Kreis Ludwigsburg
: Wetterumschwung setzt dem Igel zu

Die Insektenfresser stehen mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Auch in der Region fällt es ihnen immer schwerer, sich die nötigen Fettreserven vor dem Winterschlaf anzufressen.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Die Igel bereiten sich derzeit auf den Winterschlaf vor. Durch den Klimawandel und den Menschen fällt das jedoch vielen Tieren immer schwerer. Schon eine Schale mit frischem Wasser kann helfen.

dpa/Jonas Walzberg

Die Igel sind los. Aktuell bereiten sich die kleinen Tiere auf den Winterschlaf vor, indem sie sich Fettreserven anfressen. Das stellt sie aber wiederum, unter anderem aufgrund des Klimawandels, vor immer größere Herausforderungen. Inzwischen steht der Igel schon auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Tierarten, die Auszeichnung als Wildtier des Jahres 2024 soll Aufmerksamkeit auf die prekäre Lage der tierischen Stadtbewohner lenken.

„Der Igel litt in den vergangenen Jahren unter den trockenen Sommern“, weiß Christoph Kaup vom Naturschutzbund (Nabu) Sachsenheim. Dann findet der Insektenfresser nämlich weniger Regenwürmer und Insekten. Aber auch der Straßenverkehr spiele eine große Rolle. „Der Igel ist bei der Überquerung einer Straße besonders langsam“, sagt Kaup. Und da sich der stachelige Nachtwanderer in einem größeren Areal bewegt, kommt er um Straßen oft nicht umhin. Abhilfe schaffen Krötentunnel, die auch gerne von Igeln benutzt werden.

Mähroboter werden zum Problem

Aber auch ausgeräumte Gärten schaden dem Igel, der einen geschützte Platz für sein Nest benötigt. Zu den natürlichen Feinden des Igels zählen zudem Mähroboter, die trotz Stachelkleid schwerwiegende Verletzungen verursachen können. Die Stadt Köln hat deswegen vor wenigen Tagen ein Nachtfahrverbot für Mähroboter erlassen.

Will man Igeln helfen, solle man einen naturnahen Garten anlegen, sagt Kaup. Ohne den berühmten Kirschlorbeer, der kaum Insekten anlockt. Herbizide und auch das beliebte Schneckenkorn solle man lieber nicht einsetzen, sagt Kaup. Das zerstöre nämlich die Schleimhäute im Magen des Igels. Ein Haselnussstrauch hingegen sei zu empfehlen, auch wenn dieser sich gleichwohl auch bei Blattläusen großer Beliebtheit erfreut. „Daran sieht man, dass es Leben spendet.“ So helfe man nicht nur dem Igel, sondern der Natur im Gesamten.

Wer den eigenen Gartenbewohner unterstützen möchte, der kann ihm eine Schale mit frischem Wasser hinstellen, sagt Kaup. Das Füttern sollte man hingegen möglichst unterlassen. Sollte der Igel sichtlich geschwächt sein, dann empfiehlt Kaup Katzennassfutter mit Haferflocken. Unter keinen Umständen sollte man dem Igel Milch geben, auch Obst steht für gewöhnlich nicht auf dem Speiseplan der Tiere. „In der Natur essen sie einen Apfel nur, weil da Würmer drin sind“, sagt Kaup. Auch wenn Igel aufgrund warmer Temperaturen vorzeitig aus dem Winterschlaf erwachen, könne man ihnen Futter hinstellen.

Im Außengehege selbst pflegen

Sollte man tagsüber kleine hilflose Igel entdecken, dann seien diese mit großer Wahrscheinlichkeit verwaist. Dann sei Hilfe geboten. Die Tiere auf eigene Faust aufzupäppeln sei jedoch kompliziert, sagt Kaup. Lieber solle man sich an eine Igelauffangstation wenden.

Ursula Gericke leitet das Tierheim Ludwigsburg. Sie sieht das anders: „Das Tierheim kann nicht 500 Igel aufnehmen. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Igel selbst zu pflegen, im Idealfall in einem Außengehege, dann wäre das am Besten.“ Zunächst sollte man jedoch zu einem Tierarzt, Tierheim oder einer Auffangstation gehen, auch um sich beraten zu lassen. Aktuell beherberge man im Ludwigsburger Tierheim rund 30 Igel, manch eine Familie habe man aber bereits wieder in die Wildnis entlassen. In diesem Jahr habe der Wetterumschwung und der rasante Temperaturabfall den Igeln stark zugesetzt, sagt Gericke. Immerhin gebe es in diesem Jahr genug Wasser.

Dennoch: „Die Igelmütter sind in einem schlechten Zustand.“ Durch einen starken Parasitenbefall kommen viele Igel völlig geschwächt im Tierheim an. Doch Gericke appelliert an die Igelfreunde: „Mit Anleitung kann fast jeder einen Igel überwintern. Gerne kann man auch einen aus dem Tierheim als temporäres Haustier über den Winter aufnehmen.“