Kreis Ludwigsburg
: Wie sicher sind Kinder im Kreis?

Ob im Straßenverkehr, im Schwimmbad oder daheim – Gefahren lauern für Kinder überall. Die BZ lässt Experten zu Wort kommen und zeigt, was zur Prävention getan wird.
Von
Frank Ruppert
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Ob im Wasser, Unfälle im gewohnten Umfeld, Straftaten oder Straßenverkehr – viele Stellen sorgen sich darum, wie man den Landkreis für Kinder sicherer machen kann.

dpa / Maurizio Gambarini

Im Sommer rücken immer wieder Ertrinkungsfälle in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Eine der häufigste Unfallursachen mit tödlichem Ausgang bei Kindern ist laut Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ – eine Dachorganisation in der unter anderem die DLRG, die Björn-Steiger-Stiftung und die Johanniter-Unfall-Hilfe vertreten sind – das Ertrinken. Mehr als jeder fünfte tödliche Unfall geschehe durch Ertrinken. Nur sogenannte Transportunfälle sind häufiger Todesursache bei Kindern. Die BZ hat mit Experten über verschiedene Aspekte zur Kindersicherheit gesprochen.

Ertrinken

Die gute Nachricht vorweg: In diesem Jahr ist nach Kenntnis von Frank Dautel vom DLRG-Bezirk Ludwigsburg bislang kein Kind im Kreis Ludwigsburg ertrunken. Zur Einordnung: Im Jahr 2021 ertranken laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 33 Kinder im Alter von eins bis 15 Jahren. Dautel ist als Ausbildungsleiter vor allem in Prävention tätig und hat deswegen auch ein Auge auf die Entwicklung bei den Unfällen.

Bei kleineren Kinder im Kindergartenalter, die noch nicht schwimmen können, kann schon eine Badewanne oder eine Regentonne ein möglicher Ertrinkungsort sein. Sie verlieren die Orientierung, sobald das Gesicht im Wasser liegt und sind hilflos. Es ist mitunter schwer zu erkennen, ob ein Kind ertrinkt, da Kinder keine Selbstrettungsversuche unternehmen und leise untergehen. Wichtig ist laut Dautel deshalb, Gefahrenquellen zu erkennen und Kinder entsprechend zu beaufsichtigen.

Ein weiteres Problem sieht Dautel in dem zunehmenden Verschwinden von Wasserflächen. Gerade Kleinschwimmhallen in ländlichen Gemeinden werden immer häufiger geschlossen. „Dort haben wir oft unsere Kurse angeboten“, so Dautel. Das führe dazu, dass die Zahl der Nichtschwimmer steige. Dem wirkt die DLRG mit den Schwimmvereinen über spezielle Kompaktkurse, wie etwa in Bietigheim, entgegen. Auch das Pilotprogramm „Schwimmfidel“, bei dem Kindergärten Kooperationen mit Vereinen und DLRG-Ortsgruppen abschließen, um möglichst viele Vorschulkinder ans Wasser zu gewöhnen, sei im Landkreis schon gestartet.

Unfälle daheim

Ob das helfen wird, der Entwicklung zu immer mehr Nichtschwimmern entscheidend entgegenzuwirken, bleibe abzuwarten, so Dautel. Er hebt allerdings hervor, dass gerade Ertrinkungsfälle von Kindern im Kreis sehr selten seien, er selbst erinnert sich in den vergangenen Jahren nur an einen Fall. In Deutschland verletzten sich im Jahr 2021 etwa 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren bei einem Unfall so schwer, dass sie einen Arzt aufsuchen mussten. Mehr als 167 000 Kinder mussten wegen einer Verletzung im Krankenhaus behandelt werden. Im Jahr 2021 verstarben 163 Kinder nach einem Unfall, teilt die Bundesarbeitsgemeinschaft mit. Über 80 Prozent der Unfälle im Säuglings- und Kleinkindalter passieren in der eigenen Wohnung oder im häuslichen Umfeld.

„In der Kindernotaufnahme und der Kindernotfallpraxis zusammen werden jährlich etwa 4000 Patienten ambulant behandelt“, sagt Professor Dr. Jochen Meyburg, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ludwigsburg. Eine Aufschlüsselung der Diagnosen in Krankheitsgruppen sei nicht möglich, die größte Krankheitsgruppe seien aber sicher die Infektionen, gefolgt von Unfällen und allem anderen von Bauchschmerzen bis zum Krampfanfall. Meyburg weist allerdings darauf hin, dass ein kompletter Überblick über die Situation im Kreis schwierig sei, weil oft bei Unfällen eben die niedergelassenen Kinderärzte erster Ansprechpartner sind.

Unfälle im Straßenverkehr

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg (Landkreis Ludwigsburg und Böblingen) ging 2022 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent zurück. Es ereigneten sich insgesamt 141 Verkehrsunfälle mit Kindern, während im Vorjahr 155 gezählt wurden. 82 (85) dieser Unfälle hatten die Kinder selbst verursacht.

Die Zahl der Unfälle mit Verletzten verringerte sich um 7,7 Prozent. Verursachten sie einen Zusammenstoß, waren die Kinder im Landkreis Ludwigsburg 26 (27) Mal mit dem Fahrrad unterwegs. Als Unfallverursacher zu Fuß waren sie im Landkreis Ludwigsburg 17 (20) Mal vertreten. 23 (19) Kinder wurden bei Unfällen schwer und 99 (114) leicht verletzt. Es ereignete sich kein (1) Unfall, der tödlich endete. Für Jutta Kuhn, Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, sind die Elterntaxis ein großes Thema. Durch das Bringen der Kinder mit dem Auto bis vor die Tür von Schule oder Kita gefährde man andere Kinder und das eigene lerne nichts über den Straßenverkehr.

Straftaten

Die Kreisverkehrswacht versucht über Besuche in Kindergärten und Radfahrausbildung in Kooperation mit der Polizei die Kinder auf den Straßenverkehr vorzubereiten. Die Präventionsabteilung beim Polizeipräsidium Ludwigsburg hat eine Reihe von Angeboten rund um das Thema Sicherheit im Straßenverkehr für Kinder. Wichtig ist Verkehrswacht und Polizei, dass die punktuellen Einsätze niemals ausreichen und es vor allem darauf ankomme, dass Eltern den Kindern ein gutes Vorbild sind.

Laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik 2022 sind die Opfer von Straftaten im Präsidiumsbereich (Landkreise Ludwigsburg und Böblingen) im Vergleichszeitraum von fünf Jahren zu mehr als drei Viertel Erwachsene, während Kinder, Jugendliche und Heranwachsende anteilig generell im einstelligen Bereich liegen (Spanne zwischen 6,6 und 9,1 Prozent). Zur Einordnung: Von den 551 000 Einwohnern im Kreis sind laut Statistischem Landesamt gut 83 000 jünger als 15 Jahre.

Die prozentual größte Zunahme (von 2021 zu 2022) ist bei den jugendlichen Opfern von 577 auf 776 (+199/+34,5 Prozent) zu verzeichnen, was überwiegend auf die leichte Körperverletzung (+109) zurückzuführen ist. Bastian Höschele und Ilona Gerstung vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums erklären, dass allgemein Rohheitsdelikte zugenommen haben. Woran das liege, sei schwer zu erklären.

Auffällig sei, dass immer häufiger Strafunmündige (unter 14-Jährige) Täter seien. Das könne auch am geänderten Anzeigeverhalten, etwa der Eltern, liegen. Wie beim Straßenverkehr bietet die Polizei auch bei Kriminalitätsprävention ein vielfältiges Angebot für Schulen an. Einer der Schwerpunkte ist dabei die Medienprävention, wo es auch um Cybermobbing geht.