburg findet, sagt Herrmann. Zum aktuellen Wintersemester müssen einige Bewerber auf das innerstädtische Wohnheim in der Königsallee ausweichen, weil es insbesondere Engpässe im Wohnheim am Favoritepark gebe. Im Kreis würden daher Einzelwohnungen nachgefragt werden. „Da unsere Studenten als Beamtenanwärter Bezüge erhalten, können sie in der Regel leichter auf private Angebote zurückgreifen“, sagt die Pressesprecherin.

Diejenigen, die schon vor Studienbeginn im Landkreis oder angrenzend wohnen, pendeln häufiger. „Unsere Studenten wohnen aufgrund der Praxisphasen nicht durchgehend vor Ort, sondern sind, mit Ausnahmen der Hauptphasen, nicht an der Hochschule oder sie pendeln. Das senkt den Wohnungsdruck im Unterschied zu Studiengängen, die durchgehend an einer Hochschule stattfinden.“

Die Studenten der Evangelischen Hochschule (EH) können im Studienwohnheim der Karlshöhe wohnen. Laut der Pressesprecherin Uschi Entenmann kommen dort 147 Menschen unter. „Wir sind voll belegt. Einige Studenten mussten wir absagen“, sagt sie. In den vergangenen Jahren haben zum Wintersemester-Start rund 300 neue Studenten, und zum Sommersemester etwa 90 in allen Studiengängen angefangen. „Wir haben ein digitales schwarzes Brett, wo auch Wohnungsanfragen und -angebote eingestellt werden können.“

Entenmann betont aber: Wer zuzieht und kein Zimmer im Studienwohnheim bekommt, hat es schwer. Wohnen außerhalb des Wohnheims in Ludwigsburg sei sehr teuer und die Studenten könnten sich das kaum leisten. „Die Mieten sind meist höher als der BAföG-Wohnkostenzuschuss. Im Studienwohnheim halten wir die Mieten so niedrig wie möglich und haben gleichzeitig auch eine Bandbreite an Mietpreisen.“ Viele EH-Studenten wohnen laut Entenmann aber bereits in der Gegend und müssen nicht zwingend nach Ludwigsburg ziehen.

An der Akademie für Darstellende Kunst (ADK) Baden-Württemberg starten rund 20 Studenten pro Studienjahr, so die Pressesprecherin Dorothea Volke. „Alle Studenten sind vor Ort. Das künstlerische Studium mit zahlreichen Einzelunterrichten und gemeinsamen Projekten braucht viel Präsenz.“ Doch auch die Studenten der Akademie würden die hohen Miet- und Lebenshaltungskosten immer wieder ansprechen. Zum Semesterstart seien aber alle Studenten untergekommen, sie wohnen laut Volke dann meist in Ludwigsburger WGs. „Die Studenten können sich an das Studienbüro und das Studierendensekretariat wenden, ebenso werden eingehende Wohnungsangebote digital weitergegeben“, erklärt sie. „Sehr oft werden Zimmer und Wohnungen von Absolventinnen und Absolventen an Erstsemester im direkten Austausch weitergegeben.“ Die Akademie wünscht sich günstigeren Wohnraum, um den Studenten die Suche zu erleichtern.