Kreis Ludwigsburg
: VR-Bank Ludwigsburg zieht Bilanz

2022 sei aufgrund der Folgen des Ukraine-Kriegs – eine dramatische Inflation und einer panische Zinswende – kein einfaches Jahr gewesen, sagte Vorstand Timm Häberle. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass die VR-Bank Ludwigsburg auch im bundesweiten Vergleich gut angekommen sei.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Rückblick auf das Jahr 2022 und Ausblick auf Markgröningen: Der Vorstand der VR-Bank Ludwigsburg bei der Bilanzpressekonferenz (von links): Heiko Herbst, Joachim Sandner, Timm Häberle und Frank Kraaz.

/Martin Kalb

Die Fusion war der richtige Schritt, zum richtigen Zeitpunkt, mit den richtigen Partnern“, sagte der Vorstand der VR-Bank Ludwigsburg, Timm Häberle. Bei der Jahresbilanz am Donnerstag im Oberen Stadttor in Markgröningen, schaute der Vorstand auf die Entwicklungen des Jahres 2022 zurück, das erste gemeinsame Geschäftsjahr der neuen, fusionierten VR-Bank Ludwigsburg.

Nach der eigentlichen Zusammenlegung der drei Häuser Ludwigsburg, Neckar-Enz und Asperg-Markgröningen sei 2022 die Leistungsfähigkeit ausgebaut worden, sagte Häberle: „Rückwirkend lässt sich feststellen, dass alle Anstrengungen notwendig waren und die Fusion zu keinem späteren Zeitpunkt hätte kommen sollen.“ Das vergangenen Jahr sei aufgrund der Folgen des Ukraine-Kriegs – eine dramatische Inflation und eine panische Zinswende – kein einfaches Jahr gewesen. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass die VR-Bank Ludwigsburg auch im bundesweiten Vergleich gut angekommen sei.

Massiver Zinsanstieg

Die Bilanzsumme lag mit 6,1 Milliarden Euro um 1,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Vor allem Baufinanzierungen und gewerbliche Kredite hätten das Kundenkreditgeschäft angetrieben und es um 4,4 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro steigen lassen. Der massive Zinsanstieg habe sich „regelrecht in die Zinskurve hineingefressen“, sagte Vorstandsmitglied Frank Kraaz: „Der Markt muss sich neu finden.“ Den höheren Zinsen stünden Immobilienpreise auf hohem Niveau gegenüber. „Aber es ist ein normales Zinsniveau, auf das wir uns hinbewegen.“ Die Kundeneinlagen seien dank der politischen Abkehr vom Null-Zins um 2,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gewachsen.

Unter den Top 15

Im Provisionsgeschäft rechnet der Vorstand mit einem guten Ergebnis in der Größenordnung des Vorjahreswertes. Bei der Produktentwicklung habe sich die VR-Bank am Bedarf der Kunden orientiert und Produkte mit „echtem Passivwachstum“ entwickelt, sagte Vorstandsmitglied Joachim Sandner.

Mit einem Rekordergebnis von 195 Millionen Euro (30 Prozent mehr als im Vorjahr) vermitteltem Bausparvolumen 2022 befinde sich die VR-Bank unter den Top 15 der bundesweit 772 Volks- und Raiffeisenbanken.

„Eine für Genossenschaftsbanken hervorragende Cost-Income-Ratio von 0,58 zeigt, dass die fusionsbedingt erwarteten Einsparungen und Synergien bei den internen Prozessen entsprechend unserer Planung für das erste Geschäftsjahr realisiert werden konnten“, sagte Sandner.

Bei den Kosten „im Plan“

Auch das Betriebsergebnis vor Bewertung falle mit 53 Millionen Euro erfreulich gut aus, bilanziert Vorstandsmitglied Heiko Herbst. Bei den Kosten „sind wir im Plan“, beim Personal sogar unter Plan, sagte Herbst.

Die notwendigen Investitionen zur Abfederung der Folgen von Zinsanstieg und Inflation hätten 2022 allerdings das Jahresergebnis belastet. Das Betriebsergebnis nach Bewertung falle daher geringer als in den Vorjahren aus. Gleichwohl konnte die Bank mit 5,9 Millionen Euro trotzdem einen um 300 000 Euro höheren Jahresüberschuss als 2021 realisieren.

Ungewöhnlicher Hindernislauf

2022 sei ein ungewöhnlicher Hindernislauf gewesen, sagte Timm Häberle. Auch 2023 werde anspruchsvoll, weil es noch einige Päckchen aus der Fusion zu tragen gebe. „Es tut zuerst weh, bevor es besser wird“, sagte Häberle, „aber wir sind froh über die Bündelung der Kräfte“. Das gute Ergebnis der VR-Bank im bundes- und landesweiten Vergleich, mache Mut.

Die Fusion sei bei den Mitarbeitern angekommen, es gebe ein konstruktives Miteinander. Von den zwei Arbeitsgerichtsprozessen sei nur noch ein Verfahren anhängig, der Prozess der Betriebsratsvorsitzenden gegen die VR-Bank (die BZ berichtete). Auch wenn sich die Unternehmenskultur nicht in sechs Monaten ändern könne, werde – vom Azubi bis zum Vorstand – eine Politik des gegenseitigen Austauschs auf Augenhöhe angestrebt, sagte Häberle.

Kennzahlen der VR-Bank Ludwigsburg

• 6,1 Milliarden Euro Bilanzsumme 2022 (2021: 6,0 Milliarden Euro).

• 4,8 Milliarden Euro haben die Kunden bei der VR-Bank angelegt (2021: +2,6 Prozent).

• 3,6 Milliarden Euro umfasst das Kunden-Kreditgeschäft (2021: + 4,4 Prozent).

• 61 Standorte betreut die VR-Ban, (2021: 59 Standorte).

• 195 Millionen Euro beträgt die von der VR-Bank vermittelte Bausparsumme (2021: 150 Millionen Euro).

• 170327 Kunden zählte die VR-Bank 2022 (im Vergleich zu 2021: +1516), 77 Prozent davon sind Mitglieder.

• 5,9 Millionen Euro betrug der Jahresüberschuss (2021: 5,6 Millionen Euro).

• 53 Millionen Euro betrug das Betriebsergebnis für 2022 vor der Bewertung (2021 ohne Fusionseffekte bei 42 Millionen Euro), der Planansatz lag für das vergangene Jahr bei 44 Millionen Euro.

• 0,58 Euro betrug das Aufwand-Ertrag-Verhältnis (Vorjahr: 0,64 Euro).