Kreis Ludwigsburg
: Wenn Bürgermeister Opfer von gefälschten Profilen werden

Betrüger versuchen so an sensible Daten der Follower zu gelangen. Auch der Ludwigsburger OB Matthias Knecht war zuletzt betroffen.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Unter anderem die Instagram-Profile des Ludwigsburger Oberbürgermeisters Matthias Knecht und des Freiberger Schultes Jan Hambach wurden zuletzt imitiert.

/Martin Kalb

Immer mehr Menschen nutzen soziale Medien wie Instagram, Tik Tok und Co. als primäre Nachrichtenquelle. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch immer mehr Bürgermeister die Plattformen nutzen, um über aktuelle Entwicklungen in Ihrer Stadt oder Gemeinde zu informieren, in den direkten Austausch mit der Bevölkerung zu treten und hin und wieder auch Einblicke in Privates zu gewähren.

Doch Nutzer sind gut beraten, genau hinzuschauen, welches Profil sie da anschauen. Denn zuletzt wurden vermehrt Fake-Profile von Bürgermeistern auf Instagram entdeckt, die den Original-Accounts auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sehen. Ziel ist dabei meistens, Geld oder Daten von unachtsamen Nutzern zu erbeuten.

Einladung in WhatsApp-Gruppe

Unlängst wurde der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht Opfer eines solchen Fake-Profils. Am Mittwoch, 24. September, habe er von dessen Existenz erfahren, nachdem mehrere Hinweise aus unterschiedlichen Richtungen bei der Ludwigsburger Stadtverwaltung eingingen. Bei dem Fake-Profil habe es sich um ein privates Konto gehandelt, das Bilder vom offiziellen Profil des OBs übernommen und unter eigenem Namen geteilt habe, heißt es aus dem Presseamt der Stadt. Darüber hinaus seien Personen direkt angeschrieben worden und in eine angebliche „VIP-WhatsApp-Gruppe“ eingeladen. „Ziel des Fake-Profils war es offenbar, Nutzerinnen und Nutzer zur Herausgabe sensibler Daten zu bewegen.“

Das Fake-Profil wurde demnach unverzüglich bei der Plattform gemeldet, zudem wurden alle rechtlich möglichen Schritte innerhalb der Plattform eingeleitet. Auch habe man umgehend eine Warnung über die offiziellen Accounts der Stadt und des OBs herausgegeben. Da das Profil noch am gleichen Abend gelöscht wurde, habe man von einer Anzeige abgesehen, heißt es aus dem Presseamt der Stadt weiter. OB Knecht freue sich zwar grundsätzlich darüber, dass viele Menschen seine Arbeit verfolgen. „Dass jedoch ein Fake-Profil unter seinem Namen erstellt wird, um sensible Daten von Bürgerinnen und Bürgern abzugreifen, ist für ihn inakzeptabel, von rechtlichen Konsequenzen ganz zu schweigen“, teilt das Presseamt mit.

Abweichungen in der Schreibweise

Dort weist man weiter darauf hin, dass der OB auf Instagram unter dem Namen „@matthias.knecht.ob“ vertreten ist und keine gleichnamigen Accounts existieren. Außerdem gebe es auf Facebook sowohl ein persönliches Profil unter seinem Namen als auch eine öffentliche Seite. „Weitere Profile existieren nicht und wird es auch zukünftig nicht geben.“ Gefälschte Profile fallen oft durch minimale Abweichungen in der Schreibweise auf. Auch eine besonders geringe Zahl an Followern kann in solchen Fällen Aufschluss geben.

Der Freiberger Bürgermeister Jan Hambach wurde Medienberichten zufolge gleich zweimal Opfer besagter Fake-Profile: Einmal im Juli und zuletzt im September. Die Follower seien gefragt worden, ob sie Interesse an einem Austausch über Investitionsmöglichkeiten hätten.

Warum sich die Ermittlungen der Polizei oft schwierig gestalten

Wie das Polizeipräsidium Ludwigsburg auf BZ-Anfrage mitteilt wurden zuletzt auch die Rathauschefs aus Sindelfingen, Schönaich und Ditzingen Opfer der Fake-Profile. Verursacher konnten jedoch nicht ermittelt werden. Das liege unter anderem daran, dass Ersuche der Polizei bei ausländischen Anbietern nicht oder nicht zeitnah bearbeitet werden. Zudem würden Profile oft bereits nach kurzer Zeit gelöscht, sodass zwar Screenshots, jedoch keine Daten mehr beim Anbieter vorliegen. Die Verfahren wurden laut Pressesprecher Steffen Grabenstein wegen Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz geführt. Da es sich dabei um ein Antragsdelikt handle werde nur nach Anzeige ermittelt. Hinweise auf andere Straftaten im Zusammenhang mit den Fake-Profilen liegen laut Grabenstein nicht vor.

„Grundsätzlich ist es nicht unbekannt, dass Daten Dritter von Betrügern missbräuchlich verwendet werden, um ihre Opfer zu täuschen. Gerade bei Immobilien- oder Fahrzeuggeschäften wird beispielsweise immer wieder fremdes Bildmaterial verwendet, um damit falsche Kauf- oder Mietgesuche zu veröffentlichen und andere Menschen um ihr Geld zu bringen“, sagt Steffen Grabenstein. „Dass Daten von Prominenten oder Politikern für Betrügereien genutzt werden, ist auch nicht grundsätzlich neu, kam hier in unserem Zuständigkeitsbereich in den letzten Jahren aber nicht vor.“

Doch wie kann man sich schützen? Gerade für Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sei das nicht einfach, sagt Grabenstein. Schließlich seien in diesen Fällen automatisch personenbezogene Daten und Bilder im Umlauf, auf deren unbefugte Verwendung man keinen Einfluss habe. Privatpersonen rät die Polizei, vorsichtig zu sein, welche Daten online zugänglich gemacht werden.