Kreis Ludwigsburg
: Syphilis, Tripper, HIV: Gesundheitsamt berät anonym

Syphilis, Tripper, HIV: Wer befürchtet, sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion angesteckt zu haben, kann sich kostenlos testen lassen.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Um sich auf sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen, muss man zurzeit rund zwei bis drei Wochen auf einen kostenlosen Termin beim Gesundheitsamt warten.

/Britta Pedersen/Picture Alliance

Geplatztes Kondom oder andere Verhütungspannen sowie sexuelle Risikokontakte oder eine neue Beziehung sind einige der Gründe, warum Menschen die anonyme und kostenlose Beratung bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) und HIV im Gesundheitsamt des Landkreises aufsuchen. „Der Bedarf ist relativ hoch, wir sind regelmäßig ausgebucht“, sagt Dr. Stephan Döring, stellvertretende Leitung des Fachbereichs Gesundheitsförderung und -planung. Die Wartezeit beträgt aktuell rund zwei bis drei Wochen. Derzeit sind es rund 700 Beratungen, die pro Jahr vorgenommen werden. Im Gespräch mit der BZ erklärt Döring, wie ein solch anonymer Besuch abläuft.

Niederschwelliges Angebot

Unter der Telefonnummer (07141) 2020 kann man einen Termin bei der Beratungsstelle ausmachen. Die Termine finden donnerstags von 15 bis 17 Uhr statt. Am Telefon erhält man eine Nummer, mit der man sich vor dem Termin an der Anmeldung meldet. „Sexuell übertragbare Krankheiten sind immer noch tabubehaftet“, sagt Döring: „Deshalb wollen wir das Angebot niederschwellig, einfach und kostenlos halten.“ Zum Beratungsgespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin wird mithilfe der Nummer aufgerufen und man kann sein Anliegen schildern.

HIV, Syphilis, Chlamydien, Hepatitis C und Tripper sind einige der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Im Gespräch mit dem Arzt wird entschieden, welche Tests sinnvoll sein könnten. Neben allgemeinen Fragen werden in den Gesprächen auch Risiken erläutert, wie man sich schützen kann oder welche Impfungen, etwa gegen HPV (Humanes Papillomvirus) oder Hepatitis B, für einen sinnvoll sein könnten. Anschließend wird Blut entnommen, nach Bedarf werden Abstriche vorgenommen – im Rachen, vaginal oder anal. Außerdem kann eine Urinprobe nötig sein. Eine Woche nach den Tests erhält man anhand einer Identifikationsnummer telefonisch seine Testergebnisse. „Erfreulicherweise sind die meisten Tests negativ, allerdings werden nahezu wöchentlich Fälle von Chlamydien oder Tripper diagnostiziert“, sagt Döring. Regelmäßig kooperiert das Gesundheitsamt mit der Aidshilfe in Stuttgart und bietet spezielle Schnelltest an. Der Bluttest erfolgt ähnlich wie beim Blutzuckermessen durch einen kleinen Pieks. Dann sind die Ergebnisse bereits nach wenigen Minuten verfügbar. „Abgesehen von Notfällen wird für die Testung auf HIV, Syphilis oder Hepatitis C ein zeitlicher Abstand von mindestens sechs Wochen zum Risikokontakt empfohlen“, sagt er. Die Schnelltest-Termine werden auf der Homepage des Gesundheitsamtes angekündigt.

Telefonische Beratung

Sind die Menschen vorsichtiger oder risikofreudiger geworden und kommen deshalb öfter zur STI-Beratung als früher? Das kann Döring nicht sagen. Dass sich viele Menschen, im Schnitt zwischen 20 und 30 Jahren im Gesundheitsamt zu STI beraten lassen, hält er auf jeden Fall für ein gutes Zeichen.

Neben den Tests beantworten die Ärzte auch allgemeine Fragen zu Verhütung und Schwangerschaft. Wer ausschließlich eine Beratung, aber keine Tests benötigt, dem werde auch telefonisch geholfen. Das Gesundheitsamt ist gesetzlich verpflichtet, ein solches Angebot, das vom Landkreis getragen wird, im Bereich Infektionsschutz anzubieten. „Ein Angebot, das alle Zielgruppen erreicht“, ist Döring überzeugt.