Letzte Ruhe in Oberriexingen
: Baumbestattungen auf Friedhof möglich

Dank Gemeinderatsbeschluss können nun die Urnengräber an zwei Bäumen genutzt werden. Ein Urnengrab soll 286 Euro kosten.
Von
Bigna Fink
Sachsenheim
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Um die zwei noch jungen hängenden Wildbirnen (Pyrus salicifolia Pendula) im nördlichen Teil des städtischen Friedhofs ist Platz für insgesamt 64 Urnengräber.

Martin Kalb

Seine letzte Ruhe im Wurzelwerk unter einem Blätterdach zu finden, in den Kreislauf der Natur zurückzukehren und das ohne klassische Grabpflege: Bestattungen an Bäumen werden immer beliebter laut einer Studie der Verbraucherinitiative Bestattungskultur.

Die Asche eines verstorbenen Menschen kann heute in einem Friedwald außerhalb oder auch an einem Baum innerhalb eines örtlichen Friedhofs beigesetzt werden. Letztere Variante gibt es im Umkreis von Oberriexingen etwa auf den Friedhöfen in Sachsenheim, Sersheim, Markgröningen und Bietigheim-Bissingen schon seit einiger Zeit, nicht aber in der kleinen Stadt an der Enz. Durch einen neuen Beschluss im Gemeinderat sind ab Donnerstag nun auch auf dem Friedhof in Oberriexingen Baumbestattungen möglich.

Nachfrage ist groß

„Immer wieder erhalten wir von der Bevölkerung Anfragen nach Baumbestattungen“, berichtete Aurora Luna, stellvertretende Kämmerin der Stadt Oberriexingen. „Bisher konnte wegen des Wunsches einer Baumbestattung der ein oder andere verstorbene Bürger nicht in Oberriexingen begraben werden“, ergänzt Erich Bannert. Leider sei für die Ermöglichung von Baumbestattungen sehr viel Bürokratie notwendig, erklärte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt. Es brauche eine satzungsrechtliche Grundlage. Eine Gesamtkalkulation der Friedhofsgebühren konnte bislang laut Luna aufgrund zeitlicher und personaler Engpässe nicht fertiggestellt werden.

16 Grabstätten vorhanden

Dabei sind auf dem Friedhof am östlichen Stadtrand Baumgräber seit gut einem Jahr vorhanden: 2022 wurden in einem ersten Bauabschnitt im nördlichen Teil des Friedhofs zwei Baumgrabfelder mit je 16 Grabstätten errichtet, wie Aurora Luna mitteilte. Jede Grabstätte bietet Platz für zwei Urnen. Die Grabfelder stehen zur Nutzung bereit. „Doch mangels einer Gebührengrundlage konnten die Baumgrabfelder bisher nicht belegt werden“, so Luna.

Bei den Bäumen, an denen die Gräber angelegt sind, handelt es sich um zwei hängende Wildbirnen. Damit die Urnenbaumgräber genutzt werden können, beschloss der Gemeinderat nun einstimmig eine vorläufige Gebührenkalkulation für die Baumbestattungsfelder. Wann die finalen Gebühren erstellt werden können, ist noch unklar.

Doch die vorläufige Gebührenkalkulation macht es möglich: Ab Donnerstag stehen für die Beisetzung von Urnen neben den herkömmlichen Erdgräbern und Nischen beziehungsweise Stelen insgesamt 64 Plätze an den zwei Baumgrabfeldern zur Verfügung.

Die Gesamtkosten für die Baumbestattungsfelder betragen laut Stadtverwaltung 60  000 Euro. Die Benutzungskosten fügten sich in die bisherige Friedhofsgebührenordnung ein, teilte Kämmerin Luna mit. Dennoch sei durch die Herstellungs- und Anschaffungskosten sowie die aufwendigere Pflege ein höherer Gebührensatz als bei anderen Grabformen notwendig.

Für die Beisetzung von Aschen in einem Urnenbaumgrab werden 286 Euro erhoben, für die Überlassung eines Urnengrabes inklusive der gärtnerischen Betreuung durch die Stadt 1250 Euro.

Vorteile gegenüber Friedwald

„Die Baumbestattung innerhalb von Friedhöfen gehört mittlerweile zu den beliebtesten Bestattungsarten“, weiß Kerstin Meyle vom Tammer Bestattungsunternehmen Meyle über die starke Nachfrage im Landkreis nach dieser Form der Urnenbeisetzung.

Bei Baumbestattungen befinden sich die Urnengräber rings um Bäume innerhalb eines Friedhofs. Das habe enorme Vorteile gegenüber einem Urnengrab auf einem Friedwald, also einem Grab mitten in einem naturbelassenen Wald, betont Meyle: Das Urnengrab an einem Baum auf einem Friedhof sei leicht, also etwa auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Der Fahrtweg zu einem Friedwald sei dagegen oft lang und beschwerlich. Bei beiden Varianten benötigt es biologisch abbaubare Urnen und es fallen keine klassischen Grabpflegekosten an. Die Grabpflege bei Baumbestattungen innerhalb der Friedhöfe übernehmen die Gemeinden. „Die Kommunen machen sich viel Mühe bei der Gestaltung der Gräber“, schwärmt die Bestatterin aus Tamm.

Bei entsprechender Nachfrage könnten auf dem Oberriexinger Friedhof in der Zukunft zwei zusätzliche Baumbestattungsfelder angelegt werden, heißt es von der Stadtverwaltung.