Kreis Ludwigsburg
: Was gegen Stress in der Weihnachtszeit hilft

Im Advent und an den Festtagen ist für Familien oft viel zu managen. Experten aus der Region geben Tipps, wie Eltern diese Zeit entspannter gestalten können.
Von
Bigna Fink
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

„Die Weihnachtstraditionen zu ändern, zumindest für eine Zeit, nimmt oft viel Druck heraus“, findet Florentine Kochanski, Familienberaterin aus Bietigheim-Bissingen.

Imago/Westend61/Anastasiia Sienotova

Vor den Weihnachtsferien ballt sich alles, viel mehr als sonst im Jahr steht an“, weiß Benjamin Bachmann, Familientherapeut aus Ludwigsburg. Aufführungen in Vereinen, Klassenarbeiten, Geschenkekauf, Organisation der Festtage: „Es ist ein enormer Mehraufwand als Eltern zu bewerkstelligen, mit sehr vielen Themen und Terminen auf einmal“, so der 38-Jährige, der bei der Familien- und Lebensberatungstelle der Caritas Ludwigsburg arbeitet.  Er kann davon ein Lied singen, denn er hat selbst vier Kinder im Alter von vier bis elf Jahren.

Erziehungsberater Bachmann und die systemische Familienberaterin Florentine Kochanski aus Bietigheim-Bissingen geben den Leserinnen und Lesern der BZ Tipps, wie sie die Weihnachtszeit entspannter gestalten können.

Aufgaben versuchen zu entzerren

Das Geschenkemanagement für seine vier Kinder organisiert Bachmann in einer Excel-Tabelle. „Über das ganze Jahr schreibe ich mir Geschenkideen auf, das hat sich bewährt.“

Man solle sich stets die Frage stellen, wie man Dinge entzerren kann. „Hut ab vor Alleinerziehenden, die das allein durchwuppen“, betont der Sozialpädagoge. Er und sein multiprofessionelles Team der Familienberatung in Hoheneck begleiten viele Elternteile, die in Trennung leben. „Die Aufgaben in der Weihnachtszeit sind besonders auch für diese Familien eine große Belastung.“ Eine gute Planung sei essenziell. „Besonders wenn die Aufgaben dichter werden, ist es wichtig, am Wochenende die kommende Woche planerisch durchzugehen, wann wo wer was zu machen hat.“

Hilfreich sei auch, „zu schauen, an wen ich Aufgaben delegieren kann und, welche Möglichkeiten es gibt, die Themen zu entspannen.“ Können beispielsweise die Kinder mit Oma und Opa Plätzchen backen? Oder wie wäre es, sich mit befreundeten Familien zu treffen, um gemeinsam zu backen oder zu basteln? Die große Schwierigkeit sei es, die eigenen Bedürfnisse nicht auf der Strecke zu lassen.

Sich fragen, was stresst

Als Eltern sollte man sich fragen: Was stresst mich? Welche Termine kann ich weglassen? Was sind meine Kraftquellen? „Die Weihnachtszeit ist mit vielen Erwartungen verbunden, das ist allgemein ein sehr aufgeladener Punkt.“ Die Frage sei: „Muss, kann ich allen Erwartungen gerecht werden?“ Vor allem auch in der Weihnachtszeit gelte es mit Kindern, so der vierfache Vater, „für alles genügend Zeit einzuplanen“. Und in Stresszeiten auf Augenhöhe mit dem Kind zu bleiben, mit ihm ganz präsent und ruhig zu sprechen.

An Heilig Abend helfen Rituale, die gut zur Familie passen: „Klare Abläufe, die geben den Kindern total viel Sicherheit.“

Auch für Florentine Kochanski war es die wichtigste Erkenntnis für die Weihnachtszeit mit der Familie, „die Erwartungen herunterzuschrauben.“ Die Bissingerin ist systemische Familienberaterin und hat selbst zwei Söhne im Alter von 15 und fast fünf Jahren. „Man merkt, die Zeit ist sehr fordernd für viele Familien, es gibt eine sehr hohe Erwartungshaltung von allen Seiten.“

Selbst gebastelter Adventskalender hier, Vereinsengagement da, und seit ein paar Jahren der Wichteltrend. Wichtig sei es, zu hinterfragen: Muss das wirklich auch noch sein? Früher hatte sie große Familienessen vorbereitet. Gans gab es. „Ich stand sehr viel in der Küche.“ Bald hatte Kochanski aber die Traditionen hinterfragt, „und wir haben neue geschaffen, die besser zu unserer Lebensphase passen.“ Zum Beispiel, dass es nun bei Kochanskis seit Jahren Raclette an Weihnachten gibt. „Das ist leicht vorzubereiten und wir können anfangen mit essen, wann wir wollen.“ Bei vielen Familien beobachtet die 42-Jährige das Spannungsfeld zwischen „lieb gewonnenen, völlig nachvollziehbaren Traditionen“ und den Bedürfnissen der Familie mit Kindern.

Neue Traditionen schaffen

„Die Traditionen zu ändern, zumindest für eine Zeit, nimmt oft viel Druck heraus.“ Auch macht die Familie die Bescherung deutlich vor dem Essen, „so um 17 Uhr. Die Kinder sind eh den ganzen Tag so hibbelig.“ Danach könne in Ruhe gegessen werden und es sei später nochmal Zeit für die Geschenke.

Und wenn es doch mal stressig wird, empfehlen Florentine Kochanski und auch Benjamin Bachmann, sich zu trauen, bei anderen, etwa bei der Familie oder Freunden, nach Hilfe zu fragen und sich damit etwas Entlastung und Pausen zu schaffen.