Kreis Ludwigsburg
: Was kostet ein Besuch beim Besen?

Der Herbst ist Besenzeit. In der Region gibt es zahlreiche dieser Weinlokale auf Zeit, die als gemütlich, günstig, gesellig gelten. Was kosten aktuell Trollinger und Maultaschen?
Von
Bigna Fink
Ludwigsburg
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Südwest Presse

Ein Viertele Wein, dazu Maultaschen mit Kartoffelsalat, so könnte eine Bestellung in einem Besen aussehen. Sie gehören zum lebendigen Kulturgut in der Region: Besenwirtschaften, traditionelle Weinstuben, die selbst erzeugte Weine und schwäbische Hausmannskost servieren. Die Preise sind in den Besenwirtschaften vergleichsweise moderat bis günstig im Vergleich zu einem herkömmlichen Restaurantbesuch. Denn ein Besen genießt in der Regel rechtliche und steuerliche Sonderrechte, die die Betriebskosten massiv senken.

Wir haben bei drei Inhabern von Besen im Umkreis nachgefragt, wie es bei ihnen so läuft und was ein Besuch in ihrer Stube aktuell kostet.

Zur Hochsaison 300 Gäste am Tag

An diesem Donnerstagnachmittag ist viel los im Wengerthäusle in Sachsenheim-Hohenhaslach. Es befindet sich am Ortsausgang Richtung Spielberg und Ochsenbach und ist Weinstube seit 2002. „Wir haben diese Woche zum ersten Mal nach der Sommerpause geöffnet, und es scheinen alle Leute darauf gewartet zu haben“, berichtet Anita Katzer, die mit ihrem Mann und Sohn das Wengerthäusle betreibt.

Traditionell kurz nach Ende der Weinlese machen die Katzers ihren Besen eine Woche auf, um dann wieder im November und Dezember je zwei Wochen am Stück zu öffnen, dienstags bis samstags von 11.30 Uhr bis 21 Uhr. „Dass wir ab mittags offen haben, schätzen unsere Gäste sehr “, erzählt Holger Katzer, der Sohn des Inhaberpaares.

„Wir haben aktuell sehr viele Gäste, fast zu viel“, sagt Anita Katzer lachend. „Derzeit sind wir bloß zu fünft – zwei in der Küche, zwei am Bedienen und ich serviere.“ In der Hochsaison kommen an einem Tag bis zu 300 Gäste ins Wengerthäusle, das zwei Räume und im Sommer eine Gartenterrasse umfasst. Das Viertele gibt es bei Katzers ab 4,10 Euro. Das Winzersteak mit Brot kostet 9,90 Euro, ein gebackener Camembert mit Blattsalat und Brot ebenfalls für 9,90 Euro, der hausgemachten Kartoffelsalat für 4,80 Euro.

Als Selbstvermarkter merken die Katzers die Problematiken um die gestiegenen Material- und Personalkosten und die Weinbaukrise: „Auch bei uns ist der Weinabsatz rückläufig.“ Es kommen laut Holger Katzer weniger Gäste in die Weinstube, auch aufgrund der hohen Inflation oder sie konsumieren einfach weniger. Der Trend zu weniger Weinkonsum und mehr alkoholfreien Getränken sei spürbar. Zudem seien viele der Hauptgäste über 80 Jahre alt: „Wir spüren, dass uns die ältere Generation leider wegstirbt.“ Einige Gäste kämen als Wanderer. Aber auch aufgrund des schlecht ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs im Kirbachtal fänden nur wenige jüngere Gäste zum Wengerthäusle. „Wie andere Gastronomen auf dem Land leiden auch wir an Personalnot“, erzählt Holger Katzer. „Zum Glück haben wir einen Schüler gefunden, der uns nachmittags zwei, drei Stunden aushilft.“

Zufrieden in der Weinstube Feeß

Auf dem Weißenhof zwischen Löchgau, Kleinsachsenheim und Bietigheim befindet sich seit 1990 die gemütliche Weinstube Feeß. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem Besen und freuen uns jede Saison über all unsere Gäste“, teilt Inhaber Frank Feeß mit. Weiteres Personal könne er aber gebrauchen: „Wir sind immer froh über neue Mitarbeiter.“ Seine Löchgauer Weinstube, die er einst mit seiner Frau von seinen Eltern übernommen hat, läuft unter Vollkonzession, die rechtlich als Gaststätte geführt wird, da dort außerhalb der Öffnungszeiten auch sehr viele Geburtstage und andere Feiern stattfinden. Wenn ein Besen nur bis zu vier Monate im Jahr offen hat, darf ein Wengerter ihn ohne Gaststättenkonzession betreiben.

Ein Viertele vom Holzfass kostet beim Weingut Feeß zwischen 4,50 und 7 Euro, der Schweinehals vom Grill mit Kraut und Brot gibt es für 14 Euro und Schupfnudeln mit Kraut für 6 Euro. „Seit diesem Jahr haben wir unseren eigenen Sekt,“ erzählt Feeß stolz. Der sei hergestellt in der eigenen Kellerei, vom eigenen Weinbau sowie in Zusammenarbeit mit dem Weingut Gosch. Ihre Weine bauen sie selbst aus, so der Wengerter. Die Löchgauer Weinstube hat wieder vom 4. bis 15. November, stets ab 16 Uhr, geöffnet.

Einkehr bei den Weingärtners

Carina und Michael Weingärtner aus Gemmrigheim sind – wie passend – Weingärtner mit Leidenschaft. Das Ehepaar, beide Mitte 30, bewirtschaften den Weinbaubetrieb in fünfter Generation und betreiben seit zehn Jahren ihren Besen „Zum Weingärtner“ mitten im Dorf. Von gastronomischen Problemen spüren sie eigentlich nichts, wie Carina Weingärtner sagt. „Wir sind sehr gut besucht.“ Ein Glas Trollinger mit Lemberger bekommt man hier für 3,50 Euro, Salzfleisch mit Brot für 9 Euro. Gemüsemaultaschen gibt es für 10,80 Euro. Bis 18. Oktober hat das Lokal geöffnet, dann wieder ab dem 28. Oktober, mittwochs bis freitags ab 16 Uhr und samstags und sonntags ab 11.30 Uhr.

Welcher der rund 50 Besen gerade offen hat

 Von rund 50 Besenwirtschaften im Landkreis Ludwigsburg geht das Landratsamt aus. 19 Besen gibt es im Kreis Ludwigsburg im Vereinsgebiet Kraichgau-Stromberg-Tourismus (KST), das Bönnigheim, Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen, jedoch nicht etwa Ludwigsburg und Asperg umfasst.

In einem Besen-Guide auf der Webseite des Tourismusvereins sind geöffnete Besen im KST-Gebiet gelistet. Im Wochenblatt Rundschau gibt es wöchentlich eine Übersicht über geöffnete Besen in der Region.

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