Kreis Ludwigsburg: „Wir richten die Straßen für den Schwächsten“

Kleinere Schäden können die Straßenmeistereien wie hier in Besigheim selbst beheben (von links:) Jürgen Harsch, Adrian Ohde, Straßenmeister Sven Peterseim und Daniel Bachmann.
/Oliver BürkleDie Meldung von der Vollsperrung der K 1642 zwischen Ochsenbach und Häfnerhaslach (die BZ berichtete) kam kurzfristig und sorgte für Unmut in der Bevölkerung. Ronald Stolz, Fachbereichsleiter Straße beim Landratsamt Ludwigsburg, erklärt im BZ-Gespräch, warum das rasche Vorgehen nötig war.
„Das war kein Standardfall“, sagt er, „das war ein Notfall.“ Frostschäden am Straßenbelag tauchen in dieser Jahreszeit öfter auf. Doch nicht immer, wie im Fall der Kreisstraße 1642, mitten auf der Straße. Das Loch war zunächst notdürftig von der Straßenmeisterei in einer Nachtschicht geflickt worden, damit die Straße tagsüber weiter befahren werden konnte. „Aber das Geflickte hält nicht lange“, sagt Stolz. Daher wurde ein Straßenbau-Unternehmer angefragt, der solche Schäden ausbessert.
Doch im Januar und Februar ist es schwierig, an Asphalt zu kommen, weil viele Mischwerke zu dieser Jahreszeit geschlossen sind. Dem Unternehmen gelang dies dennoch recht kurzfristig. Am Freitag, 9. Februar, erhielt Stolz die Information des Unternehmens, dass die Arbeiten von Montag, 12., bis Mittwoch, 14. Februar, durchgeführt werden können, sagt er. Entsprechend spät hätte die Information an die Öffentlichkeit weitergegeben werden können.
Vollsperrung nötig
Aufgrund der zentralen Lage des Schadens sei die Sperrung nötig geworden, eine Ampelschaltung hätte nichts gebracht. Den Ärger der Bevölkerung kann Stolz verstehen, doch der Fachbereichsleiter Straße betont, dass es dabei in erster Linie um die Sicherheit geht: „Wir bauen für die Bevölkerung“, sagt er. Denn sollte ein Unfall an einer Stelle mit Straßenschäden passieren, hafte auch die Straßenmeisterei mit einer Teilschuld. Beim vorliegenden Fall an der K 1642 denkt der Fachbereichsleiter vor allem Motorradfahrer, die in das Schlagloch hätten hineinfahren können: „Wir richten die Straßen für den Schwächsten. Ein Motorrad hat keine Knautschzone.“
Pro Winter gebe es im Kreis ein bis zweimal solche Schäden, die er als Notfälle bezeichnet. „Es ist nicht so, dass das ein Riesenproblem ist“, sagt Stolz. Die Mehrheit der Ausbesserungsarbeiten seien planbare Maßnahmen. „Mit denen geht es ab März los“, sagt Stolz. Einmal pro Jahr werden gemeinsam die anstehenden Arbeiten mit dem Regierungspräsidium besprochen.
Während der Kreis Ausbau- und Erhaltungsmaßnahmen auf Kreisstraßen vornimmt, ist das Regierungspräsidium für die Landes- und zweispurigen Bundesstraßen zuständig. Bei Notfällen wird aber immer der Kreis aktiv. Eine Regelung, die in ganz Baden-Württemberg gilt.
Sechs bis acht Wochen vor einer Ausschreibung werden im Normalfall Gemeinde und Polizei informiert, Umleitungen geplant. Diese können dazu Rückmeldungen geben, auch die Busunternehmen könnten dann planen. Zwei Wochen bevor es mit der eigentlichen Maßnahme losgeht, werden Schilder vor Ort aufgestellt, die die Verkehrsteilnehmer direkt informieren. „Das funktioniert gut“, sagt Stolz.
Regelmäßige Kontrolle
Die Gemeindeblätter erhalten die Infos eine Woche vor Start der Maßnahme, Zeitungen in der Regel zwei bis drei Tage vorher. Eine noch längere Vorlaufphase sei nicht unbedingt sinnvoll, findet Stolz.
Um den Überblick über das Straßennetz zu behalten, kontrollieren die drei Straßenmeistereien in Ludwigsburg, Besigheim und Vaihingen regelmäßig das 560 Kilometer lange Straßennetz. Alle zwei Tage wird es abgefahren. „Wenn ein Unfall passiert ist, werden wir von der Polizei über Schäden informiert“, sagt Stolz. Doch bei jedem Kontrollgang entdecken die Straßenmeistereien „umgefahrene Leitpfosten oder tiefe Reifenspuren im Bankett“, sagt er. Während die Leitpfosten sofort ersetzt werden können, würden andere Schäden für Autofahrer sichtbar markiert und fotografiert. „Wir versuchen schon das Geld für die Schäden von der Versicherung zurückzubekommen“, sagt Stolz. Doch bei einer Fahrerflucht sei das nicht immer möglich.