Live am Viadukt: Ein buntes Vergnügen

7500 bunt gekleidete Zuschauer flippten unter dem Viadukt bei Dieter Thomas Kuhns Show aus.
MARTIN KALBDieter Thomas Kuhn rief – und seine Fans kamen am Freitagabend in Massen unters Bietigheimer Viadukt, um mit dem 54-jährigen Sänger aus Tübingen die größte Schlagerparty der Stadt zu feiern: 7500 Besucher verfolgen nach Veranstalterangaben das farbenfrohe und schrille Spektakel unter dem Motto „Musik ist Trumpf“. Ehrensache, dass Kuhn wie immer Vollgas gibt. Er trotzt im Schweiße seines Angesichts den sommerlichen Temperaturen – die Sonne scheint anfangs voll auf die Bühne – und tritt wie gehabt mit den Markenzeichen Föhnwelle und Brusthaar-Toupet auf. „Ich genieße die Hitze und bin ein Freund heißer Tage. Mir gefällt, wenn ich den ganzen Tag schwitzen und halbnackt sein kann“, verrät Kuhn dem Publikum, das bereits vom ersten Lied „Sag mir quando, sag mir wann“ an begeistert ist.
Polizistin tanzt auf der Bühne
Auch seine siebenköpfige „Kapelle“ zwängt sich von Beginn in die knallengen Glitzeranzüge in den knallig leuchtenden Farben – und bei den letzten beiden Zugaben „Tränen lügen nicht“ sogar in die nicht minder engen Trainingsanzüge, unter denen sie sich jeweils wie in der Sauna vorkommen müssen. Wohl auch ein Grund, warum die Band am Freitag auf das fordernde „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, im Original von Rudi Carrell, verzichtet. Dafür zählen fast alle Klassiker wie „Griechischer Wein“, „Amore Mio“, „Es war Sommer“ und „Fremde oder Freunde“ zum gut zweieinhalbstündigen Programm – und natürlich auch die Schmuseballade „Für immer und dich“. Letztere ist auch der Titel der aktuellen Tour 2019 und begleitet Kuhn wie gehabt am Flügel, auf dem ein Leuchter mit brennenden Kerzen steht. Bei „Ti Amo“ kommt sogar eine Polizistin im Dienst und in Uniform als eine von sechs Frauen auf die Bühne und tanzt mit Kuhn.
Aber auch die Fans haben sich für Kuhns Bietigheim-Comeback passend herausgeputzt. Viele tragen Schlaghosen, bunte Hemden und Kleider, Klamotten aus der Hippie-Flower-Power-Zeit, Sonnenblumen, Blumenketten- und -Haarreife, Perücken oder Mega-Sonnenbrillen. Es wird viel getanzt, zumindest aber mitgewippt – und lautstark und textsicher mitgesungen. Und immer noch freut sich Kuhn über jeden Slip und BH, die bei ihm auf der Bühne landen, auch wenn er spaßeshalber unkt: „Ist das jetzt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?“ Die Antwort gibt es selbst: „Ich denke nicht.“
Der letzte Besuch des Schlagerbarden im nur 70 Kilometer von seiner Heimatstadt Tübingen entfernten Bietigheim liegt bereits 21 Jahre zurück: Im Juni 1998 kamen rekordverdächtige 17 000 Schlagerfreunde zum Konzert auf den Festplatz unters Viadukt.
Viele von damals sind auch diesmal dabei, zum Beispiel Ralf Knapp aus Bietigheim. „Ich weiß noch genau, dass es damals geregnet hat, aber das war mir völlig egal. An jenem Abend hat es mich gepackt“, sagt der 47-jährige Bietigheimer, der seitdem mindestens einmal im Jahr eine DTK-Show besucht – und sich dann jedes Mal in seinen blauen Samtanzug aus den siebziger Jahren hüllt. So viel Stil muss schließlich sein.