Kreis Ludwigsburg: So klappt’s mit den Vorsätzen

Mehr Sport zu machen gehört für viele zu den klassischen Neujahrsvorsätzen.
Martin KalbGute Vorsätze zu formulieren ist einfacher als sie auch umzusetzen. Wie es doch noch klappt, verrät Dr. Linny Geisler im BZ-Interview. Die 40-Jährige promovierte an der Universität Tübingen und berät in ihrer Praxis für Systemisches Coaching und Systemische Therapie in Bietigheim-Bissingen, Menschen, die ihr Verhalten ändern möchten.
Warum fällt es oft so schwer, gute Vorsätze durchzuhalten? Also etwa Sport zu machen, statt auf der Couch zu liegen und Chips zu essen?
Linny Geisler: So merkwürdig sich das vielleicht anhört: Es gibt viele „gute“ Gründe, Verhaltensweisen nicht zu verändern. Die erfüllen ja Bedürfnisse. Wenn man auf dem Sofa Chips futtert, sind das beispielsweise die Bedürfnisse nach Genuss und passiver Entspannung. Wenn ich das gegen Joggen im Regen eintausche, ist bereits der erste innere Konflikt da Zuerst sollte man aber klären, warum man etwas ändern möchte und mit welchem Ziel. Nur wenn ich mein Verhalten reflektiere, kann ich es auch nachhaltig ändern. Und man muss sich bewusst darüber sein, dass jede Veränderung auch einen Preis hat.
Was bedeutet das?
Wenn ich beispielsweise mehr Zeit mit der Familie verbringen möchte, statt ein Feierabendbier mit den Kollegen zu nehmen, kann sich das auf die Arbeitsbeziehungen auswirken. Wenn ich gesund kochen will, muss ich dafür einkaufen und das Essen zubereiten. Das ist viel aufwendiger als eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben.
Wie schaffe ich es durchzuhalten?
Zuerst: Am besten setzt man sich keine abstrakten, sondern konkrete Ziele, die erreichbar sind. Wenn ich aufgrund meiner Arbeitssituation unter der Woche nicht gesund essen kann, dann mache ich das eben am Wochenende. Und dann muss der Druck heraus. Man muss nicht immer 100 Prozent erreichen. Für viele Menschen ist so ein Anspruch ein Hemmschuh. Manchmal reichen auch 70 oder 50 Prozent: Wenn ich heute nicht fünf Kilometer laufen kann, dann eben nur drei.
Immer motiviert zu bleiben ist trotzdem ganz schön schwierig.
Motivationstiefs sind ganz normal. Was da hilft, ist Hilfe von Außen. Beim Sport kann das ein Personal Trainer oder Trainings-Buddy sein, mit dem man sich gegenseitig pusht. Bei anderen Vorhaben kann es hilfreich sein, sein Umfeld mit einzubeziehen und sich regelmäßig Feedback zu holen. Bestätigung ist sehr motivierend. Und dann gilt es, das neue Verhalten so in den Alltag einzubauen, dass es eine neue Routine wird.
Selbst wenn man es schafft, ein Verhalten zu ändern, fällt man trotzdem oft in alte Muster zurück.
Deswegen muss man sich fragen, warum man ein bestimmtes Verhalten wie zum Beispiel Rauchen mal angefangen hat, zur Stressbewältigung etwa. Damit ich in so einer Situation nicht wieder eine Zigarette anzünde, hilft es Alternativen dazu zu entwickeln. Das verringert das Risiko, in alte Muster zurückzufallen.