Ludwigsburg
: Austausch beim Regenbogenbrunch

Beim Regenbogenbrunch treffen sich seit Oktober einmal im Monat junge und alte Menschen aus der LSBTIQ+-Gemeinschaft. Regelmäßig gibt es auch offene Brunches für alle Menschen.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Die Farben des Regenbogens symbolisieren die LSBTIQ+-Community.

dpa/Michael Buholzer

Wenn es noch keine Angebote für Regenbogen-Menschen in Ludwigsburg gibt, muss ich das selber machen“, dachte sich Cassandra Finley 2020. Zwei Jahre später fand im Oktober der erste Regenbogenbrunch des Vereins Tragwerk statt – unterstützt von der Bürgerstiftung, ausgestattet mit gerettetem Essen des Vereins Foodsharing. Gleich zwölf Regenbogenmenschen kamen in die Räume des Psychosozialen Netzwerks.

„Sie“ oder „er“

Zu ihnen zählen junge und alte Menschen der LSBTIQ+-Gemeinschaft: Lesben, Schwule, Bi-Sexuelle, Trans-ident, Inter-geschlechtlich und Queere und Menschen die keines dieser Wörter beschreibt.

Ob „sie“ oder „er“: Wer möchte, kann auf einem Namensschild das Pronomen angeben, mit dem er oder sie angesprochen werden möchte. In einer Vorstellungsrunde habe einer der Teilnehmenden seinen neuen Namen und ein neues Pronomen bekannt gegeben, sagt Finley. Mit dabei sei auch die Mutter des Teilnehmenden gewesen. Angehörige seien bei den Treffen willkommen. Regelmäßig finden auch offene Brunches statt, die sich an alle Menschen richten. „Manchmal muss man aber exklusiv sein, um inklusiv sein zu können“, sagt Finley, die seit 2017 im Vorstand des Vereins Tragwerk ist.

Dass manche Menschen im Umgang mit der Regenbogen-Community verunsichert sind, kann sie verstehen. „Es hat viel mit Rücksicht und Respekt zu tun“, sagt Finley. Und um das zu erreichen, brauche es keine riesigen Mittel. Sie selbst habe erst mit 28 Jahren als lesbische Frau einen Platz in der Community gefunden. Die Phase, in der sie nach Gleichgesinnten gesucht habe, hat sie als „unglaublich frustrierend“ in Erinnerung.

„Wir sind nicht die ravenden, Orgien feiernden Regenbogenmenschen“, sagt Finley und lacht. Beim Brunchen geht es um ernste Themen – es wurde schon an ein Massaker in den USA erinnert, das sich gegen die Community richtete und eine Ausstellung über Rassismus gezeigt. „Niemand wird gezwungen, sich an den Gesprächen zu beteiligen“, sagt Finley. Es geht bei den Treffen aber auch um Sonnenbrillen, Mode – und ums Essen. „Denn egal, wen wir lieben oder mit wem wir schlafen, essen tun wir alle“, sagt Finley. Daher sei der Brunch, zu dem man sich wegen der Organisation anmelden muss, eine gute Gelegenheit, um andere Regenbogenmenschen kennenzulernen.

„Kleine Stammgruppe“

Was die Teilnehmenden angeht, „hat sich schon eine kleine Stammgruppe gebildet“, sagt Finley. Darunter auch ein Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte. Bei den vergangenen neun Veranstaltungen sei jedes Mal mindestens eine Person neu hinzugekommen: „Das macht mich stolz“, sagt sie. Weil die Anzahl der Teilnehmenden in den Räumen begrenzt ist, macht sie sich voller Energie in Ludwigsburg auf die Suche nach barrierefreien, in Bahnhofsnähe gelegenen Räumen, gerne mit Küche, um bei dem Brunch noch mehr Teilnehmende aufnehmen zu können.

Der Brunch

Der Regenbogenbrunch
findet jeden letzten Samstag im Monat von 10.30 bis 13 Uhr in der Siegesstraße in Ludwigsburg statt. Im Juli ist die Teilnahme am Christopher Street Day in Stuttgart geplant. Anmeldung unter regenbogenbrunch@tragwerk-lb.de oder Telefon 07141/1331823. Das Angebot ist kostenlos, der Verein freut sich über eine Spende.