Ludwigsburg
: „Deutsche Einheit bleibt ein Wunder“

Beim Festakt des CDU-Kreisverbandes zum Tag der Deutschen Einheit spricht der aus Ostdeutschland stammende Pfarrer Kornelius Holmer.
Von
Dietmar Bastian
Ludwigsburg
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Auch politische Gegner sind von Gott geliebte Menschen, ist Pfarrer Kornelius Holmer überzeugt.

/Foto: Richard Dannenmann

Beim Festakt des CDU-Kreisverbandes zum Tag der Deutschen Einheit hat der aus Ostdeutschland stammende Pfarrer Kornelius Holmer im Landratsamt gesprochen. Der Annemarie-Griesinger-Preis wurde zum zehnten Mal verliehen und ging an Dieter Schedy aus Besigheim sowie den Obst- und Gartenbauverein Vaihingen.

Ein Gottesdienst in der Friedenskirche war dem Festakt des CDU-Kreisverbandes zum Tag der Deutschen Einheit vorausgegangen. Danach versammelten sich zahlreiche Prominente der CDU aus Bundes- und Landespolitik sowie Mitglieder und Freunde der Partei im großen Saal des Landratsamtes.

Erich und Margot Honecker

Die Begrüßung und Einführung hatte der Stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Fabian Gramling (MdB) übernommen. Die Festrede hielt in diesem Jahr der aus Ostdeutschland stammende evangelische Pfarrer Kornelius Holmer. Dieser war gerade einmal vierzehn Jahre alt, als sein Vater, ebenfalls Pfarrer, im Januar 1990 den ehemaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und seine Frau Margot zu Hause aufnahm.

Vorausgegangen war eine schwierige Krebs-OP Honeckers, die ihn haftunfähig und heimatlos zurückgelassen hatte. Der Festredner kam als Jugendlicher den Honeckers also sehr nah. 2022 zeigte das ZDF einen Film mit dem Titel „Honecker und der Pastor“, der die Geschichte ausführlich erzählt. Kein Wunder also, dass die Anwesenden auf den Vortrag Holmers mit seiner besonderen Perspektive auf die deutsche Wiedervereinigung gespannt waren.

„Wir gehören zusammen – Ost und West“, bekräftigte Gramling in seiner Begrüßung. Er sprach von komplexen Herausforderungen in schwierigen Zeiten und davon, dass jegliches politische Handeln Folgen habe – egal, ob es richtig oder falsch sei.

Einheit heute wieder bedroht

Die Einheit sei heute wieder stärker bedroht als noch vor wenigen Jahren, aber man müsse auch dankbar und zufrieden sein, so der Bundestagsabgeordnete. „Wir haben viel erreicht, wir werden im Ausland gemocht und anerkannt“, so Gramling weiter. Mit der Feststellung, dass Freiheit und Demokratie wertvoll, aber keine Selbstverständlichkeit seien und wir den Dialog zwischen Ost und West unbedingt fortsetzen müssten, übergab er an Kornelius Holmer.

„Die Deutsche Einheit ist und bleibt ein Wunder“ begann dieser seine Rede und fragte rhetorisch: „Warum ich die Einheit liebe?“ Bevor er darauf Antworten gab, bekannte Holmer sich zur damaligen Unionspolitik, zu Helmut Kohl, und stellte fest: „Selbstverständlich war die DDR ein Unrechtsstaat“ – ungeachtet anderslautender Stimmen.

Sein Vater sei gegenüber der Obrigkeit gehorsam und respektvoll geblieben, auch wenn er das System für falsch gehalten hatte. Er habe die Honeckers beherbergt, weil er leben wollte, was er gepredigt hat. Auch politische Gegner seien von Gott geliebte Menschen, dies gelte selbst für Putin, so der Festredner. Er liebe die Einheit, so Holmer, weil sie erstens das Ende einer 40-jährigen Zerrissenheit gebracht und zweitens Sicherheit geschaffen habe. Die vierzig Jahre Ost-West-Teilung brachte er mit der symbolträchtigen Zahl 40 in der Bibel in Verbindung – mit der vierzigjährigen Wüstenwanderung des jüdischen Volkes.

Was die Menschen umtreibt

Die Unterschiede, die es zwischen den alten und neuen Bundesländern noch immer gebe, seien nicht halb so beunruhigend wie die schweren Fehler der aktuellen Bundesregierung, sagte er. Homer beklagte, diese würde nicht mehr wahrnehmen, was die Menschen, besonders im Osten, umtreibt. „Wir brauchen den Dialog mit der AfD, anstatt sie zu brandmarken, wir müssen den Menschen zuhören, wenn wir schädliche Entwicklungen aufhalten wollen“, so der Theologe – und bekannte sich zu den in den Hintergrund gerückten christlichen Wurzeln der Partei.

In der mit Latin Touch, einem Gitarren-Percussion-Ensemble der Jugendmusikschule unter der Leitung von Rudi Körner, umrahmten Veranstaltung wurden Dieter Schedy aus Besigheim und der Obst- und Gartenbauverein Vaihingen für ihr soziales Engagement mit Preisen bedacht.