Landkreis Ludwigsburg: Diese Tiere leben in, an und auf der Enz

Fühlt sich offenbar wohl an der Enz: der schillernde, heimische Eisvogel.
Uwe Mollenkopf/bzWas kreucht und fleucht da am Flussufer? Was lebt im und auf dem sanften Strom der Enz? Die BZ hat sich mit den Vereinsaktiven und Ämtern die Tierwelt des Flusses genauer angeschaut – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
„Vom Aal bis zum Zander, bei uns sind alle einheimischen Fische der Barbenregion vorhanden“, erklärt Manfred Peter, erster Vorstand des Angelsportvereins Bietigheim (ASV). Zur sogenannten Barbenregion gehört der Flussabschnitt zwischen Bissingen und Besigheim, benannt nach dessen Leitfisch Barbe, einem Karpfenfisch.
Charakteristisch für die Flussregion sind eine gemächliche, gleichmäßige Strömung, eine durchschnittliche Wassertemperatur um 15 Grad und ein Grund aus Kies und grobem Sand. Sämtliche Arten von Weißfischen finden sich laut Peter sowie Karpfen, die sich von Pflanzen und Larven ernähren, aber auch Raubfische wie Hechte und Welse.
Steigende Wassertemperatur
Den Fischen im genannten Bereich gehe es eher gut. „Allerdings beobachten wir seit Jahren einen Anstieg der Wassertemperatur.“ Dadurch seien die Fische, die kaltes Wasser mögen, bedroht. Seit diesem Jahr hat der Anglerverein in Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverband mithilfe entsprechender Instrumente begonnen, die Temperatur von Enz und Metter systematisch über einen längeren Zeitraum zu messen.
Eine Zunahme gebe es an Fischen, die wärmeres Wasser mögen wie Karpfen und Wels, sagt Peter. Eine Gefahr gehe auch von Raubvögeln, vor allem von Kormoranen, aus. Sie bejagten den Fischbestand massiv. Zwar mögen auch die heimischen Ringelnattern kleinere Fische, ernähren sich aber hauptsächlich von Amphibien, wie Fröschen und Salamandern, die auch Enzbewohner sind. „Die Schlangen, die man an der Enz sehen kann, sind nicht, wie oft vermutet, Wasserschlangen“, erklärt Jürgen Klein, Vorsitzender des Kanuclubs Bietigheim (KCB), „sondern einfach Schlangen, die gerne in der Nähe von Gewässern leben.“
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz „ist die Ringelnatter besonders geschützt und darf nicht beeinträchtigt werden“, heißt es aus der Unteren Naturschutzbehörde des Landratamts Ludwigsburg. Außerdem soll es an der Enz laut Klein auch die in Mitteleuropa extrem selten vorkommenden Würfelnattern geben. Beide Schlangenarten sind für den Menschen ungiftig und harmlos. Von den unzähligen Insektenarten werden die Eintagsfliegen, Wasserläufer und „die vielen Libellen“, etwa Prachtlibellen und Flussjungfern, genannt. Die Larven der Raubinsekten sind auf Wasser als Lebensraum angewiesen. Auch leben Muscheln und Wasserschnecken in der Enz.
Der Naturfluss ist ein Zuhause vieler Vogelarten. Da wären die Stockenten, außerdem Haubentaucher, Blesshühner und Höckerschwanpaare, die größten Entenvögel. Auch die seltenen Gänsesäger als Enzbewohner zählt Elke Grözinger auf, zuständig für Naturschutz bei der Stadt Bietigheim-Bissingen. Gänsesäger mit ihren rotbraun gefärbtem oft abstehenden Kopfgefieder der Weibchen seien sehr störungsanfällig. Elisabeth Biechl, zweite Vorsitzende des Nabu Bietigheim-Bissingen, kennt die Enz durch das jährliche Monitoring der rastenden Wasservögel im Januar. „Die Zahl der Schnatter-, Tafel-, Reiher- und Krickenten ist erheblich zurückgegangen“, sagt sie, die Gründe wisse sie nicht.
Graureiher sind ganzjährig zu sehen
Die weit verbreiteten Graureiher sind ganzjährig an der Enz zwischen Bissingen und Besigheim zu sehen. Eine kleine Kolonie lebe unterhalb des Naturdenkmals Sonnenberg in Bissingen. „Auch die auffälligen Eisvögel sehen wir immer wieder“, sagt der Besigheimer Helmut Fischer, der sich in den Ortsgruppen der Naturschutzvereine Nabu Neckar-Enz und BUND-Bezirksverband Stromberg-Neckartal engagiert. Die schillernden Tiere mit dem blau-orangenen Gefieder sind hier heimisch. Sehr häufig kommen an der Enz laut Jürgen Klein vom KCB Fledermäuse vor. „Überall am Abend, über jedem Paddler schwirren sie herum“, sagt Klein.
Helmut Fischer beobachtet am häufigsten Zwergfledermäuse und Abendsegler. „Wir haben hier an der Enz ein sehr gutes Fledermaus-Biotop mit mindestens sieben Arten an Fledermäusen“, so Fischer. Mit bestimmten Sensoren lassen sich die unterschiedlichen Rufe der Arten in Ultraschallhöhe identifizieren. Helmut Fischer und andere Mitglieder der hiesigen Naturschutzvereine haben schon einmal einen Biber zwischen Bietigheim und Besigheim gesichtet, sogar seine Junge sollen laut Fischer schon beobachtet worden sein. Das Nagetier ist in der Region wieder präsent, aber weiterhin noch selten anzutreffen.
Exotische Tiere, die sich an der Enz auch wohlfühlen
Einige nicht-heimische Arten, Neozoene, sind an der Enz anzutreffen. Sie stellen oft eine Gefahr für die heimische Biodiversität dar. So gibt es heimische Bachflohkrebse und Flusskrebse in der Enz, „das können aber auch nordamerikanische Flusskrebse sein, die die europäischen verdrängen“, sagt Jürgen Klein vom Kanuclub Bietigheim, „Nilgänse mögen hübsch aussehen, sind aber eine richtige Plage“. So verdrängten sie andere Vögel und ihr Kot schade dem landwirtschaftlichen Boden. Helmut Fischer vom NABU beobachtet einen leichten Rückgang dieser invasiven Art.
Immer wieder lassen sich auch Schildkröten am Flussufer entdecken. . Die panzertragenden Reptilien an der Enz sind laut Klein Rot- und Gelbwangenschildkröten aus Amerika, die ausgesetzt wurden und inzwischen hier überwintern können.
„Nutrias leben schon lange an der Enz“, weiß Klein. Sie wurden einst aus Südamerika als Pelztiere importiert. Auch die kleineren Bisamratten, die aus Nordamerika stammen, mögen es an der Enz. Beide wasserliebende Nagetierarten werden oft mit Bibern verwechselt und werden vom Regierungspräsdium Stuttgart laut Elke Grözinger vom Fachbereich Naturschutz Bietigheim-Bissingen, unter anderem wegen Hochwasserschutz bekämpft.