Kreis Ludwigsburg
: Wo im Kreis Ladesäulen fehlen

Das neues Konzept zeigt: Während Städte wie Ludwigsburg gut aufgestellt sind, kämpfen andere Kommunen mit Flächenmangel und mit einem wachsenden Bedarf an Ladeinfrastruktur.
Von
Jörg Palitzsch
Ludwigsburg
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Auch im Kreis steigt die Zahl der E-Auto und damit auch der Bedarf an öffentlichen Ladestationen. Wie viele es bereits gibt und wo noch ausgebaut wird, zeigt das Ladeinfrastrukturkonzept.

dpa/Peter Kneffel

Elektromobilität wird immer wichtiger, auch im Landkreis Ludwigsburg: Die Zahl der E-Autos steigt stetig. Damit wächst der Bedarf an einer gut ausgebauten Ladeinfrastruktur, vor allem an öffentlichen Ladepunkten. Kommunen stehen vor der Aufgabe, diesen Ausbau zu planen und verschiedene Interessen zu berücksichtigen. Ein neues Ladeinfrastrukturkonzept des Landkreises soll dabei helfen (die BZ berichtete). Sechs Beispiel-Steckbriefe mit Analysen zum Bestand und dem zukünftigen Bedarf zeigen die aktuelle Situation sowie die unterschiedlichen Chancen und Herausforderungen in den Kommunen.

Ludwigsburg

In der Kreisstadt gibt es 292 Ladepunkte, die Infrastruktur gilt als gut ausgebaut. Stand 1. Oktober 2025 sind 2227 vollelektrische Fahrzeuge (BEV, Battery Electric Vehicle) und 1405 Hybrid-Fahrzeuge (PHEV, Plug-in-Hybrid Electric Vehicle) zugelassen. Bis 2040 sind 930 zusätzliche Ladepunkte sowie 20 neue Standorte geplant. Verteilnetzbetreiber sind die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. Diese berücksichtigen bei jeder Netzausbaumaßnahme die zukünftige Lastentwicklung durch Elektromobilität und Wärmepumpen, wobei die Kapazität erhöht wird.

Und der Strombedarf für öffentliche Ladeinfrastruktur steigt deutlich: von 4018 Kilowatt (2026) auf 14.245 Kilowatt (2030) und 24.861 Kilowatt (2035). Bis 2028 entstehen vier Bereiche mit hohem Ladebedarf (500 bis 1000 Kilowatt), darunter ein Gebiet um den Alten Friedhof, das Klinikum und angrenzende Wohngebiete sowie Bereiche in der Innenstadt und rund um den Bahnhof.

Bietigheim-Bissingen

In der Stadt an Enz und Metter gibt es 101 Normalladepunkte und 13 Schnellladepunkte für 284 BEV sowie 871 PHEV, die Anzahl der vollelektrischen Pkw hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt. Die Summe der Ladeleistung beträgt 2156 Kilowatt. Die Gesamtleistung hat sich seit 2023 geringfügig um sechs Ladepunkte und 66 Kilowatt erhöht.

Bereits in diesem Jahr besteht ein zusätzlicher Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur von 2141 Kilowatt. Dieser steigt laut Analyse bis 2030 auf 6664 Kilowatt sowie bis 2035 auf 11.313 Kilowatt. Als größtes Problem wird das Fehlen von geeigneten öffentlichen Flächen angesehen. Auch aus diesem Grund sind derzeit keine Aktivitäten zur Schaffung von öffentlicher Ladeinfrastruktur geplant, vielmehr wird der größte Bedarf im halb-öffentlichen Raum (private Flächen mit öffentlichem Zugang) gesehen, heißt es in dem Konzept.

Besonders im Bereich der Altstadt werden mehrere Bereiche mit einem hohen Bedarf zwischen 500 und 1000 Kilowatt erwartet. Ein potenzieller Standort für Ladeinfrastruktur könnte das RKH-Krankenhaus darstellen, das sich in einem Bereich mit „hohem Bedarf“ befindet. Die Parkplätze „Historisches Rathaus“, „Farbstraße“ sowie „Am Japangarten“ bieten aufgrund ihrer Flächen sowie der Nähe zur Altstadt ebenfalls Möglichkeiten für Ladepunkte. Der Bahnhof, der sich am Rande eines Rasters mit hohem Bedarf befindet, erscheint auch als ein Bereich, um Lademöglichkeiten zu schaffen.

Sachsenheim

Die Stadt stuft die öffentliche Ladeinfrastruktur in dem Konzept als „gering“ ein. Zum 1. Oktober 2025 gab es 433 Elektroautos und 302 Plug-in-Hybride – mit stark wachsender Tendenz. Aktuell stehen 31 Ladepunkte zur Verfügung, davon vier Schnellladepunkte, mit insgesamt 692 Kilowatt Leistung. Der zusätzliche Bedarf liegt schon jetzt bei 394 Kilowatt und steigt bis 2030 auf 1470 Kilowatt, bis 2035 auf 2533 Kilowatt.

In Groß- und Kleinsachsenheim kommt bis 2030 jeweils weiterer Bedarf hinzu. Während Häfnerhaslach und Spielberg wenig Bedarf haben, steigt er in Ochsenbach und Hohenhaslach deutlich. Langfristig könnten etwa der Wanderparkplatz in Hohenhaslach und der „nah und gut“-Markt als Standorte für Ladepunkte dienen.

Oberriexingen

Der größte Bedarf wird im halb-öffentlichen Raum gesehen. Für die 113 BEV- und 43 PHEV-Fahrzeuge stehen laut Erhebung vier Ladepunkte an drei Standorten bereit. Oberriexingen ist mit der vorhandenen Ladeinfrastruktur angesichts der Stadtgröße und -struktur bereits gut aufgestellt, sodass der derzeitige Bedarf erfüllt wird.

Für 2035 wird in einem Gebiet zwischen Georgskirche, Neuapostolischer Kirche, St. Andreas und der Kläranlage ein zusätzlicher Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur von 50 bis 100 Kilowatt erwartet. Trotz vorhandener Angebote wird hier weiterer Ausbau nötig sein. Als möglicher Standort gilt die Tiefgarage in der Kronengasse. Auch der Parkplatz in der Mühlstraße bietet sich an, da dort ausreichend Stellplätze vorhanden sind und keine Veränderungen im Altstadt-Parkraum nötig wären.

Freudental

Aufgrund der Siedlungsstruktur und der bereits vorhandenen Ladeinfrastruktur wird bis 2035 kein zusätzlicher Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur erwartet. Am 1. Oktober 2025 waren in Freudental insgesamt 78 vollelektrische Pkw und 39 Plug-in-Hybride zugelassen. Seit 2021 hat sich die Zahl der vollelektrischen Fahrzeuge fast verdreifacht.

Es gibt derzeit sechs Ladepunkte mit einer Leistung von 224 Kilowatt, womit sich die installierte Ladeleistung seit 2023 mehr als versiebenfacht hat. Als potenzielle Flächen für öffentliche Ladeinfrastruktur erscheinen der Parkplatz an der Schönenberghalle sowie die Parkmöglichkeiten an der Gemeindeverwaltung als sinnvoll.

Hessigheim

Derzeit gibt es keine öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur, ein Standort an der Felsengartenkellerei in Verbindung mit einem e-Carsharing-Fahrzeug befindet sich in der Umsetzung. In Hessigheim sind insgesamt 51 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und 35 Plug-in-Hybride (PHEV) zugelassen.

Erst 2028 wird ein erstes Bedarfsraster sichtbar, das sich vom restlichen Gemeindegebiet abhebt. Es handelt sich dabei um den Bereich südlich der Martinskirche sowie östlich des Alemannenwegs. Für das ab 2035 ausgewiesene Bedarfsraster für den mittleren Bedarf kommen insbesondere die Parkplätze an der Gemeindeverwaltung sowie an der Postfiliale an der Ecke Brücken-/Gartenstraße als potenzielle Standorte in Frage. Darüber hinaus biete der Wanderparkplatz am Neckar Standortpotenzial.