Landkreis Ludwigsburg
: Bisher kaum essbare Pilze in der Region

Aufgrund der enormen Trockenheit wachsen bisher kaum genießbare Pilze in den regionalen Wäldern. Was bedeutet dies für den Wald? Lokale Pilzkenner berichten.
Von
Bigna Fink
Ludwigsburg
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Südwest Presse

Pilzsammler  kommen mit leerem Körble aus dem Wald – das mag ein häufiges Bild in diesem Herbst sein. Denn: 2026, in diesem äußerst trockenen Jahr, sind bisher ganz wenige der klassischen Speisepilze in der Region gewachsen, wie lokale Experten bestätigen. Gemeint sind sogenannte Mykorrhiza-Pilze, die mit Bäumen eine Lebensgemeinschaft (Symbiose) bilden.

Experten aus der Region zeichnen ein recht dramatisches Bild: „Seit ich klein bin, sammle ich Pilze. Meinem Eindruck nach ist es das schlechteste Pilzjahr seit 40 Jahren“, sagt Robin Halba. Er ist ausgebildeten Pilzsachverständiger und Pilzcoach der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie) im Raum Ludwigsburg/Stuttgart. Der Ludwigsburger bietet geführte Pilzlehrwanderungen in der Region an und auf Anfrage auch Korbkontrollen.

Pilze brauchen viel Wasser – und hier liegt das Problem: Der extrem trockene Wetterverlauf 2026 mit deutlich weniger Niederschlag als üblich lasse Pilze weniger wachsen als in feuchten Jahren wie 2025, erklärt Halba. Der Kontrast zum vergangenen Jahr mit seinem regenreichen Sommer sei enorm, das Pilzwachstum sei quasi von 100 auf 0 gesunken, so der 51-Jährige Pilzkenner.

Steinpilze sind Mykorrhiza-Pilze – sie leben in Wurzelsymbiose mit Nadelbäumen, hier in einem Wald bei Prevorst.

Foto: Robin Halba

Interaktion zwischen Bäumen und Pilzen fehlt

„Im September wurde im Landkreis Ludwigsburg nur etwa ein Drittel der Regenmenge der vergangenen zehn Jahre im Mittel erreicht“, weiß Halba von Wetterexperten. „Das Pilzwachstum strauchelt aufgrund der fehlenden Interaktion zwischen Pilzmyzel und Bäumen in diesem Jahr, was wiederum mit dem fehlenden Niederschlag zu tun hat“, klärt Halba auf. Das Pilzmyzel ist das unterirdische, fadenförmige Wurzelgeflecht eines Pilzes, das die Baumwurzeln durchdringt. Wissenswert: Viele Pilze, die Mykorrhiza-Pilze, leben mit Bäumen zusammen. Der Pilz liefert dem Baum Wasser und Nährsalze, während die Pflanze durch Photosynthese Kohlenhydrate an den Pilz abgibt.

„Pilze sind essenziell für das Waldleben“, betont Halba, „sie bilden durch ihre Vernetzung das Wood-Wide-Web des Waldes“, tragen sozusagen Informationen waldweit von Baum zu Baum. „Bäume kommunizieren auf gewisse Weise miteinander“, erklärt auch Robert Schopper, ein erfahrener Pilzkenner aus Zaberfeld, der unter anderem im Kreis Ludwigsburg Pilzwanderungen angeboten hat. „Nur über Pilze können Bäume miteinander kommunizieren.“ Aufgrund des Extremsommers schalteten die Bäume in den Überlebensmodus: „Sie haben die Interaktion mit den Pilzen eingestellt, um zu bestehen“, sagt Halba. Die Hauptsaison der Pilze, die im September beginne, gehe nicht mehr lang, klären die lokalen Pilzexperten auf – sobald der Frost einsetzt, stellt sich das Wachstum der Pilze komplett ein, so Halba.

Noch Hoffnung hat Schopper, dass in den kommenden ein bis zwei Wochen, wenn weiterhin Regen fällt, noch ein paar Speisepilze hier wachsen. „Aber genug kann da nicht kommen“, die Bodenfeuchtigkeit im Wald sei sehr gering.

Der 84-Jährige hat schon als Kleinkind mit seinen Eltern Pilze gesammelt. Seine Frau Ilse gründete mit ihm das Team „Mit Ilse in die Pilze“ vor 15 Jahren, das Kräuter-, Baum- und Pilzführungen im Naturpark Stromberg-Heuchelberg bis vor drei Jahren anbot. Vor zwei Jahren starb seine Frau, die Pilzsachverständige war.

Dieses Jahr hat Schopper alle Führungen abgesagt, denn: „Es gibt einfach so gut wie keine Speisepilze.“ Auch die jährlich stattfindende Pilzausstellung im Naturparkzentrum Stromberg-Heuchelberg, die am 17./18. Oktober in der Stadthalle Brackenheim geplant war, wurde aufgrund der anhaltenden trockenen Witterung und des daraus resultierenden Pilzmangels abgesagt. Vor ein paar Tagen war Schopper im Kirbachtal, im Ochsenbacher Wald, um den Schlierkopf unterwegs auf Pilzsuche, in der Nähe von Häfnerhaslach und Ochsenbach. „Ich habe alle möglichen Waldstellen abgesucht. Von Freudental bis Häfnerhaslach konnte ich keine Pilze finden, außer dem üblichen Kleinkram wie Schwefelköpfe und Helmlinge“, sagt der Pilzkenner. Dieser Pilzmangel um diese Jahreszeit sei außergewöhnlich.

Seit den Coronajahren ist ein Trend zum Pilzesammeln beobachtbar

Pilze und ihre Lebensweise lassen sich in drei Gruppen unterteilen, informiert Robin Halba: Mykorrhiza-Pilze leben in Symbiose zu Bäumen, Zersetzer-Pilze (Saprobionten) wachsen auf Substrat am Waldboden oder direkt auf Holz wie Champignonarten und der Parasolpilz, der jetzt durchaus etwa auf Wiesen zu finden sei. Die dritte Pilzgruppe seien die Parasiten, die auf Holz wachsen und von geschwächten Bäumen leben, etwa Schwefelporlinge, Seitlinge, Hallimasch. „Diese profitieren von der Trockenheit und den geschwächten Bäumen.“

Der Ludwigsburger bietet trotz des miesen Pilzjahres Führungen an, vor allem über den Nabu Marbach, die aber bis ins Frühjahr ausgebucht sind. Auch klärt er auf der Videoplattform Youtube und auf Instagram unter Pilzfreund71 über die Welt der Pilze auf. „Seit den Corona-Jahren ist Pilzesammeln zu einem deutlichen Trend geworden,“ beobachtet der Pilzfreund.

Welche Speisepilze in der Region normalerweise zu finden sind

Der Landkreis Ludwigsburg zählt nicht zu den Speisepilz-Hochburgen im Land. Der einfache Grund, so Pilzsachverständige Robin Halba: Die Gesamtfläche an Wald ist in diesem dicht besiedelten Kreis am geringsten in Baden-Württemberg.

Beliebte Pilzregionen sind der Nordschwarzwald, wo mit seinen vielen Nadelwäldern gerne Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen wachsen und der Rems-Murr-Kreis.

Am waldreichen Stromberg, wie im Ochsenbacher Wald, befindet sich ein Pilzsammelgebiet oder in den Löwensteiner Bergen. Auch in den anderen laubreichen Wäldern im Kreis finden sich normalerweise Speisepilze laut Kenner Robert Schopper: etwa Hexenröhrlinge, Täublinge, Semmelstoppeln oder Herbsttrompeten. Die Pilzkenner appellieren, die Pilze von Experten checken zu lassen. Denn zu fast jedem Pilz gebe es ungenießbare oder gar giftige Doppelgänger.

Für Korbkontrollen kann der Ludwigsburger Pilzsachverständige Robin Halba angefragt werden: robin.halba@web.de und auf Instagram und Youtube unter Pilzfreund71.