Kreis Ludwigsburg
: Von Fasching und Fassanstich

Wie bereiten sich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister eigentlich auf ihre vielfältigen Aufgaben vor? Die BZ hat nachgefragt.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Bürgermeisterin Simone Lehnert genießt den Fasching in Ingersheim.

/Martin Kalb

Nicht nur im Gemeinderat und bei der Haushaltsplanung, auch an Fasching und beim Fassanstich muss der Bürgermeister, die Bürgermeisterin eine gute Figur machen. Lernt man das im Studium? Die BZ hat nachgefragt.

Nein, vertiefendes Wissen zu Fasching und Fassanstich wird künftigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg nicht beigebracht. Der Studiendekan und Prodekan in Public Management Prof. Dr. Rafael Bauschke ist aber überzeugt: Die meisten der Studentinnen und Studenten „schaffen sich diese Fähigkeiten selber drauf“. Viele seien in Vereinen engagiert und würden auf den dortigen Festen Erfahrungen sammeln. Sensibilisiert wird an der Hochschule laut Bauschke für kulturelle Traditionen. Der größere Teil der Studenten käme selbst aus Kommunen mit 5000 bis 15.000 Einwohnern und würde Fasching oder Fasnet daher schon kennen. Außerdem seien die Studenten dazu aufgerufen, sich mit ihren künftigen Gemeinden auseinanderzusetzen. Darüber hinaus werde gelehrt, wie man Reden schreibt und welche Ansprachen zu welchem Anlass passen.

Bürgermeisterin Simone Lehnert fällt das Faschingsfeiern leicht. Aufgewachsen in Neresheim, war sie 15 Jahre lang Gardetänzerin. „Einmal im Jahr etwas ganz anderes zu machen“, macht ihr Spaß. Sich bei der Fasnetszunft Holma’le in eine Hexe zu verwandeln, gefällt ihr gut. Entweder aktiv dabei oder gar nicht, ist ihre Devise.

Der Job einer Bürgermeisterin sei vor allem eines – vielseitig. Die Anlässe reichten von Himmelhochjauchzen bis zu Tode betrübt. In Lehnerts Studium gehörte das Redenschreiben noch nicht zum Lehrkanon. Sie schätzt den Austausch mit anderen Bürgermeistern und -innen. Vorlagen von witzigen Rede gebe es zwar auch zu Kaufen, darauf habe sie aber noch nie zurückgegriffen.

„Man wächst hinein“

Beim Fassanstich sei man auf die Unterstützung der Vereine angewiesen, sagt Lehnert. Der Dichtungsring müsse richtig positioniert sein – etwas, was bei ihrem ersten Fassanstich schief gelaufen sei. „Berührungsängste habe ich da keine“, sagt sie. Wovor die Ingersheimer Bürgermeisterin jedoch richtig Respekt habe, sind Nachrufe. Da es für eine Bürgermeisterin, einen Bürgermeister aber keine Ausbildung im engeren Sinne gibt, gelte auch hier: „Man wächst hinein“, sagt Lehnert.